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Zeitsprung in den Feierabend
Zeitumstellung: So wird der Sieben-Stunden-"Tag" entlohnt

Heute Nacht wird die Uhr umgestellt.
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  • Heute Nacht wird die Uhr umgestellt.
  • Foto: SZ-Grafik: Philipp Noppe
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nja Siegen/Olpe. Des einen Leid, des anderen Freud: In der Nacht zu Sonntag werden einmal mehr die Zeiger der Uhren um eine Stunde vorgestellt: Um 2 Uhr beginnt die Sommerzeit – binnen nicht mal einer Sekunde ist dann schon 3 Uhr. Ab Sonntag wird es dann eine Stunde später hell und später dunkel. Viele der Beschäftigten, die in dieser Nacht arbeiten, können sich also eine Stunde früher auf den Feierabend freuen. Einige müssen aber – je nach Tarif- oder Arbeitsvertrag bzw. betrieblicher Vereinbarung – auch auf eine Stunde Lohn verzichten. Die SZ fragte in der Region nach, wie dies gehandhabt wird – und erhielt ganz unterschiedliche Antworten.

Keine Probleme hinsi

nja Siegen/Olpe. Des einen Leid, des anderen Freud: In der Nacht zu Sonntag werden einmal mehr die Zeiger der Uhren um eine Stunde vorgestellt: Um 2 Uhr beginnt die Sommerzeit – binnen nicht mal einer Sekunde ist dann schon 3 Uhr. Ab Sonntag wird es dann eine Stunde später hell und später dunkel. Viele der Beschäftigten, die in dieser Nacht arbeiten, können sich also eine Stunde früher auf den Feierabend freuen. Einige müssen aber – je nach Tarif- oder Arbeitsvertrag bzw. betrieblicher Vereinbarung – auch auf eine Stunde Lohn verzichten. Die SZ fragte in der Region nach, wie dies gehandhabt wird – und erhielt ganz unterschiedliche Antworten.

Keine Probleme hinsichtlich der Nachtschicht bei der Zeitumstellung

Wer einen festen Monatslohn erhält, kann sich in der kommenden Nacht auf alle Fälle freuen: Er oder sie „verliert“ höchstens für die nicht geleistete Stunde zwischen 2 und 3 Uhr die Zulagen für Nachtschicht und Sonntagsarbeit. Wer pro Stunde bezahlt wird, hat aber nicht selten 60 Minuten weniger Vergütung am Konto – oder arbeitet diese Zeit „nach“. Letzteres ist aber kein Muss, betont der Deutsche Gewerkschaftsbund. Probleme seien ihm mit Blick auf das Zusammentreffen von Zeitumstellung und Nachtschicht nicht bekannt, sagt der heimische Verdi-Geschäftsführer Jürgen Weiskirch. „Betuppt“ werde dabei niemand, denn es werde ja die tatsächliche Arbeitszeit vergütet: „Die geleisteten Stunden werden in Echtzeit erfasst.“ Es gebe Unternehmen, darunter auch Krankenhäuser, in denen aber darauf geachtet werde, dass Beschäftigte, die nun eine Stunde weniger „schaffen“, im Herbst, bei der erneuten Zeitumstellung, ebenfalls Dienst haben und die Zeit wieder reinholen. Das aber ist nicht überall möglich.

Conti-Schicht bei den Deutschen Edelstahlwerken in Geisweid

Anders sieht es z. B. bei den Deutschen Edelstahlwerken in Geisweid aus, wie stellv. Betriebsratsvorsitzender Jürgen Mockenhaupt erzählt. Dort wird Conti-Schicht gefahren – von 6 bis 14, von 14 bis 22 und von 22 bis 6 Uhr: „Wer in der kommenden Nacht Schicht hat, muss nur sieben Stunden arbeiten – bekommt aber acht Stunden bezahlt. Plus Zulage. Im Herbst, wenn die Uhren zurückgestellt werden und die Schicht eine Stunde länger ist, werden natürlich auch neun Stunden entlohnt.“ Stehen die Kollegen Schlange, um bei der Umstellung auf die Sommerzeit in den Genuss der Win-win-Situation zu kommen? Mockenhaupt lacht und winkt ab: „Das ist hier kein Wunschkonzert.“

Jürgen Mockenhaupt, stellv. Betriebsratsvorsitzender der Deutschen Edelstahlwerke in Geisweid.

