Neue Aperitivo-Bar öffnet in der "Kölner"
Zaubertrank für die Oberstadt?

Kontrastprogramm: Auf der einen Seite der Kölner Straße klafft dem Flaneur uncharmanter Leerstand entgegen, auf der anderen gehen mit der frisch eröffneten Aperitivo-Bar jetzt neue Lichter an. Darauf ein Prosit und ein italienisches „Cin Cin“ gleich dazu: Eine ungenutzte Ladenfläche weniger für die Oberstadt heißt italienische Aperitivo-Kultur für die Siegener. Bürgermeister Steffen Mues (l.) und Inhaber Bruno Puddu freut’s.
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  • Kontrastprogramm: Auf der einen Seite der Kölner Straße klafft dem Flaneur uncharmanter Leerstand entgegen, auf der anderen gehen mit der frisch eröffneten Aperitivo-Bar jetzt neue Lichter an. Darauf ein Prosit und ein italienisches „Cin Cin“ gleich dazu: Eine ungenutzte Ladenfläche weniger für die Oberstadt heißt italienische Aperitivo-Kultur für die Siegener. Bürgermeister Steffen Mues (l.) und Inhaber Bruno Puddu freut’s.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Volontärin)

Was tun, wenn die Sterne schlecht stehen? Wenn möglich, einfach die Horoskope entkräften. Wie das geht? Vielleicht, indem man die glücklichste Tageszeit Italiens nach Siegen holt. In der „Kölner“ (Straße) gibts unter den Arkaden nämlich was Neues mit viel „Spritz“. Seit der vergangenen Woche lässt Bruno Puddu seine – von vielen als Geheimtipp gehandelte – Officina „Gusto Puro“ mehr Gesicht zeigen.
Ehemals den Zugang zu Pizza, Pasta und Vino recht versteckt nur via Hinterhofeingang zu erreichen, gibt es den erweiterten Italiano-Flair jetzt auch mit direktem Blick aufs Städtetreiben – wenn es denn welches gibt  – hin zur Kölner Straße. Nämlich mit einer kultigen Aperitivo-Bar.

Falsche Zeit, falscher Ort?

Die Zeit für einen Gastro-Neuanfang, jetzt in der Pandemie, wohl nicht die Beste. Die Lage, Siegener Oberstadt, so dürften böse Zungen behaupten, womöglich auch nicht. Ein Blick gen Bordsteinkanten gegenüber – und damit uncharmanten Leerstand – dürfte dieser Meinung bei flüchtiger Betrachtung wohl bestärken. Die Zahl an bestellten Aperitivo, die während der ersten Öffnungstage bei Puddu über die Theke gingen, lassen die Argumentation allerdings kräftig wanken. „Ich habe hier an einem Abend 60 Getränke rausgebracht.“

Er sei guter Dinge, sich aber der schwierigen Startzeit natürlich bewusst. „Selbstverständlich ist das gerade alles wackelig. Wir sitzen ja alle im gleichen Boot“, sagt der 50-Jährige, der „Siegener „mit sardischen Wurzeln durch und durch ist.“ Aber: „Die Aperitivo-Bar war immer mein Traum, auf den wir jetzt lange hingearbeitet haben. Wir geben alles.“
Die Neueröffnung jetzt während Corona ist „natürlich ein Wagnis, aber wir wollen es versuchen. Wir sind vorbereitet.“ Ein Vorteil sei sicherlich, dass von Anfang an mit der Pandemie geplant und gewachsen werden konnte. „In so einer Bar wie hier, da steht man eigentlich Mann an Mann, eng an eng. Hier wären das im ,Normalzustand wohl 80 Personen. So etwas wollen wir natürlich nicht. Hier gibt es keine Massenansammlung. Jetzt ist bei 25 Schluss, die Abstände der Tische wurden gleich mit eingeplant.“

"Wie in Italien"

Spuckschutz, Desinfektion und Co. – das nötige Prozedere ist nichts Neues für Puddu. Seit 2016 ist der Pizzaliebhaber durch seine – der jetzigen Aperitivo-Bar – angrenzenden Officina – bereits in der Gastro-Szene aktiv und hat neben seinem eigentlichen Vollzeit-Job seit jeher leidenschaftlich Teig geknetet. Seitdem begann die Location mit Trattoria-Charme im Hinterhof sich beständig zu etablieren und hat sich mittlerweile unter Gusto-Puro-Fans zum Kulttipp gemausert.
Mit der Aperitivo-Bar soll jetzt also noch mehr des „süßen Lebens“ im Siegerland Einzug halten und die mediterranen Klassiker nicht nur auf den Teller, sondern auch ins Glas wandern. Und das bitte möglichst traditionell. „Ich möchte diese Aperitivo-Kultur ins Siegerland bringen.“

Das geht mit „Aperol oder Campari, dazu reichen wir, natürlich wie in Italien, Antipasti, belegte Crostini oder eine Auswahl an italienischen Wurst- und Käsespezialitäten auf rustikalen Holzbrettern. Das soll sich hier wie ein Kurztrip nach Italien anfühlen..“Das kommt an. Dem schlechten Firmamentenstand zum Trotze bringt das Dolce-Vita mit Hygienekonzept – dem Gegenüber-Leerstand ein Kontrastprogramm bietend – viel Leben zurück ins ehemalig Leere.

