Missbrauch von Kindern
"Zahl der betreuten Familien hat zugenommen"

In 195 Fälle registrierte die Beratungsstelle gegen Kindesmissbrauch an der DRK-Kinderklinik Siegen im Jahr 2020.
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sz Siegen. Die Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen (ÄB) an der Siegener DRK-Kinderklinik stellte jetzt ihren Jahresbericht 2020 mit den Zahlen für die Region vor. Darin vermelden Antje Maaß-Quast und Marina Beer, die Fachkräfte der an der Siegener DRK-Kinderklinik ansässigen Einrichtung, mit 195 Fällen erneut gestiegene Fallzahlen für die Region.

"Die Zahl der betreuten Familien hat erneut zugenommen."
Antje Maaß-Quast
Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung
und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen

Zahl der Bertreuten Familien steigt

Neben der direkten Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen haben 33 professionelle Helfer von Jugendämtern, Familienhilfeeinrichtungen, Schulen und Familientagesstätten eine kollegiale Beratung in Anspruch genommen. „Auch im Jahr 2020 waren wir stark gefordert durch eine intensive Einzelfallarbeit, bei der zum Kindeswohl zudem oft mit anderen Institutionen, insbesondere mit den Jugendämtern und der Kinderschutzgruppe (KSG) der DRK-Kinderklinik zusammengearbeitet wurde. Die Zahl der betreuten Familien hat erneut zugenommen, in den letzten fünf Jahren hat sie um mehr als 40 Prozent zugenommen“, erläutert Antje Maaß-Quast. Die Familien mit Beratungsbedarf kamen wie auch im Vorjahr überwiegend aus der Stadt Siegen (28 Prozent) und dem Kreis Siegen-Wittgenstein (45 Prozent). Fasst man Stadt Siegen und Kreis Siegen-Wittgenstein zusammen, sind das insgesamt 73 Prozent aller Fälle. Der Anteil der Fallmeldungen aus dem Kreis Olpe ist auf 13 Prozent gesunken. Dafür wurden mehr Meldungen aus Rheinland-Pfalz registriert, 7 Prozent gegenüber 6 Prozent, im Vorjahr. 2 Prozent der Meldungen kam aus Hessen, Rest-NRW ist mit 5 Prozent der Meldungen vertreten.

Verteilung der Fälle hat sich verändert

Im Jahr 2020 bezogen sich 104 Beratungsanfragen auf Mädchen und junge Frauen, 91 Anmeldungen auf Jungen (2019: 109/83). Der Anteil der Beratung von Mädchen und Frauen an den gesamten Beratungsfällen beträgt damit 53 Prozent (2019: 57 Prozent). Der Anteil der Beratung von Jungen beträgt 47 Prozent (2019: 43 Prozent). Die Verteilung hat sich also im Vergleich zum Vorjahr etwas verändert. Größere Unterschiede der Meldezahlen nach Geschlechtern zeigen sich in diesem Jahr im Bereich der Unter-3-jährigen Kinder. Hier liegt die Fallzahl der Jungen deutlich über der Zahl der gemeldeten Mädchen (gleich zu 2019). In den Berichtsjahren zuvor dominierten ab dem Kindergartenalter die Anmeldungen der Mädchen. In diesem Jahr dominieren auch hier noch die Jungen, erst ab dem Grundschulalter liegt die Anmeldezahl der Mädchen über denen der Jungen.

Sexueller Missbrauch Hauptgrund

Hinsichtlich des Vorstellungsgrundes betrug der Anteil der Misshandlungssyndrome (sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung) für die Gesamtgruppe 95 Prozent (2019: 99 Prozent) und machte damit den weitaus größten Teil der Anmeldungen aus. Bei 22 Prozent der Anmeldungen (2019: 21 Prozent) – wurde häusliche Gewalt bzw. emotionale Misshandlung als einer der Anmeldegründe genannt.

Vernachlässigung wurde insgesamt in 16 Prozent der Fälle genannt (2019: 10 Prozent) und ist im Vergleich zum Vorjahr somit deutlich angestiegen. Der Beratungsbedarf für sexuell übergriffige Kinder/Jugendliche war in neun Fällen der Anmeldegrund (2019: 15) und ist im Vergleich zum Vorjahr somit niedriger. Bei den Mädchen stand wie im Vorjahr mit Abstand (54%, 56 Nennungen) der Verdacht auf sexuelle Misshandlung an erster Stelle. Bei den Jungen ging es in diesem Jahr bei den Anmeldungen vorwiegend um den Bereich der körperlichen Misshandlung (58%, 53 Nennungen), gefolgt von dem Verdacht auf emotionale Misshandlung (36%, 33 Nennungen). Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch wurde bei den Jungen in jedem vierten Fall (26%) genannt (2019: 29%). Abgenommen haben die Meldungen bei den Jungen im Bereich der Abklärung sexueller Übergriffe/Misshandler (7 Fälle in 2020 zu 14 in 2019). Der überwiegende Teil der vorgestellten Jungen zu dieser Thematik lebte in einer Patchworkfamilie oder in einer Wohngruppe.

Großteil Mittel der Stadt

Finanziert werden die 1,5 Stellen der beiden Mitarbeiterinnen des Vereins, der seinen Sitz an der Kinderklinik hat, zum Großteil von Mitteln der Stadt Siegen, des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie vom Land NRW. Die DRK-Kinderklinik Siegen stellt zudem die Räumlichkeiten zur Verfügung. Aber auch Spenden und Mitgliedsbeiträge helfen dabei, diese Einrichtung zu finanzieren und deren Arbeit mit den Betroffenen zu ermöglichen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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