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Gute Ehen überstehen schlechte Zeiten
Zahl der Scheidungen noch stabil

Eine gute Partnerschaft übersteht auch schwere Zeiten - so wie die Corona-Pandemie.
  • Eine gute Partnerschaft übersteht auch schwere Zeiten - so wie die Corona-Pandemie.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

goeb Siegen. In guten wie in schlechten Zeiten, so lautet das Versprechen, das sich werdende Eheleute geben, wenn sie die Ringe tauschen. Die Pandemie, sie könnte die Nagelprobe für Paarbeziehungen sein. Lassen sich inzwischen mehr Paare scheiden? „Ich kann das nicht bestätigen“, antwortet Rechtsanwalt Stefan Znamenak aus Siegen auf die Frage, ob Corona und die vielen Probleme in ihrer Folge die Zahl der Ehescheidungen nach oben getrieben hat. Das kann natürlich noch kommen. Aber die Pandemie ist auch „erst“ ein Jahr alt und bekanntlich hat der Gesetzgeber vor den formalen Akt der Scheidung das Trennungsjahr gesetzt.

Znamenak ist als Rechtsanwalt u. a. spezialisiert auf Familienrecht.

goeb Siegen. In guten wie in schlechten Zeiten, so lautet das Versprechen, das sich werdende Eheleute geben, wenn sie die Ringe tauschen. Die Pandemie, sie könnte die Nagelprobe für Paarbeziehungen sein. Lassen sich inzwischen mehr Paare scheiden? „Ich kann das nicht bestätigen“, antwortet Rechtsanwalt Stefan Znamenak aus Siegen auf die Frage, ob Corona und die vielen Probleme in ihrer Folge die Zahl der Ehescheidungen nach oben getrieben hat. Das kann natürlich noch kommen. Aber die Pandemie ist auch „erst“ ein Jahr alt und bekanntlich hat der Gesetzgeber vor den formalen Akt der Scheidung das Trennungsjahr gesetzt.

Znamenak ist als Rechtsanwalt u. a. spezialisiert auf Familienrecht. „Es wäre, glaube ich, zu gewagt zu behaupten, hätte es Corona nicht gegeben, diese oder jene Ehe hätte Bestand gehabt.“ Er vertritt die Überzeugung, dass stabile Beziehungen schwere Zeiten überdauern. „Eine Paarbeziehung, die gut ist, wird die Corona-Zeit überstehen.“ Allerdings: Die Corona-Epidemie hat natürlich Auswirkungen auf die Ehen und Partnerschaften. Das „Aufeinanderhocken“ der Partner könne es allein aber nicht sein, argumentiert Znamenak. „Denn das erleben viele Paare ja auch, wenn sie in Rente gehen und vielleicht nicht so viele Kontakte haben“, sagt Znamenak, wobei er natürlich den Unterschied zu „normalen Zeiten“ sieht. Die sozialen Aktivitäten sind bei vielen zurzeit auf das Minimum heruntergeschraubt.

Viel gemeinsame Zeit zu Hause

Viele Menschen arbeiten seit einem Jahr von zu Hause aus oder sind in Kurzarbeit, Kitas und Schulen erlauben allenfalls Notbetreuuung der Kinder. Manches Paar, das nun 24 Stunden miteinander zu tun hat und überdies die Kinder dauernd betreut, braucht nicht nur starke Nerven, sondern auch ein belastbares Ehegerüst.

„Ein Beispiel: Ein Paar hatte eine Krise. Man hat gemeinsam an der Bewältigung gearbeitet, die Krise ist vorbei, man probiert einen Neustart, und dann kommt die Corona-Zeit“, schildert Znamenak. Jetzt wird die Streitfläche plötzlich viel größer. Das Paar ist durch die Umstände auf sich allein gestellt. „Und nach meinem Dafürhalten sind die Probleme, die jetzt auftauchen, nichts Neues für die beiden“, schätzt der Rechtsanwalt.

"Ehen scheitern nicht von heute auf morgen"

„Sehen Sie, Ehen scheitern nicht von heute auf morgen, das ist ein schleichender Prozess, und der hat immer eine Vorgeschichte“, erzählt Znamenak von seinen beruflichen Beobachtungen. Zwar kommen vermehrt Klienten zu ihm, deren Kinder „aus dem Gröbsten heraus sind“, wie man so sagt. Aber auch ganz junge Menschen oder Eheleute, die 30 oder gar 40 Jahre Tisch und Bett miteinander geteilt haben, klopfen mitunter bei ihm an. Eine stabile Beziehung, davon ist er überzeugt – das sei keine Frage des Alters.

Simone Göckus, Rechtsanwältin u. a. für Familienrecht und Opferschutz/Gewaltschutz (Kanzlei Dr. Roos & Göckus, Siegen) weist darauf hin, dass das Thema häusliche Gewalt noch immer sehr schambesetzt sei. Meist würde wiederholt geschlagen, ehe sich die Opfer – in erster Linie Frauen – juristischen Beistand holten. Die Dunkelziffer der Fälle sei natürlich hoch.

Wie ihr Kollege Znamenak bestätigt auch sie, dass eine Häufung von Scheidungsverfahren über das normale Maß hinaus zurzeit nicht wahrnehmbar sei. „Es sind natürlich die laufenden Sachen, aber nicht mehr als üblicherweise.“ Die ersten drei Monate der Pandemie 2020 seien sogar wie eine „Schockstarre“ gewesen, erinnert sie sich. Göckus vertritt viele Frauen, die Gewalt in Beziehungen erlebt haben und übernimmt zuweilen die Nebenklagevertetung.

Zunahme bei Umgangsregelungsverfahren

Ist ein Mann handgreiflich geworden, kann die Polizei den Täter zunächst für zehn Tage der gemeinsamen Wohnung verweisen. Wenn die Frauen es wollen, kann für die Zeit danach ein Verlängerungsantrag gestellt werden. Ist es erst einmal dazu gekommen und eventuell ein Näherungsverbot ausgesprochen, mündet das bei Verheirateten oft in die Scheidung.
„Was ich im Corona-Jahr verstärkt festgestellt habe, ist eine Zunahme bei den Umgangsregelungsverfahren“, beschreibt sie. Solche Streitigkeiten vor Gericht regeln den Umgang der Elternteile mit den gemeinsamen Kindern.

Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Das ist natürlich Kaffeesatzleserei. Niemand kann heute sagen, ob im Sommer oder Herbst, so sich das öffentliche Leben denn wieder normalisiert, Trennung und Scheidung stärker als sonst eine Rolle spielen werden. Nachdenklich stimmt eine Beobachtung, die Simone Göckus eher am Rande erwähnt. „Die Frauenhäuser sind derzeit übervoll.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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