Zum Abschied noch einmal feiern

 Möchten am 3. September noch einmal mit möglichst vielen ehemaligen JSG-lern feiern: Regine Stephan, Friedhelm Brüne und Tim Lukas Debus (v. l.).  Foto: Jan Schäfer
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js - Acht Jahre sind bereits ins Land gegangen, seitdem das Hilchenbacher Jung-Stilling-Gymnasium (JSG) für immer seine Pforten schloss. Viel ist nicht mehr übrig geblieben von der Schule, die Generationen von Schülern aus dem gesamten Siegerland und Wittgenstein zum Abitur gebracht hat. Das Gebäude wurde längst den Anforderungen der Realschule gerecht gemacht, alle Akten sind vernichtet bzw. andernorts archiviert. Nicht einmal im Stadtmuseum wird an die Schule erinnert, die von 1922 bis 2008 die Räumlichkeiten des einstigen Lehrerseminars mit Leben füllte. Jetzt streicht auch die letzte JSG-Institution die Segel: Der „Verein der Ehemaligen und Förderer des Jung Stillung-Gymnasiums Hilchenbach“ löst sich auf.

Nach der Schließung des Gymnasiums im Sommer 2008 hatte sich aus dem 1980 gegründeten Schul-Förderverein dieser Nachfolger gegründet. Ein bisschen Trotz und eine Portion Kritik an dem umstrittenen Aus der Schule gehörten zu den Triebfedern, die seinerzeit zur Gründung des neuen Vereins führten. Wichtig war es den Initiatoren, auch nach dem aus Sicht vieler JSG-ler „unrühmlichen Ende“ einer Ära regelmäßige Ehemaligentreffen auf die Beine zu stellen. Diese hatten schließlich eine lange Tradition auf dem Hilchenbacher Schulhügel: Jahrzehntelang dienten die Abibälle auch als beliebte Anlaufstelle für die Ehemaligen. Das regelmäßige Wiedersehen bis spät in die Nacht mit früheren Klassenkameraden und Lehrern gehörte zum guten Ton in der treuen JSG-Gemeinde.

Mit den Jahren sei es jedoch immer schwieriger geworden, den Ehemaligenverein am Leben zu halten, berichtet der Vorstand. Auf dem Papier habe er zwar noch etwa 130 Mitglieder, zu den Nach-treffen aber kamen mit jedem Mal weniger Gäste. „Unser Aktionsrahmen ist durch das Fehlen einer bestehenden Schule eingeschränkt“, bedauert Vorsitzende Regine Stephan. Geld sei vorhanden, Projekte zur Förderung gebe es indes nicht. Zum Ende dieses Jahres solle der Verein daher aufgelöst werden. Nicht ganz unwesentlich für diese Entscheidung seien auch drei einschneidende Todesfälle gewesen: Sowohl die beiden ehemaligen Schulleiter Dr. Helmut Busch und Georg Sallen als auch Lehrer-Urgestein Wolfgang Müller („Herr Müller Hilchenbach“), allesamt Stützen des Vereinslebens, sind in den vergangenen Jahren gestorben. Vom Wunsch, wenigstens bis zum 100-Jährigen des JSG durchzuhalten, habe man sich verabschiedet.

„Noch einmal vor dem Vergehen blühen“ – dieses von Wolfgang Müller (†) geprägte Motto möchte der Vereinsvorstand vor seinem Abschied noch über eine letzte Feier setzen: Am Samstag, 3. September, soll ab 18 Uhr ein allerletztes JSG-Ehemaligenfest in der Aula der Realschule (früher Schauplatz der legendären Abibälle) steigen. Eingeladen sind dazu all diejenigen, die das alte Gymnasium besucht haben oder sich mit ihm verbunden fühlen – also nicht nur die Vereinsmitglieder. „Ein letztes Mal soll bei leckerem Essen und Trinken über gemeinsame Erlebnisse, die Historie des Jung-Stilling-Gymnasiums und auch allerhand Neuigkeiten geplaudert werden“, erklärt der Vereinsvorstand. Auch Führungen durch das vor allem im Inneren stark veränderte Schulgebäude werden angeboten. Zur besseren Planung wird um eine Anmeldung per E-Mail an jsg-freunde@online.de gebeten.

Mit Wehmut blickt insbesondere Friedhelm Brüne auf seine Jahre am JSG zurück. Nicht nur, dass er hier selbst das Abitur abgelegt hatte – er blieb seiner Schule bis zum etwas früher als geplant eingelegten Ruhestand treu. Zwei Jahrzehnte lang war er als stellv. Schulleiter tätig, in der Schlussphase rückte er kommissarisch an die Spitze „seines“ Gymnasiums. Gern denkt er an die Hoch-Zeiten des JSG zurück, das Anfang der 90er-Jahre seinen stärksten Abijahrgang mit 120 Absolventen hatte und bis zu 900 Schüler zählte. Auffällig und nicht selbstverständlich seien die Atmosphäre gewesen und ein respektvoller Umgangston. Es sei normal gewesen, dass sich Lehrer und Schüler morgens stets gegrüßt hätten – das sei an anderen Schulen nicht immer der Fall. „Das war einfach so, musste nicht von oben diktiert werden.“ Wenn die Schule auch tot ist, so leben die Erinnerungen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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