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Seit Lockdown: Siegener Studentenwohnheime leeren sich
Zurück ins "Hotel Mama"

Das gute, alte "Hotel Mama". Gerade während der Pandemie kehren vermehrt Studenten zurück zu ihren Eltern.
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  • Das gute, alte "Hotel Mama". Gerade während der Pandemie kehren vermehrt Studenten zurück zu ihren Eltern.
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gro Siegen. "Nesthocker“ oder "Muttersöhnchen“ – die deutsche Sprache hat ein paar wenig schmeichelhafte Worte für diejenigen, die auch im Erwachsenenalter das elterliche Zuhause nicht verlassen wollen. Dabei ist dies heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Junge Leute ziehen im Durchschnitt immer später von zu Hause aus.

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, lebten 2019 bereits 942 000 der insgesamt 1,6 Millionen Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren in Nordrhein-Westfalen noch im elterlichen Haushalt.
Finanziell nicht machbarDoch mit Bequemlichkeit, wie viele annehmen, hat dies nicht unbedingt immer etwas zu tun.

gro Siegen. "Nesthocker“ oder "Muttersöhnchen“ – die deutsche Sprache hat ein paar wenig schmeichelhafte Worte für diejenigen, die auch im Erwachsenenalter das elterliche Zuhause nicht verlassen wollen. Dabei ist dies heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Junge Leute ziehen im Durchschnitt immer später von zu Hause aus.

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, lebten 2019 bereits 942 000 der insgesamt 1,6 Millionen Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren in Nordrhein-Westfalen noch im elterlichen Haushalt.

Finanziell nicht machbar

Doch mit Bequemlichkeit, wie viele annehmen, hat dies nicht unbedingt immer etwas zu tun. Natürlich bietet eine eigene Wohnung viele Freiheiten, dennoch ist dies für viele junge Frauen und Männer finanziell nicht machbar. Auch auf Grund der Pandemie hat sich dieses Problem laut Experten in den vergangenen Monaten noch verstärkt.

Vor allem Studenten treffe dies stark. „Seit dem ersten Lockdown ist auch bei uns in Siegen deutlich zu spüren, dass immer mehr Studenten die Wohnheime verlassen und wieder zurück zu den Eltern ziehen“, stellt Burkhard Lutz vom Studierendenwerk Siegen fest. Seit geraumer Zeit bietet die Universität Siegen so gut wie keine Präsenzlehre mehr an. Die Kurse und Seminare finden online statt. Für viele der auswärtigen Studenten gibt es demnach keinen Grund mehr, in Siegen wohnen zu bleiben.

Zimmer während Pandemie leer

„Dies hat in den meisten Fällen auch finanzielle Gründe. Die Studenten und ihre Familien wollen nicht unnötig Miete bezahlen. Denn die meisten Zimmer der Wohnheime stehen während der Pandemie sowieso leer, weil die Bewohner in der Nähe ihrer Familien sein wollen. Dies hat zur Folge, dass wir seit Monaten immer mehr Kündigungen von nationalen Studenten entgegennehmen“, so Lutz gegenüber der SZ.

Zudem bietet die Universität Siegen im Laufe der Jahre immer mehr Studiengänge an, sodass die jungen Leute aus der Region ohne Probleme an der heimischen Universität studieren können und dafür nicht in entfernte Gegenden umziehen müssen. Wenn das Elternhaus in der Nähe der Universität ist, mache es für die meisten jungen Leute keinen Sinn auszuziehen. Die finanziellen Vorteile seien zu groß.

Wir haben mit einigen jungen Menschen gesprochen, die noch im "Hotel Mama" wohnen.

Trotz der ein oder anderen Pflicht wohnt Nico Groos noch gerne zu Hause.
  • Trotz der ein oder anderen Pflicht wohnt Nico Groos noch gerne zu Hause.
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Nico Groos: "Ich fange im Sommer mein Duales Studium in Siegen an. Für mich macht es jedoch keinen Sinn, zu Hause auszuziehen. Meine älteren Geschwister leben nicht mehr hier. Ich habe jede Menge Platz, unter anderem ein eigenes Badezimmer und eine komplette Etage für mich. So viel freien Raum hätte ich in keiner Studenten-WG.
Natürlich gibt es auch Nachteile im "Hotel Mama". Die ein oder anderen Pflichten, wie Schnee schaufeln oder Müll runterbringen, muss ich natürlich auch machen. Aber das Positive überwiegt. Außerdem wohnen wir in der Nähe des Fußballplatzes, wo ich mehrmals die Woche trainiere und spiele. Ich will hier erst einmal nicht weg."

Ajdin Djonovic: "Natürlich hat es vor allem finanzielle Vorteile, noch im elterlichen Haushalt zu wohnen. Da ich kein BAföG bekomme, ist es mit meinem 450-Euro-Job sehr schwierig auszuziehen. Darüber hinaus will ich keine finanzielle Last für meine Eltern darstellen. Ich bekomme meist das Auto und die Wohnlage ist auch top. Selbstverständlich gibt es auch Nachteile. Egal wie alt man ist, man wird immer ein Stück weit von den Eltern kontrolliert. Auch Meinungsverschiedenheiten treten mit Sicherheit öfters auf. Dennoch bin ich sehr froh, noch zu Hause zu wohnen, auch weil ich den Großeltern so im Alltag behilflich sein kann.“

Svetlana weiß das Leben in der Familie zu schätzen.
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Svetlana Lukjantschuk: "Ich habe BWL an der Universität Siegen studiert und bin derzeit auf Jobsuche, was in Zeiten der Pandemie nicht gerade leicht ist. Auch während meines Studiums hatte ich nicht so viel Geld zur Verfügung, um mir alle meine Träume zu erfüllen. Ich habe mich gegen eine WG und für das Elternhaus entschieden.
Dafür konnte ich mir ein Auto anschaffen und mehrmals jährlich verreisen. Außerdem finde ich es nicht schlimm, noch zu Hause zu wohnen. Mit meiner Schwester und unseren Katzen hatte ich immer sehr viel Spaß zu Hause. Wenn man an ein Familienleben gewöhnt ist, kann man sich fast nicht vorstellen, wie es ist, allein zu wohnen."

Tugba Ilbay: "Ich studiere momentan Lehramt an der Universität Siegen. An erster Stelle wohne ich noch aus kulturellen Gründen zu Hause. In meiner Kultur ist es immer noch üblich, erst nach der Heirat aus dem Elternhaus auszuziehen. Auch wenn es nicht mehr so streng wie früher gehandhabt wird.
Aus finanzieller Sicht ist es zudem während des Studiums deutlich angenehmer. Ich kann außerdem viel Zeit mit meiner Familie und meinen Eltern verbringen. Denn man weiß nie, wie lange dies noch möglich ist. In einem Haushalt mit mehreren Personen ist die Hausarbeit auch schnell getan. Großer Nachteil ist sicherlich der beschränkte Platz, sprich wenig Privatsphäre.“

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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