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Schulden: Neue Richtlinie befreit Betroffene früher von Restschuld
Zahl der Insolvenzen wird zunehmen

Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung: Die Coronapandemie hat finanzielle Auswirkungen auf die privaten Haushalte. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hat in den vergangenen Wochen nicht zugenommen – Entwarnung bedeutet das aber nicht.
  • Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung: Die Coronapandemie hat finanzielle Auswirkungen auf die privaten Haushalte. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hat in den vergangenen Wochen nicht zugenommen – Entwarnung bedeutet das aber nicht.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Siegen. Wie wird sich die Corona-Krise auf die Finanzen der deutschen Privathaushalte auswirken? Das Ergebnis dieser Rechnung verspricht interessant zu werden – noch liegt es aber nicht vor. Erste Einschätzungen lassen sich aus einer aktuellen Umfrage von Creditreform Wirtschaftsforschung und Boniversum herauslesen. Demnach wirkt sich die Krise bei 37 Prozent der Haushalte negativ auf die Finanzen aus. 20 Prozent der Befragten sollen gar Einbußen von einem zwischen einem Drittel und der Hälfte haben. 28 Prozent der Befragten drohen, in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Die Schuldenfalle droht.

js Siegen. Wie wird sich die Corona-Krise auf die Finanzen der deutschen Privathaushalte auswirken? Das Ergebnis dieser Rechnung verspricht interessant zu werden – noch liegt es aber nicht vor. Erste Einschätzungen lassen sich aus einer aktuellen Umfrage von Creditreform Wirtschaftsforschung und Boniversum herauslesen. Demnach wirkt sich die Krise bei 37 Prozent der Haushalte negativ auf die Finanzen aus. 20 Prozent der Befragten sollen gar Einbußen von einem zwischen einem Drittel und der Hälfte haben. 28 Prozent der Befragten drohen, in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Die Schuldenfalle droht.

2019: Knapp 7 Millionen Bürger überschuldet

Bis der neue Schuldneratlas von Creditreform in wenigen Wochen vorgelegt wird, bleibt der Blick in die Datensammlung des Vorjahrs, um schon einmal ein Gefühl für die Überschuldungslage vor Corona zu bekommen. 2019 galten etwa 6,9 Millionen Bürger in der Bundesrepublik als überschuldet. Ihre Einkünfte reichten also nicht aus, laufende Kredite zu bedienen. Im Kreis Siegen-Wittgenstein lag die Quote der Überschuldeten bei 9,58 Prozent, im Kreis Altenkirchen bei 11,51 Prozent. Etwas besser schnitt der Kreis Olpe ab, mit einer Überschuldungsquote von 8,57 Prozent.

Corona bringt Wirtschaft ins Wanken

Es liegt beinahe auf der Hand, dass sich diese Quoten in diesem Jahr nicht unbedingt zum Besseren erholt haben. Mit der Pandemie gerieten große Teile der Wirtschaft ins Wanken, der Shutdown im Frühling brachte Kurzarbeit, Jobverlust, Einbußen bei den Einkünften und damit finanzielle Schieflagen.

Der Pleitegeier kreist

Zahl der Verbraucherinsolvenzen bleibt gleich

Die Krise müsste sich eigentlich auch deutlich in den Zahlen der Insolvenzverfahren von Privatleuten widerspiegeln. Das jedoch ist nicht der Fall, wie der Blick in die Zahlen der Verbraucherinsolvenzen zeigt. Nicht nur bundesweit stehen die Zeichen eher auf Stagnation, auch regional gesehen ist das der Fall: Beim Amtsgericht Siegen wurden im Mai 37 Verfahren eröffnet (Vorjahresmonat: 32), im Juni 34 (23), im Juli 11 (24), im August zehn (22) und im September bis einschließlich Montag sieben (31). Diese Zahlen jedoch sind mit Vorsicht zu genießen, denn: Eine ganze Reihe von Verschuldeten dürfte derzeit auf eine Gesetzesänderung warten.

Neues Gesetz gilt ab 1. Oktober

Die Bundesregierung hat nämlich am 1. Juli einen Gesetzesentwurf des Justiz- und Verbraucherschutzministeriums verabschiedet, der eine Verkürzung des sogenannten Restschuldbefreiungsverfahrens bedeutet. Bislang dauerte es in der Regeln sechs Jahre, bis Betroffene bei entsprechender Mitarbeit von ihrer Restschuld befreit werden, ein Schnitt und ein Neustart gemacht werden können. Diese Zeit soll jetzt auf drei Jahre verkürzt werden. Das fordert eine EU-Richtlinie, die nun auf Bundesebene umgesetzt werden muss und für Verfahren ab dem 1. Oktober gelten soll. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass vielfach Anträge zurückgehalten werden, um von der verkürzten Dauer des Verfahrens zu profitieren“, sagt Richter Dr. Sebastian Merk, Sprecher des Siegener Landgerichts.
Aus Sicht der Verbraucher ist das Abwarten nachvollziehbar. Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben, das sagt schon der Volksmund. Nicht nur der Siegener Gerichtssprecher rechnet damit, dass die Zahl der Insolvenzanträge zu einem späteren Zeitpunkt deutlich ansteigen wird.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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