Zweimal Ersatzbank – »nicht mit mir«

Der SZ-Jugendtrainer der Woche:

Torsten Wied vom TSV Siegen ein Mann der leisen Töne / Spaß statt Erfolg im Vordergrund

geo Trupbach. Es gibt sie noch, die mit den leisen Tönen. Die mit Kindern arbeiten und nicht mit Torjägern und Abwehrstrategen. Bei denen es wichtiger ist, dass kein Kind zwei Mal hintereinander die »Ersatzbank« drückt, als drei Punkte oder viele Tore. Ein solcher ist Torsten Wied, unser »Jugendtrainer der Woche« in der 7. von zehn Prämierungsrunden.

Torsten Wied coacht keine Erfolgsmannschaft, die am Saisonende in großen Bildern in den Zeitungen abgedruckt wird. Er ist Trainer der E-3-Jugend des TSV Siegen, und die ist nun gerade nicht vom Erfolg verwöhnt. Doch obwohl – oder gerade weil – es mal zwei Siege, mal deren drei in einer Saison für die jungen Kicker aus Trupbach und Seelbach zu feiern gibt, springt fast keiner vom eingeschlagenen Weg ab.

Zwölf Kinder gehören zum »Kader«, bei den beiden Trainingseinheiten benötigt Torsten Wied immer beide Hände, um alle Trainingsfleißigen zu zählen. Der Spaß steht bei ihm im Vordergrund, ein Fußball-Gefühl, das sich zuallererst auf die jungen Fußballer, darunter ist auch sein eigener Sohn, übertragen soll. Wenn gespielt wird, nutzt Torsten Wied (41) das Jugend-Reglement bis ganz weit nach hinten aus. Gewechselt wird häufig, jeder kommt zum Einsatz und meist kommt auch einer wieder rein, der schon mal raus war – in diesem Alter halten die Regel-Experten und Satzungs-Hüter zum Glück die Leine noch am langen Ende.

Und dass Spielen im wahrsten Sinne des Wortes wichtiger ist als Medizinballwerfen oder Ausdauertraining, setzt Torsten Wied ebenfalls massiv in die Tat um – manchmal zum Leidwesen der Eltern, die ziemlich flexibel reagieren müssen. »Wir hatten während der Saison drei Mannschafts-Abmeldungen. Die spielfreien Termine haben wir dann mit Freundschaftsspielen besetzt, dies oft aber auch einfach mal unter der Woche anstelle von Training,« so Torsten Wied, der aber gerade »seine« Kicker-Eltern besonders lobt für deren »Mitziehen«.

Auch Torsten Wied möchte wie viele seiner Jugendtrainer-Kollegen mit den Jahrgängen »mitwandern«. Angefangen hat er als F-Jugendtrainer, eben auch weil sein Filius das knatschgelbe Jan-Koller-Trikot nicht nur in der Freizeit anzog, sondern plötzlich auch die Fußballstiefel selber schnüren wollte. Den Trainerschein hat er gemacht, nach 17 Jahren als Fußballer beim TSV eine völlig neue Erfahrung. »So ganz langsam fange ich mit meinen Jungs und Mädels an, Ordnung auf dem Platz zu üben, also ein klein wenig Taktik, damit nicht alle hinter dem Ball herrennen. Wie das dann in der D-Jugend und so wird, da muss ich mich wohl erst mal einarbeiten.«

Fast zu schön, dass sich Torsten Wied eben diese gutmütige Naivität bewahrt hat, die »1:1« auf seine Schützlinge ausstrahlt. Und er ist dennoch überzeugt, dass aus seiner »Truppe« durchaus gute Fußballer werden, auch wenn er jetzt den Leistungsgedanken noch ganz hinten anstellt. Keine Frage: der schlechteste Fußballer, ist der, der aufhört zu spielen. Und bei Torsten Wied kommen sie gerne und so oft es geht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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