Landrat und Bürgermeistern platzt der Kragen
Zahl der Impfdosen muss verdoppelt werden

Der Landrat und die Bürgermeister fordern ein Ende des Impfchaos'.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

sz Siegen/Bad Berleburg. Siegen-Wittgensteins Landrat Andreas Müller hat am Dienstag die Rathauschefs über die aktuelle Corona-Situation im Kreis und den Stand der Impfungen informiert. Bisher wurden rund 6000 Personen geimpft, davon etwa 1000 auch bereits zum zweiten Mal. Für das hiesige Impfzentrum kann der Kreis laut Land bis Ende März wöchentlich mit 1080 Dosen zur Impfung von über 80-Jährigen rechnen. Auf dieser Basis wurden bis 4. April insgesamt 8640 Impftermine über das Buchungssystem der Kassenärztlichen Vereinigung vergeben – womit das Kontingent bis zu diesem Termin ausgeschöpft ist.

Das Impfzentrum in Eiserfeld wird ab kommender Woche zunächst freitags bis mittwochs von 14 bis 20 Uhr für Impfungen der Senioren geöffnet sein. Dann sind täglich rund 170 Impfungen vorgesehen. Donnerstags ist das Impfzentrum für die Kräfte des Rettungsdienstes und der mobilen Pflegedienste reserviert. Das Impfzentrum wurde vom Kreis für eine Kapazität von bis zu 1500 Personen pro Tag ausgelegt – wenn eine entsprechende Impfstoffmenge zur Verfügung steht.

Anspruch auf Impfung

„Wenn Bund und Land das Versprechen einhalten wollen, bis Ende April alle über 80-Jährigen zumindest das erste Mal geimpft zu haben, muss die Zahl der Impfdosen, die wir im April bekommen sollen, mehr als doppelt so hoch sein, wie die in den nächsten Wochen“, rechnet der Landrat vor. „Denn bei uns haben noch weitere 10 000 Senioren über 80 Jahre, die jetzt noch keinen Termin haben, einen Anspruch darauf, so schnell wie möglich geimpft zu werden“, betont Müller.

Er macht aus seiner Verärgerung über die Bundes- und Landespolitik keinen Hehl. Gemeinsam mit den Bürgermeistern fordert der Landrat „ein Ende des Impfchaos. Eigentlich müssten wir mit Blick auf die Impfstoffe alle in Hochstimmung und stolz auf das sein, was wir erreicht haben. Stattdessen herrscht Frust, wohin man auch schaut!“, stellt der Landrat fest. Schuld daran sei eine desaströse Politik von Bund und Ländern „und ein absolut unnötiges Schwarzer-Peter-Spiel“.

Kritik an Erlassen aus Düsseldorf

Diese Politik sei zudem gepaart mit hektischem Aktionismus auf dem Rücken der Kommunen. „Dass wichtige Erlasse aus Düsseldorf immer erst am Freitagabend kommen und bis Montag umgesetzt werden sollen, ist inzwischen leider die Regel. Was aber am vergangenen Freitag passiert ist, ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten“, kritisiert Müller scharf: „Um 18.48 Uhr haben wir per Mail über den Landkreistag erfahren, dass ab Montag in den Krankenhäusern wieder geimpft werden kann. Die entsprechende Bestellung der Impfdosen musste noch am selben Abend im Webshop bis 23.59 Uhr abgeschlossen sein. Für ein solches Vorgehen abseits aller Realität fehlt mir jegliches Verständnis.“

Müller: „Wenn der Ministerpräsident unseres Bundeslandes von einem ‚gelungenen Impfstart‘ spricht, ist er vermutlich so ziemlich der einzige in NRW, der das so sieht.“ Dass sich die Landesregierung weigert, dezentrale Impflösungen in den Flächenkreisen zu ermöglichen, fügt sich aus seiner Sicht nahtlos ins Gesamtbild ein.

Müller, ein Mann der SPD, ist wichtig zu betonen, dass seine Kritik frei von jeder parteipolitischen Wertung ist: „Wenn einem ruhigen und besonnenen CDU-Landratskollegen wie Stephan Pusch aus Heinsberg der Kragen platzt und er öffentliche und schonungslos mit der Corona-Politik des Landes abrechnet, wird deutlich, dass hier ganz grundsätzlich etwas im Argen liegt.“

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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