Zeugen ärgerten sich über Makler

Achter Tag im Prozess um Falschbeurkundungen: Siegener Notar kam aus der Schusslinie

pebe Siegen. Der Zeuge glühte vor moralischer Entrüstung. »Es gibt einen ewigen Richter, vor dem sich die Leute verantworten müssen.« Noch nach vier Jahren erzürnte ihn der Makler einer Bausparkasse. Und nicht nur der. Auch die mit im Geschäft befindliche Bank sei nicht besser, und sein Steuerberater ebenfalls nicht. Mitten in der Aufzählung auch der Siegener Rechtsanwalt und Notar, dem die Staatsanwaltschaft Siegen vorwirft, u.a. im Zusammenhang mit Abschreibungsobjekten auf Rügen, die der Makler vermittelte, 16 Mal falsch beurkundet zu haben. In erster Instanz war der Notar freigesprochen worden. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein.

Ob er denn auch von dem Notar über den Tisch gezogen worden sei, wollte die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach von dem Zeugen wissen. Klare Antwort: »Nein, gegen ihn habe ich nichts.« Aber, so hakte er dann ein, »ich hätte mich gefreut, wenn mir früh genug jemand ,Lassen Sie die Finger davon’ gesagt hätte«.

Immer mehr Fragen wirft die Figur eines ungebetenen Helfers in dem Verfahren auf. Der ominöse »Dunkelmann« hat für etliche Käufer, die von dem Makler »geangelt« wurden und beim Notar unterschrieben, später eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Juristen formuliert. Deren Inhalt u.a.: Der Notar habe Textpassagen nicht vorgelesen. Zu den »Kunden« des Helfers gehörte auch der gestern vernommene Zeuge. Der bekundete, er habe mit der Beschwerde eigentlich dem Makler schaden und anderen »Geschädigten« helfen wollen. Auf die Frage der Richterin, wie denn das habe gehen sollen, blieb er eine Antwort schuldig.

»Ihr Zeuge«, wandte sich Dreisbach an die Verteidiger des Notars. Auf die Frage Edgar Grunenbergs, wie oft der Zeuge mit dem »Dunkelmann« Kontakt gehabt habe, stellte sich heraus, dass die beiden am Abend vor der Verhandlung noch ein Gespräch geführt hatten. Die Verteidiger fielen aus allen Wolken. Grunenberg gab Gas: Ob der Helfer denn auch erzählt habe, dass er wegen Veruntreuung vorbestraft sei und dies dem Angeklagten zu »verdanken« habe? Nun fiel der Zeuge aus allen Wolken. In der weiteren Vernehmung stellte sich heraus, dass der ominöse Helfer erklärt hatte, die Dienstaufsichtsbeschwerde diene einem Ehepaar dazu, aus dem Kaufvertrag auszusteigen.

Eine Erfolgsgeschichte erzählte hingegen ein 57-jähriger Zeuge: Er bereue es »in keiner Weise«, dass er auf das Angebot eingegangen sei. Aber trotz seiner persönlichen Zufriedenheit hatte der Zeuge einen Rochus auf den Makler. Der habe »Leuten, die zu wenig Geld hatten, Wohnungen verkauft«. Der Notar habe damit nichts zu tun gehabt. Wieder tauchte der ominöse Helfer auf. Und wieder mit einer schon formulierten Dienstaufsichtsbeschwerde. Die musste der Zeuge nur noch unterschreiben. »Dass der Notar deswegen Ärger bekommen würde, habe ich nicht geahnt.« Vielmehr habe er »verstanden, das müsse so sein, damit der Makler Ärger bekommt«. Dazu sei ihm jedes Mittel recht gewesen.

Der Notar, fuhr der 57-Jährige fort, habe ihn bei der Beurkundung gefragt, ob er Wert auf eine vollständige Verlesung lege. »Ich sagte, er könne auch Passagen auslassen, ich würde ohnehin nichts begreifen.« Was dann letztlich vorgelesen worden sei, wisse er nicht mehr. Diese Erinnerung des Zeugen bezieht sich, so stellte sich heraus, möglicherweise auf die Erklärung des Notars, man könne auf die Verlesung der Anlagen verzichten. Der Zeuge schloss mit einem bedenkenswerten Satz: »Wenn ich das hier alles höre, dann denke ich, dass man sich mehr Gedanken hätte machen sollen.« Fortsetzung folgt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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