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Warnung der DLRG
Zu viele Kinder können nicht schwimmen

 „25 Prozent aller Grundschulen haben keinen Zugang mehr zum Schwimmbad“, Felix Besser.
  • „25 Prozent aller Grundschulen haben keinen Zugang mehr zum Schwimmbad“, Felix Besser.
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goeb Siegen. Das „Seepferdchen“, das die Kinder mit fünf oder sechs Jahren machen, ist nur der Ausweis, dass sie sich 25 Meter über Wasser halten und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser holen können. Die DLRG-Ortsgruppe Siegen bietet es nicht mehr an. „Es ist eine Motivation, weiter zu machen“, sagt Felix Besser, bei der DLRG-Ortsgruppe Siegen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Mehr ist es aber auch nicht. Viele Eltern hätten es als Schwimmbefähigung ihrer Kleinen angesehen und sich zuweilen in trügerischer Sicherheit gewiegt.
Wenn jetzt mit zunehmender Durchimpfung der Bevölkerung und Urlaubshunger der Alltag zurückkehrt, werden viele Familien und Kinder wieder zum Baden ins Wasser gehen, sei es daheim oder in den Ferien an der Küste.

goeb Siegen. Das „Seepferdchen“, das die Kinder mit fünf oder sechs Jahren machen, ist nur der Ausweis, dass sie sich 25 Meter über Wasser halten und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser holen können. Die DLRG-Ortsgruppe Siegen bietet es nicht mehr an. „Es ist eine Motivation, weiter zu machen“, sagt Felix Besser, bei der DLRG-Ortsgruppe Siegen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Mehr ist es aber auch nicht. Viele Eltern hätten es als Schwimmbefähigung ihrer Kleinen angesehen und sich zuweilen in trügerischer Sicherheit gewiegt.
Wenn jetzt mit zunehmender Durchimpfung der Bevölkerung und Urlaubshunger der Alltag zurückkehrt, werden viele Familien und Kinder wieder zum Baden ins Wasser gehen, sei es daheim oder in den Ferien an der Küste.

Anteil der Nichtschwimmer wächst

„Wir sehen das mit großer Sorge, die Situation ist ernst“, sagt Besser. 2017 schrillten nicht nur bei der ehemaligen Weltklasseathletin Franziska van Almsick und ihrer Stiftung die Alarmglocken, als festgestellt wurde, dass 60 Prozent aller Zehnjährigen nicht schwimmen können.
Durch das Corona-Jahr ist die Gesellschaft noch einmal zurückgeworfen worden. Der Anteil der schlechten Schwimmer und der Nichtschwimmer war schon vor der Pandemie hoch.
„Man geht davon aus, dass im vergangenen Jahr etwa 1 Million Kinder nicht schwimmen gelernt haben“, ergänzt er. Spiegelbildlich dazu verhält sich die Zahl der Schwimmabzeichen. Die Abnahme ist um 75 Prozent eingebrochen.
„Das Problem ist ja“, holt er aus, „dass Schwimmen als Hobby angesehen wird. Das ist im Grunde auch nicht falsch, wenn man erstmal Schwimmen gelernt hat. Am Anfang ist es aber eine Notwendigkeit. Vielen Eltern ist das leider nicht klar“.
Die DLRG appelliert an die Eltern, ihre Kinder in jedem Fall für die Schwimmkurse anzumelden. Der bestandene „Freischwimmer“, das reformierte Schwimmabzeichen Bronze, stellt jetzt sicher, dass sie 15 Minuten durchgängig schwimmen können.

378 Menschen sind vergangenes Jahr ertrunken

Und wenn es zum Baden geht: „Lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt“, rät Felix Besser. 378 Menschen sind vergangenes Jahr in Deutschland ertrunken, davon 335 in Binnengewässern. Die meisten davon waren unbewacht oder sogar mit Schwimmverbot belegt. Weil die Freibäder und Hallenbäder geschlossen waren, seien viele Menschen im heißen Sommer auf Flussabschnitte, Talsperren und Waldweiher ausgewichen, um sich abzukühlen. Im Gedächtnis geblieben sind beispielsweise die tödlichen Unfälle im Biggesee – hier waren es übrigens Erwachsene: Das zeigt eine Tendenz. Wer als Kind nicht oder nur ungenügend Schwimmen gelernt hat, holt das später nicht mehr nach. Das ist ein Grund dafür, dass die meisten Toten unter den Erwachsenen zu beklagen sind. Die Dunkelziffer der Nichtschwimmer unter ihnen ist besonders hoch.
Die Situation wird sich nicht entspannen. „25 Prozent aller Grundschulen haben keinen Zugang mehr zum Schwimmbad“, bedauert Besser. Franziska van Almsick beklagte jetzt öffentlich, dass viele der Lehrkräfte, die Kindern das Schwimmen beibringen sollen, allein gelassen würden, selbst wenn theoretisch die Möglichkeit zum Schwimmbadbesuch bestünde.

Viele Schwimmbäder schließen

Wer mit ein oder zwei Elternteilen am Beckenrand steht und 25 Kindern mit ganz verschiedenen Befähigungen und Befindlichkeiten das Schwimmen beibringen soll, der ist nicht zu beneiden. „Vieles ist althergebracht, die Systeme sind schwer zu verändern“, wird van Almsick zitiert.
Auch Felix Besser sieht beim Schulschwimmen eher schwarz. „Alle vier Tage wird in Deutschland ein Schwimmbad geschlossen“, kritisiert er. „Der nächste Kandidat hier in Siegen ist das Löhrtorbad. Wir warten schon drauf.“
Bei der DLRG-Ortsgruppe gibt es etwa 20 Trainerinnen und Trainer, die Schwimmunterricht erteilen. Am 2. Juni startet das Kinderschwimmtraining wieder.
Kontakt: Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Ortsgruppe Siegen e.V. Internet: siegen.dlrg.de
Eine weitere Gruppe gibt es in Weidenau: weidenau.dlrg.de

Einen Kommentar von Andreas Goebel zum Thema finden Sie hier.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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