Und fügt erklärend hinzu: Angesichts der variierenden Schichtmodelle könne nicht geregelt werden, dass ein Beschäftigter in beiden Nächten der Zeitumstellung Dienst habe. „Daher werden bei uns heute Nacht acht Stunden bezahlt.“ Der permanente Schichtdienst verlange den Menschen einiges ab, „sie verpassen dabei eine Menge Alltagsleben“, so Mockenhaupt, der seit 40 Jahren bei DEW beschäftigt ist. Da sei doch eine geschenkte Stunde Lohn mal eine schöne Wertschätzung.

Zeitumstellung führt zu Problemen bei Ruhezeiten

Nicht ganz unproblematisch ist die Zeitumstellung überall mit Blick auf Einhaltung der Ruhezeit zwischen zwei Schichten. Diese beträgt laut Arbeitsschutzgesetz generell 11 Stunden. Öffnungsklauseln ermöglichen aber z. B. in Kliniken auch sogenannte „kurze Wechsel“ zwischen Spät- und Frühdienst. Doch alles hat seine Grenzen: Wer also z. B. als Pflegerin bzw. Pfleger im Krankenhaus am Samstag bis 21 Uhr die Patienten umsorgt, darf keinesfalls um 6 Uhr morgens, also nach nur 7 Stunden, wieder zum Dienst erscheinen. Insofern hat die Zeitumstellung mancherorts Einfluss auf die Schichtpläne.
„Wir fangen die Schicht ganz normal an und hören eine Stunde früher auf“, berichtet Hartmut Klein, Leiter des AWo-Seniorenzentrums Kreuztal, über die Regelung des Pflegedienstes in der kommenden Nacht. Finanzielle Einbußen habe dies nicht zur Folge: „Wir bezahlen ja ein Festgehalt.“

Bei den Bäckern läuft auch mit der Zeitumstellung alles wie gehabt

Im Bäckereigewerbe werden auch am Wochenende keine kleinen Brötchen gebacken. „Wir produzieren kommende Nacht wie gehabt unsere fünf Stunden – und die werden wie gehabt entlohnt“, sagt Georg Sangermann, Obermeister der Bäcker-Innung Westfalen-Süd, in seiner Funktion als Chef der gleichnamigen Bäckerei im Sauerland. Nur weil die Uhr um eine Stunde vorgestellt wird, haben die Menschen am Sonntag ja nicht auch weniger Appetit auf frisches Gebäck.
Viele Teige würden generell am Samstag vorproduziert und kühl gelagert, Brote zu 70 Prozent vorgebacken, damit die Sonntagsarbeit so kurz wie möglich gehalten werde. Dies geschieht nicht nur aus Fürsorge für die Angestellten, sondern auch angesichts der Tatsache, dass ja Feiertagszuschläge bezahlt werden – Brötchen und Brot aber nicht mehr kosten als unter der Woche.

Energy Ende der Sommerzeit bleibt im Dunkeln Noch drehen wir am Rad der Zeit, noch ist sie nicht abgeschafft, die Sommerzeit. Kommende Nacht ist es wieder so weit: Die Zeiger werden von 2 auf 3 Uhr vorgestellt; Ende Oktober wird dies rückgängig gemacht. Wie oft noch? Das weiß derzeit niemand. Rückblick: Die EU-Kommission hatte 2018 das Ende der Zeitumstellung vorgeschlagen. Das EU-Parlament stimmte dem Entwurf ein Jahr später zu. Nun aber müssen die Mitgliedstaaten sich entscheiden, ob sie dauerhaft in der Sommer- oder in der mitteleuropäischen Zeit (Volksmund: Winterzeit) leben wollen. Es gilt, eine gemeinsame Position zu finden: Das kann erfahrungsgemäß dauern. Ein Sprecher der EU-Kommission brachte es laut dpa vergangene Woche auf den Punkt, als er sagte: „Die Uhr hat sich nicht vorwärts bewegt, um die Zeit zu ändern.“ Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland glaubt übrigens nicht, dass die Zeitumstellung bald abgeschafft wird. 63 Prozent der Befragten haben das Projekt auf absehbare Zeit abgeschrieben: Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit. 72 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass sie die Umstellung für „überflüssig“ halten.
Heute Nacht wird die Uhr umgestellt.
Jürgen Mockenhaupt, stellv. Betriebsratsvorsitzender der Deutschen Edelstahlwerke in Geisweid.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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