Gastro als Konzept für die Oberstadt

Darüber zeigt sich Bürgermeister Steffen Mues bei Ladenbegehung sichtlich erfreut und gratuliert bei traditionellen Taglieri (italienische Appetizer) zum Mut und zur „Jetzt-erst-Recht“-Mentalität. „Ich finde das hier wirklich eine schöne Sache. So etwas, wo man nach Feierabend hinkommen, einen kleinen Aperitif nehmen kann – das gibt’s im Rheinland oder im Saarland überall. Das hat in Siegen gefehlt und tut dem Standort unglaublich gut . Das hier hat einen absoluten Einmaligkeitscharakter.“
Gerade in „dieser Corona-Zeit“ findet das Stadtoberhaupt: Es sei ein gutes Zeichen, das man geben könne, wenn denn das nötige Schutzprogramm dahinter stehe. „Die Gastronomie ist das Rezept für die Oberstadt, da bin ich ganz sicher.“

Passantenfrequenz im Sinkflug Ein Standort mit Potenzial, Boden, den es zu beackern gilt. So wird – zu Recht – seit Jahren für die Siegener Oberstadt geworben. Akteure wie die ISG Oberstadt (Immobilien- und Standortgemeinschaft Oberstadt) haben seit Jahren die „Stabilisierung und Aufwertung der Oberstadt Siegens als städtisches Zentrum“ zum Ziel und setzen sich für ein flukturierendes Städtetreiben mit gemütlicher Schlenderatmosphäre in Krönchennähe ein. Viele (An-)Schübe hat die Gemeinschaft hierzu in Zusammenarbeit mit verschiedensten (Oberstadt-)Akteuren wider dem Veröden und Verdorren des Oberzentrums in der Vergangenheit angeschoben, in diesem Jahr müssen diese Pläne Corona-bedingt fallen gelassen werden, wie Vorsitzender Thiemo Brinkmann die SZ wissen lässt. „Wir machen uns große Sorgen“, sagt Brinkmann mit Blick auf das aktuelle Pandemie-Geschehen, das einem florierenden Oberstadtbild sämtliche Farbe aus der Vorstellung zieht. „Wenn ich mir die Passantenfrequenz ansehe, bin ich geschockt.“ Das, so weiß Brinkmann, „ist natürlich nicht nur eine Situation, die hier in Siegen beschäftigt, das haben sie im Moment überall.“ Obwohl gerade, Zeitpunkt jetzt, die Leerstände in der Oberstadt „nicht sehr augenscheinlich“ seien – „es gibt diese zwei im oberen Teil der Kölner Straße, wobei der ,Campus Kiosk’ aber vermietet ist“, und die Nachfrage im September und Oktober „mit wirklich schönen Konzepten“, für neue Arrangements relativ groß gewesen wäre, muss die Euphorie erstmal hinten angestellt werden. Der Impfstoff für die Oberstadt, den Brinkmann in einem „bunten Mix aus Handel und Gastro“ sieht, lässt derweil also Corona-bedingt auf sich warten. „Die Frequenzen sind wirklich erschreckend. Das hängt an so vielen Faktoren. Es sind ja gerade auch kaum Studenten in der Stadt.“ Die schlechte Parkplatzsituation käme – Corona-losgelöst zu sehen – noch dazu. Und: Auch wenn das Interesse von Flächenanwärtern durchaus gegeben sei, so scheitere eine Zusage momentan natürlich an der allumfassend „schwer einschätzbaren, unsicheren Lage“ sowie auch dem Platzbedarf mancher Anwärter. „Wir haben hier natürlich diese Oberstadt-typischen Häuser. Da ist der Platz manchmal, den Händlerbedürfnissen entsprechend, nicht ausreichend. Umso erfreulicher also für Brinkmann Konzepte, die den Umständen zum Trotz funktionierten. Ein Blick in die alte Poststraße, auch aber auf die Neueröffnung der Aperitivo Bar kann da also stützen, was Steffen Mues bei deren Eröffnung (s. Artikel auf dieser Seite), meinte: „Die Oberstadt kann als Standort einen ganz besonderen Flair ausstrahlen. In der Oberstadt wird sich einiges tun.“ Hoffentlich nicht mit Blick auf weitere Leerstände …
Autor:

Sarah Benscheidt (Volontärin) aus Siegen

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