Jugendliche trinken disziplinierter Alkohol
Zahl der jungen Menschen mit Alkoholvergiftung rückläufig

Die Entwicklung beim Alkoholkonsum von Jugendliche ist positiv, aber noch gibt es keine Entwarnung.
  • Die Entwicklung beim Alkoholkonsum von Jugendliche ist positiv, aber noch gibt es keine Entwarnung.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

rege Siegen/Olpe. Das Ende der Schullaufbahn erlebt jeder nur einmal im Leben, den Abschluss in der Tasche ist erst einmal Party angesagt, ehe ein neuer Lebensabschnitt folgt. Auf ihre Mottowochen und die dazugehörigen „Feiertage“ hatten sich auch die Abschlussschüler des Jahres 2020 gefreut, bis sich ein Virus als Partybremse erwies und die Feierlaune in Corona-Frust verwandelte. Doch nicht nur Abschlussfeiern fielen Covid-19 zum Opfer, sondern auch Großveranstaltungen wie Stadtfeste, Schützenfeste und Kirmessen. Immerhin: Die fehlende Möglichkeit, rauschende Fest zu feiern, ließ auch die Zahl der Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, nach unten rauschen. Die Zahl der alkoholbedingt in die Siegener DRK-Kinderklinik eingelieferten Mädchen und Jungen sank im Jahr 2020 auf 38 und damit den zweitniedrigsten Wert der letzten zehn Jahre.

Landesweit weniger Komasäufer

Doch auch ohne Corona scheint das Rauschtrinken an Anziehungskraft zu verlieren. Das belegt ein Blick auf die Zahlen der vorherigen Jahre. Nach dem traurigen Rekord von 74 Fällen im Jahr 2018 waren es 2019 noch 62 junge Menschen, die nach zu exzessivem Konsum von Bier und Hochprozentigem zur Behandlung in die Kinderklinik gebracht wurden. Noch aussagekräftiger – und von der Tendenz her ebenfalls erfreulich – sind die aktuellen Zahlen, die das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen dieser Tage für das Jahr 2019 präsentiert hat. Landesweit ging die Zahl der Komasäufer unter 20 Jahren von 5191 im Jahr 2016 über 4924 (2017) und 4658 (2018) auf 4387 im Jahr 2019 zurück. Das war im Vergleich zu 2018 ein Minus von 5,82 Prozent.

Entwicklung noch positiver in der Region 

Noch positiver lesen sich die Entwicklungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. Im „SI“-Land ging der Wert von 72 auf 61 (30 Jungen; 31 Mädchen) und damit um 15,28 Prozent runter. In der Altersklasse U 15 sank die Fallzahl sogar von zwölf auf fünf, die niedrigste Zahl seit vielen Jahren. Im rund um den Biggesee gelegenen Nachbarkreis waren es im Jahr 2019 zum dritten Mal in Folge drei Heranwachsende unter 15 Jahren, die zu viel Alkohol konsumiert hatten. Der Gesamtzahl der unter 20-Jährigen, die zwischen Hünsborn und Finnentrop zu tief ins Glas geschaut hatten, betrug 23 (17 Jungen; 6 Mädchen). Nach 32 Fällen im Jahr 2018 war das immerhin ein Rückgang um 28,13 Prozent.
Die aktuellen Entwicklungen lassen Dirk Heppe, den Leiter der DAK-Geschäftsstelle Siegen, vorsichtig optimistisch in die feuchtfröhliche Zukunft der Jugendlichen blicken: „Die Tendenz passt, der Trend scheint in die richtige Richtung zu gehen. Wir freuen uns, dass es im Vergleich zum Vorjahr eine positive Entwicklung gibt. Solange immer noch Zahlen da sind, kann man nicht 100-prozentig zufrieden sein, aber immerhin ist ein Absinken der Zahlen zu erkennen.“ Sein Wunsch, für das Jahr 2020 noch bessere Zahlen zu bekommen, dürfte mit Blick auf die bereits vorliegende Auswertung der DRK-Kinderklinik ebenfalls in Erfüllung gehen. Da Heppe auch für 2021 mit der Absage von Abibällen und Zehner-Abschlussfeiern sowie Großveranstaltungen rechnet, halten sich die Sorgen zunächst in Grenzen, dass es in naher Zukunft zu einer negativen Trendwende kommen könnte. Mit dem Jahr 2019 vergleichbare Zahlen wird es wohl erst nach Corona geben, wenn die Partybremse wieder gelockert wurde.

Pandemie hat Zahlen gedrückt

Für Arndt Dickel, Pressesprecher der DRK-Kinderklinik in Siegen, ist das auch ein Grund, die positive Entwicklung nicht zu euphorisch zu sehen. „Die Zahlen 2020 sind sicherlich auch deshalb etwas geringer ausgefallen, weil die Einschränkungen im Hinblick auf entsprechende kritische Termine wie den 1. Mai, Abi- und Abschlussfeiern sowie öffentliche Feiern zu weniger Möglichkeiten des gemeinsamen Trinkens geführt haben. 2019 mussten wir 62 Jugendliche nach Alkoholintoxikation versorgen, was zwar etwas weniger als im Vorjahr ist, uns allerdings immer noch sehr hoch erscheint.“ Zudem müsse die Kinderklinik leider die Tendenz bestätigen, dass die Betroffenen bzw. eingelieferten Personen immer jünger werden. „Selbst zwölfjährige Patienten sind in den letzten Jahren keine Seltenheit“, sorgt bei Dickel nicht nur die Zahl, sondern auch das Alter der blauen Teenager für Katerstimmung. Das beste Mittel zur Katerbekämpfung wäre es da wohl, wenn sich der grundsätzlich positive Trend der jüngsten Vergangenheit fortsetzen sollte und das Lechzen nach alkoholischen Drinks im Rahmen bleibt, auch wenn es wieder mehr „Feiertage“ gibt …

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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