Zwei Kinder im Weiher ertrunken?

 Normalerweise schützen Atemschutzmasken die Feuerwehrleute vor Rauch, hier dienten sie als Tauchermasken. Die Männer ziehen gerade die Puppe aus dem Weiher. Foto: privat
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ihm Notruf bei der Leitstelle: Zwei Kinder ertrunken! Auch für routinierte Feuerwehrleute, Rettungsassistenten und Notärzte ist die Meldung, dass zwei Kinder im Seelbacher Weiher vermisst werden, ein Schreckensszenario, das schlagartig die Psyche unter enormen Druck setzt. Genau diesen wollten die Organisatoren dieser außergewöhnlichen Übung am Freitagabend erzeugen.

Eigentlich war das Freibad Seelbacher Weiher am Freitag gar nicht geöffnet. Man hatte aber eine Gruppe von Jugendfeuerwehrleuten aus dem Oberbergischen Kreis als Statisten angeheuert. Sie waren natürlich eingeweiht. Mehrere verzweifelte Notrufe gingen bei der Leitstelle ein: Ein zwölfjähriges Mädchen und ein 16-Jähriger seien beim Kentern eines Bootes unter Wasser gedrückt worden und verschwunden.

Einsatzleiterin war Brandamtsrätin Susanne Kaphammel. Sie hatte insgesamt 60 Einsatzkräfte zu dirigieren. Als erstes kam der Rettungshubschrauber Christoph 25 und suchte die Wasseroberfläche aus der Luft ab – ohne Ergebnis. Dann traf der Löschzug Alchetal der Freiwilligen Feuerwehr mit drei Feuerwehrleuten ein. Zwei von ihnen sprangen sofort ins Wasser und suchten an der angegebenen Stelle in Ufernähe.

Nun traf Susanne Kaphammel eine „ungewöhnliche, aber sehr effektive Entscheidung“, berichtete Karl-Heinz Richter. Sie gab den Befehl, dass weitere Feuerwehrleute sich mit Atemschutzgeräten ausrüsten und in dem rund zwei Meter tiefen Bereich nach den Vermissten tauchen. Normalerweise sind die Atemschutzmasken nicht als Tauchermasken gedacht, „aber sie sind in absoluten Notfällen auch zum Tauchen geeignet“, sagte Richter.

Natürlich waren inzwischen die Rettungstaucher der DLRG alarmiert worden, aber bis sie am Einsatzort eintreffen, vergeht erheblich mehr Zeit als bei der Feuerwehr. Und Zeit ist im Falle von Ertrinken entscheidend: Je schneller Personen aus dem Wasser geborgen werden, desto größer ist die Chance, dass Reanimationsmaßnahmen erfolgreich sind. Feuerwehrchef Matthias Ebertz sieht gerade vor dem Hintergrund der schlechten Schwimmfähigkeiten der allermeisten Flüchtlinge hier großen Handlungsbedarf.

Die Feuerwehrtaucher mit ihren Pressluftflaschen hatten schließlich Erfolg: eine der beiden im See versenkten knallroten Übungspuppen aus Kunststoff zogen sie heraus. Und erst jetzt realisierten die Beteiligten, dass es sich um eine Übung handelte. Die zweite Puppe wurde nach gut eineinhalb Stunden von DLRG-Tauchern geborgen.

Bei etlichen Feuerwehrleuten stieß das außergewöhnliche Übungsszenario auf Unmut. Der hohe psychische und auch physische Druck entlud sich in ärgerlichen Äußerungen. Matthias Ebertz gestern zur SZ: „Ich wäre auch sauer gewesen.“ Das sei eine völlig verständliche Reaktion und auch dem Stress geschuldet. In der Nachbesprechung werde aber in der kommenden Woche die Feuerwehrleitung in aller Ruhe den Kameraden darlegen, warum man eine so realistische Kulisse habe aufbauen müssen. Nur dann könne man echte Erkenntnisse gewinnen.

Während manche Einsatzkräfte die Übung lobten – „Endlich mal eine Übung unter echten Bedingungen!“ –, gab es Kritik vom benachbarten Gastronomen. Sein Lokal sei zeitweise für die Gäste schlecht erreichbar gewesen, klagte er. Matthias Ebertz betont, dass der Parkplatz auf der anderen Straßenseite der Gaststätte stets zur Verfügung gestanden habe. „Man konnte zu Fuß das Lokal jederzeit erreichen.“ Man bitte aber die Gäste und Restaurantbetreiber für alle Unannehmlichkeiten um Entschuldigung und werde das nächste Woche auch noch im persönlichen Gespräch tun.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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