Zelten bei 31 Grad unter Null

 Schockgefrostet aber fröhlich: Tobias Scheffe versucht seit Jahren, die kälteste Nacht des Jahres im Zelt zu überstehen.   An Schlaf war nicht zu denken in dieser Nacht; an Lesen allerdings auch nicht. Fotos: privat   Wirklich einladend sieht das einsame Zeltlager nicht aus. Der Kredenbacher aber ist nun um eine Grenzerfahrung reicher.
  • Schockgefrostet aber fröhlich: Tobias Scheffe versucht seit Jahren, die kälteste Nacht des Jahres im Zelt zu überstehen. An Schlaf war nicht zu denken in dieser Nacht; an Lesen allerdings auch nicht. Fotos: privat Wirklich einladend sieht das einsame Zeltlager nicht aus. Der Kredenbacher aber ist nun um eine Grenzerfahrung reicher.
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js - Den Entschluss hatte er erst sehr spät getroffen am Montagabend. Tobias Scheffe wollte sich schon wirklich der besten Chance sicher sein, die kälteste Nacht des Jahres am eigenen Leib zu spüren. Draußen, in der Natur. In einem handelsüblichen Zelt. Erst gegen Mitternacht stand für den Kredenbacher fest, dass er es wagen sollte. Der wolkenfreie Himmel ließ die ohnehin schon eisigen Temperaturen Grad für Grad sinken. Ein halbes Stündchen nach dem Aufbruch hatte er den richtigen Platz für sein Extrem-Camp gefunden: Im Wittgensteiner Dörfchen Benfe, in dem die Nächte zuvor schon weitaus kälter gewesen waren als in den meisten anderen Ortschaften in Siegerland und Wittgenstein.

Auf einer Wiese im Benfetal ließ sich Tobias Scheffe nieder. Im Gepäck hatte er nur das Allernotwendigste: sein Iglu-Zelt, einen Schlafsack, eine Isomatte, eine Taschenlampe, ein Thermometer und seinen Tablet-PC zum Fotografieren. Für den Fall der Fälle, die innere Kälte, hatte er zudem eine Thermosflasche mit Tee eingepackt. Mehr brauchte der Frostjäger nicht für sein winterliches Abenteuer. Und siehe da, es hat sich für ihn gelohnt: „Es war wirklich, wirklich kalt“, berichtete Scheffe am Dienstagmittag von seinem Erlebnis. Bis auf 31 Grad minus war sein Thermometer gepurzelt – gemessen etwa einen Meter über dem Boden.

An Schlafen sei dabei kaum zu denken gewesen, schmunzelt der 41-Jährige, nur ein- oder zweimal eingenickt sei er. Vielmehr sei es ein Kampf gewesen – gegen die Kälte und gegen sich selbst. Es gehe darum, auszuharren. Angenehm sei eine solche Nacht nicht. Schon allein das Hineinschlüpfen in den Schlafsack bedeute eine enorme Überwindung: Nicht mehr als eine Unterhose trägt Scheffe, wenn er die isolierende Hülle um sich herum zuzieht, manchmal frische Luft in das Kopfloch strömen lässt und seinem Atem beim Gefrieren zusieht.

Für den Mann, der seinen Lebensunterhalt in erster Linie damit verdient, andere Menschen mit funktionstüchtiger Heizung zu versorgen, war diese Erfahrung zwar extrem, aber nicht komplett neu: Immerhin hat der Kredenbacher die Jagd auf „Väterchen Frost“ schon vor etwa zehn Jahren aufgenommen. Damals hatte er mit einem Kumpel erstmals das Zelten im Winter ausgetestet. Die Temperaturen hatten bei dieser Premiere um den Gefrierpunkt gelegen. „Da geht doch noch mehr“, hatte er damals für sich erkannt und in den folgenden Jahren immer wieder versucht, die kälteste Nacht des Winters im Zelt zu erleben. Hin und wieder hat er sie gefunden und an einem besonders kalten Ort in der Umgebung erlebt, in anderen Jahren wurden die Temperaturen später noch einmal getoppt. Niemals aber hatte der Wintercamper beim Blick auf sein Thermometer eine solch beeindruckende Tiefsttemperatur zu lesen bekommen wie in der Nacht zum Dienstag. Jan Schäfer

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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