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Mit vorgehaltener Waffe 150 Euro erbeutet
Zweifache Mutter vor Gericht

Eine 36-jährige Mutter muss sich vor Gericht verantworten, weil sie eine Rentnerin in ihrer Wohnung überfallen haben soll.
  • Eine 36-jährige Mutter muss sich vor Gericht verantworten, weil sie eine Rentnerin in ihrer Wohnung überfallen haben soll.
  • Foto: Christian Schwermer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Siegen. Die Rentnerin war gerade am Telefon, als es an der Tür klingelte. „Da war eine kleine vermummte, dunkel gekleidete Person mit einem Stapel Werbezeitschriften, die hatte den Fuß direkt in der Wohnung“, blickte die Frau am Dienstag auf den Morgen des 19. September 2019 in Geisweid zurück. An diesen Tag erinnert sie sich noch sehr genau, denn die „Besucherin“ erbeutete mit vorgehaltener Waffe rund 150 Euro und muss sich dafür jetzt vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen verantworten.
"Geld her, oder ich schieße"Als die 36-Jährige in die Wohnung drang, habe die Rentnerin versucht, den ungebetenen Gast „rauszutreiben“. Dabei seien die Werbeblättchen zu Boden gefallen und eine Pistole zum Vorschein gekommen.

sos Siegen. Die Rentnerin war gerade am Telefon, als es an der Tür klingelte. „Da war eine kleine vermummte, dunkel gekleidete Person mit einem Stapel Werbezeitschriften, die hatte den Fuß direkt in der Wohnung“, blickte die Frau am Dienstag auf den Morgen des 19. September 2019 in Geisweid zurück. An diesen Tag erinnert sie sich noch sehr genau, denn die „Besucherin“ erbeutete mit vorgehaltener Waffe rund 150 Euro und muss sich dafür jetzt vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen verantworten.

"Geld her, oder ich schieße"

Als die 36-Jährige in die Wohnung drang, habe die Rentnerin versucht, den ungebetenen Gast „rauszutreiben“. Dabei seien die Werbeblättchen zu Boden gefallen und eine Pistole zum Vorschein gekommen. Gleich darauf die bedrohliche Forderung: „Geld her, oder ich schieße!“ Daraufhin habe sie 100 Euro aus der Küche geholt. Doch die Frau habe mehr verlangt und letztendlich 150 Euro in ihren Händen gehalten. Erneut habe die 67-Jährige den Versuch gewagt, den Eindringling hinauszudrängen, diesmal mit Erfolg.

Handy brachte Ermittler auf die richtige  Spur

Beim Eintreffen der Polizei sei ein Handy im Flur entdeckt worden. In der Hülle hätten die Ermittler Dokumente gefunden, die auf die Besitzerin hinwiesen. Der Name sei der Rentnerin nicht unbekannt gewesen, schließlich habe die Frau vor etwa zwei Jahren zeitweise ihre Wohnung geputzt. Und: Schon in der Nacht zuvor habe sie Einbruchsgeräusche wahrgenommen, so die 67-Jährige. Ob diese aber mit dem Raub zusammenhängen, diese Frage bleibt wohl unbeantwortet.

Waffe wiedererkannt

Auch die Nachbarin berichtete davon, eine Waffe gesehen zu haben. Tatsächlich fand die Polizei in der Wohnung der Angeklagten den Karton einer Schreckschusspistole. Die darauf abgebildete Waffe haben sowohl die Betroffene als auch die Zeugin wiedererkannt. Der Lebensgefährte der 36-Jährigen wollte von dem Karton geschweige denn der Waffe nichts wissen.

Heroinabhänigkeit führte zum Absturz

Die Angeklagte ließ über Verteidiger Dr. Carsten Friedel Keil mitteilen, dass sie die Tat einräume. Seit knapp neun Jahren nehme sie Heroin. Etwa ein Jahr vor dem Überfall sei sie arbeitslos geworden, den Konsum habe sie mit Erspartem gezahlt. Es sei dann vieles zusammengekommen: Stress zu Hause, kein Geld, kein Heroin. Sachverständiger Dr. Bernd Roggenwallner berichtete zudem, dass sie vor der Tat Morphintabletten eingenommen habe. Mit einem Stock, den sie auf einer Baustelle gefunden habe, sei die zweifache Mutter dann zum Haus der Angeklagten gegangen. Ein naheliegender Grund dafür hätte sein können, dass sie den Entzugserscheinungen mit der Beschaffung von Drogen entgegenwirken wollte, doch das sei nicht der Fall gewesen: Sie selbst habe gesagt, sie wisse nicht, wie sie auf die Idee gekommen sei. Roggenwallner konnte keine wesentlichen Auffälligkeiten oder eine schwerwiegende Intoxikation feststellen, die auf eine verminderte Schuldfähigkeit hingewiesen hätten

Gefängnis oder Bewährungsstrafe

Staatsanwalt Dennis Lotz plädierte für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, während Rechtsanwalt Keil auf das bisher unbescholtene Leben der 36-Jährigen verwies: Nach dem Schulabschluss habe sie eine Ausbildung absolviert und „ihr Leben lang hart gearbeitet“. Eine Waffe sei nicht gefunden worden, dementsprechend sei nicht zu klären, ob es sie gab und ob sie geladen war. „Mit Hängen und Würgen“ könne hier ein minderschwerer Fall festgestellt werden, so der Verteidiger. Eine Bewährungsstrafe mit Therapieauflage sei vertretbar.

Angeklagte entschuldigte sich

Während der gesamten Verhandlung hielt die Angeklagte das Gesicht hinter ihren Händen versteckt. Nur bei ihrer Entschuldigung schaute sie die Rentnerin an: „Es tut mir sehr leid, ich weiß nicht, warum ich das getan habe.“
Das Urteil wird am 2. März gefällt.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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