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Nach Biontech nun Johnson & Johnson
Zwei Impfungen, keine Wirkung

Beim autoimmunerkrankten Tobias F. blieb die m-RNA-Corona-Impfung ohne Antikörper,
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goeb Siegen. Es ist vermutlich nicht nur die Autoimmunerkrankung an sich, die den Impferfolg gegen die Corona-Erkrankung mit einem Messenger-RNA-Impfstoff schmälert, es sind möglicherweise die Medikamente, die die Betreffenden einnehmen, die sogenannten Immunsuppressiva, also die „Unterdrücker“ einer Immunreaktion, welche die Wirkung einschränken.

Die Antwort des Organismus ist nämlich notwendig, damit der Impfling Antikörper ausbildet. Deshalb hüten viele frisch Geimpfte ein oder zwei Tage nach dem Piks das Bett, weil der Körper auf Alarm schaltet und sein Abwehrsystem hochfährt, ehe die Feuerwehr dann wieder zurückgepfiffen wird.
Tobias F. (52) aus Siegen, der seinen wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet von seinen Erfahrungen.

goeb Siegen. Es ist vermutlich nicht nur die Autoimmunerkrankung an sich, die den Impferfolg gegen die Corona-Erkrankung mit einem Messenger-RNA-Impfstoff schmälert, es sind möglicherweise die Medikamente, die die Betreffenden einnehmen, die sogenannten Immunsuppressiva, also die „Unterdrücker“ einer Immunreaktion, welche die Wirkung einschränken.

Die Antwort des Organismus ist nämlich notwendig, damit der Impfling Antikörper ausbildet. Deshalb hüten viele frisch Geimpfte ein oder zwei Tage nach dem Piks das Bett, weil der Körper auf Alarm schaltet und sein Abwehrsystem hochfährt, ehe die Feuerwehr dann wieder zurückgepfiffen wird.
Tobias F. (52) aus Siegen, der seinen wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet von seinen Erfahrungen. „Ich bin zweimal mit Biontech geimpft worden und hatte gar keine Beeinträchtigungen, was mich gewundert hat, weil ich normalerweise schon auf Impfungen reagiere“, schildert er.

Nach 14 Tagen Antikörpertest

„Ich bin dann erstmal mit Gottvertrauen und zwei Stempeln nach Hause gegangen.“ Allerdings: Der Impfarzt, ein erfahrener älterer Kollege, wie Tobias F. weiter berichtet, hätte nach seiner Erkrankung gefragt und ihm nahegelgt, nach 14 Tagen einen Antikörpertest beim Hausarzt machen zu lassen.

„Bei diesem Test wurden dann so gut wie keine Antikörper bei mir festgestellt. Meine Hausärztin reagierte betroffen, weil ich sowieso schon einer ihrer Sorgenpatienten bin“, erzählt F. weiter. Er habe sich auch deshalb an die Zeitung gewendet, weil viele in einer ähnlichen Situation steckten und ahnungslos seien. „Viele reflektieren das nicht, weil sie nicht wissen, dass sie womöglich gar nicht geschützt sind“, sagt Tobias F.

"Wir empfehlen bei Immungedämpften die Impfung trotzdem."
Chefarzt Dr. Diethard Kaufmann
Experte für Autoimmunerkrankungen

Doch die Sache ist komplizierter als man denkt, wie Dr. Diethard Kaufmann der SZ erläutert. Er ist in Hillmicke in der Gemeinde Wenden aufgewachsen und heute Chefarzt der Abteilung internistische Rheumatologie an der Klinik Oberammergau. Kaufmann ist Fachmann auf dem Gebiet der Autoimmunerkrankungen.

Immunabwehr hochkomplexes Wirkungsgefüge

„Man sollte nicht vergessen, dass der Antikörpertest nur einen einfachen Laborwert wiedergibt“, schränkt Kaufmann ein. Die Immunabwehr sei ein hochkomplexes Wirkungsgefüge. So gibt es u. a. B-Zellen und T-Zellen im Abwehrsystem des Menschen. Immundämpfende Therapien könnten das Impfansprechen unter den B-Zellen etwas reduzieren, das sei korrekt.

Es gebe bestimmte Medikamente, die B-Zellen außer Gefecht setzten. „Die T-Zell-Immunität ist davon aber nicht unbedingt betroffen“, so Kaufmann weiter. Konkret: „Selbst ein Test ohne Nachweis von Antikörpern bedeutet nicht zwingend, dass die Schutzwirkung komplett verloren ist. Wir empfehlen bei Immungedämpften die Impfung trotzdem.“ Auch die Rechnung: keine Antikörper gleich kein Impfschutz, ist Kaufmann zu einfach. Es gehe schließlich auch darum, im Falle einer Erkrankung schwere Verläufe zu verhindern.

Dr. Diethard Kaufmann aus Wenden, Chefarzt der Abteilung internistische Rheumatologie an der Klinik Oberammergau, ist Experte für Autoimmunerkrankungen.
  • Dr. Diethard Kaufmann aus Wenden, Chefarzt der Abteilung internistische Rheumatologie an der Klinik Oberammergau, ist Experte für Autoimmunerkrankungen.
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Wie geht es nun weiter für Tobias F.? Er erhält in diesen Tagen eine dritte Impfung, diesmal den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson. Selbst danach will er sich so vorsichtig in der Gesellschaft verhalten wie er es seit 16 Monaten tut, das heißt Abstand halten und die Hygieneempfehlungen beachten.

Vektorimpfung nicht der Weisheit letzter Schluss

Die Vektorimpfung als dritte Impfung hält Kaufmann allerdings nicht für der Weisheit letzten Schluss. „Vektor-Impfstoffe füllen nicht automatisch diese Lücke. Das ist noch nicht evidenzbasiert, will sagen, dass das bei Autoimmunerkrankten besser funktioniert, ist noch nicht hinreichend belegt.“

Es werde zurzeit sehr viel geforscht bezüglich der Wirkung von Impfstoffen, insofern sei bei der Erkenntnislage zurzeit vieles im Fluss. Dem Entschluss des Patienten, weiter vorsichtig zu sein im Kontakt, könne er nur unterstützen. Wir seien ja bei fallenden Inzidenzen auf einem guten Weg. Und mit jedem zusätzlich Geimpften entspanne sich die Lage weiter.

Ein weites FeldBis zu 8 Prozent der Bundesbürger sind betroffen von Autoimmunerkrankungen. Gemeinsames Merkmal der Erkrankungen, die unter dem Überbegriff zusammengefasst werden, ist der Umstand, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper, seine Zellen oder Organe, richtet. Die Palette ist natürlich groß: Von Psoriasis (Schuppenflechte) über Hashimoto Thyreoiditis, eine verbreitete Schilddrüsen-Dysfunktion, Rheuma bis zu Morbus Crohn, das den Darm angreift, und Multiple Sklerose reicht die Klammer. Nicht bei allen Erkrankungen nehmen die Patienten Medikamente zeitweilig oder dauerhaft, aber bei vielen. Auch bei Krebspatienten wird bei entsprechender Therapie das Immunsystem gedämpft oder sogar zeitweilig ganz außer Kraft gesetzt.
Beim autoimmunerkrankten Tobias F. blieb die m-RNA-Corona-Impfung ohne Antikörper,
Dr. Diethard Kaufmann aus Wenden, Chefarzt der Abteilung internistische Rheumatologie an der Klinik Oberammergau, ist Experte für Autoimmunerkrankungen.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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