Zum Glück nicht »Unter Blitz und Donner«

»Cocktail Mondial« der Fritz-Busch-Musikschule bei lauem Lüftchen im Schlosshof

aww Siegen. Ordentlich über 20 Grad und ein laues Lüftchen am späten Abend im Schlosshof. Was kann man sich mehr wünschen als Kulisse für den »musikalischen Festschmaus«, den die Fritz-Busch-Musikschule und deren Förderverein den zahlreichen Besuchern des Siegener Sommerfestivals am Freitag unter dem Motto »Cocktail Mondial« kredenzten? Mit der »Weltsprache« Musik als universalem Verständigungsmittel reisten Musikschüler und -dozenten samt Publikum um den halben Globus und grasten dabei nicht nur weite Teile des europäischen Kontinents ab, sondern machten sogar Abstecher nach Nord- und Südamerika.

Das Streichorchester unter der Leitung von Violinist Sohei Takahata und begleitet von Matthias Schmitz am Klavier bildete den »harten Kern« der musikalischen Reisegesellschaft, dem sich immer wieder verschiedenste Solisten hinzugesellten. Gitarrist Werner Hucks erwies sich nicht nur als unterhaltsamer Moderator, der gekonnt durchs Programm führte, sondern lieferte mit seinen beiden Solobeiträgen – der flotten Bossa-Nova-Eigenkomposition »Spring Song« und einer verträumten Ballade aus »Les Miserables« – zwei Highlights des Abends.

Freilich hatten es auch die anderen Beiträge in sich. Sängerin Aglaja Camphausen und Pianist Charly Naumann führten die Tour mit dem gefühlvollen Chanson »La vie en rose« nach Frankreich und verharrten dort auch bei der folgenden Hommage an Gilbert Bécaud, bei der Camphausen auch eindrucksvoll ihr cellistisches Können demonstrierte. Auf dem Cello glänzte überdies Orchestermitglied Jill Johnston, die gemeinsam mit ihren Kollegen und dem melancholischen »Londonderry Air« den Sprung auf die Grüne Insel wagte – da kam Folk-Feeling auf.

Noch weiter war der nächste Sprung, denn der ging gleich über den großen Teich, in die USA. George Gershwin war an der Reihe mit seinem wohl populärsten Song, »Summertime«, den Sopranistin Johanna Peine erstaunlich »unjazzig«, dafür aber umso klassischer interpretierte. Obschon es an der technischen Umsetzung des Titels nichts zu mäkeln gab, so kam doch Peines Interpretation des Vilja-Lieds aus Franz Lehárs »Lustiger Witwe« ein gutes Stück authentischer rüber.

Für einen weiteren Klangtupfer im Programm sorgte der Wolgadeutsche Alexander Schmidt mit seinem Akkordeon, das er mal leise, fast klagend im verhaltenen »Moskau«, mal nachdrücklich und vehement zum spritzigen Kosakenritt erklingen ließ. Erstaunlich, wie gut sich das Instrument in die Klangfarbe des Orchesters einfügte. Im Duett mit Sohei Takahata interpretierte Alexander Schmidt das berühmte »Kalinka«, und sogar diesem unverwüstlichen Gassenhauer waren aufgrund der interessanten Zweierkombination noch neue Aspekte abzugewinnen.

Apropos Sohei Takahata – wer hätte gedacht, das sich der Konzertmeister der Philharmonie Südwestfalen hier einmal als »ungarischer« Teufelsgeiger entpuppen würde? Doch wer seine virtuose Interpretation von Vittorio Montis »Csárdás«, begleitet von einem abgespeckten Ensemble, hörte, dem war schnell klar: Das kann bei den Magyaren auch nicht viel »echter« klingen. Das Orchester rundete mit weiteren Beiträgen wie der spritzigen Polka »Wien bleibt Wien« von Johann Schrammel, Robert Stolz’ Walzer »Spiel auf Deiner Geige, Zigeuner«, »Salut d’Amour« des Engländers Edward Elgar, dem italienischen »Funiculi, Funicula«, einem argentinischen Tango oder »Solveigs Lied« aus der »Peer-Gynt-Suite« des Norwegers Edvard Grieg das melodienselige »Potpourrie« ab.

Es endete dort, wo alles angefangen hatte: in Wien. Nach kräftigem Applaus für alle Akteure erklang als Zugabe Johann Strauß Sohns »Unter Blitz und Donner«. Davon blieben die Besucher dieses Sommerfestival-Abends, Petrus sei Dank, indes verschont.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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