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Wirtschaft besorgt um Arbeitsplätze
Zweiter Lockdown wäre "der GAU"

Mit den steigenden Infektionszahlen wächst die Sorge um die Arbeitsplätze.

vö Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Infektionszahlen sind alarmierend, die allgemeine Stimmung wird schlechter – und die öffentliche Diskussion läuft kontinuierlich nur noch in eine Richtung: Die Angst vor einem zweiten Lockdown wird größer. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller wird so zitiert, „dass außer einem Lockdown nicht viele Möglichkeiten bleiben“.
Einige Branchen mehr getroffen als andereDie spannende Frage dahinter: Kann es sich dieses Land leisten, nach dem Frühjahr ein zweites Mal in einem Jahr nahezu alle Wirtschaftszweige lahmzulegen und eine Zwangspause anzuordnen?
Die Wirtschaft gibt eine klare Antwort: Nein. „Ein zweiter Lockdown wäre der GAU“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen.

Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Infektionszahlen sind alarmierend, die allgemeine Stimmung wird schlechter – und die öffentliche Diskussion läuft kontinuierlich nur noch in eine Richtung: Die Angst vor einem zweiten Lockdown wird größer. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller wird so zitiert, „dass außer einem Lockdown nicht viele Möglichkeiten bleiben“.

Einige Branchen mehr getroffen als andere

Die spannende Frage dahinter: Kann es sich dieses Land leisten, nach dem Frühjahr ein zweites Mal in einem Jahr nahezu alle Wirtschaftszweige lahmzulegen und eine Zwangspause anzuordnen?
Die Wirtschaft gibt eine klare Antwort: Nein. „Ein zweiter Lockdown wäre der GAU“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen. Dabei seien die verschiedenen Wirtschaftszweige natürlich unterschiedlich zu betrachten. Das ohnehin schon schwer getroffene Gastgewerbe „wird jetzt als erste Branche in eine Situation geführt, die niemandem gefallen kann“. Am Industrieumsatz im Kammerbezirk mit den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe fehlten schon jetzt 2 Milliarden Euro im Jahr 2020.

Teils dramatische Situation in Nachbarländern

Zu einem Zeitpunkt, zu dem beispielsweise der chinesische Markt wieder anziehe, nehme die Diskussion über einen möglichen zweiten Lockdown Fahrt auf.
Hinzu komme die teils schon dramatische Situation in den Nachbarländern wie Italien, Belgien, Frankreich oder den Niederlanden. Klaus Gräbener: „Wir sind extrem exportabhängig in unserer Region. Jeder zweite Euro wird im Ausland verdient. Wenn das nicht mehr funktioniert, kann sich jeder ausrechnen, was das bedeutet.“

Staat kann nicht endlos aushelfen

Die politisch Verantwortlichen mögen sich bitte von der Vorstellung verabschieden, dass Einkommen von Unternehmen und Mitarbeitern auf Strecke staatlich zu finanzieren seien: „Das ist absurd.“ Es dürfe, so Klaus Gräbener, nicht das Augenmaß verloren werden, was der Staat an Unterstützungsmaßnahmen leisten könne. Und: „Wir sind gut beraten, an unsere Hilfsprogramme sowohl ein Preisschild als auch ein Verfallsdatum zu hängen.“
Helmut Hofmann, Sprecher des Verbandes der Siegerländer Metallindustriellen (VdSM), erinnert daran, „dass wir die Schwierigkeiten des ersten Lockdowns ja noch im Hinterkopf haben“. Wenn sich diese Situation wiederhole, werde es ganz schwierig – dann müsse man einfach auch Arbeitsplätze in Gefahr sehen.

Unternehmen wollen Mitarbeiter halten

Helmut Hofmann: „Unsere Unternehmen versuchen alles, um ihre Mitarbeiter zu halten. Die Kurzarbeit ist da nur ein Instrument. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem es ganz schwierig wird. Deshalb müssen alle gemeinsam alles dafür tun, dass es nicht so weit kommt.“ Zudem stelle sich irgendwann die Frage, so Helmut Hofmann, wie lange der Staat überhaupt in der Lage sei, Rettungspakete in dieser Größenordnung wie bislang zu schnüren. Denn: „Mit Geld allein sind Lieferketten und Kundenbeziehungen nicht zu pflegen.“
Und einen Aspekt dürfe man bei allen Diskussionen, die politisch geführt würden, ganz sicher nicht ausklammern: „So weit ich das weiß, spielt sich das Infektionsgeschehen ja auch nicht in den Unternehmen ab. Die Ansteckungen erfolgen woanders.“

Diszipliniert verhalten

Siegen-Wittgensteins Landrat Andreas Müller setzt in diesem Zusammenhang auf die Solidarität: „Je disziplinierter wir uns jetzt alle verhalten, umso eher können wir einen zweiten Lockdown verhindern.“ Deshalb appelliert der Landrat an alle, nicht nur zu fragen, was erlaubt oder verboten, sondern was in dieser Situation sinnvoll und geboten sei.

Erneuerter Lockdown würde das Leben in der Stadt schwer treffen

„Ein erneuter Lockdown in unserer Stadt kann nur das absolut letzte Mittel sein. Um es klar zu sagen: Es wird von der Entwicklung der Corona-Fallzahlen abhängen, ob wir es gemeinsam schaffen, die sehr hohe Infektionsdynamik noch zu bremsen“, so der unmissverständliche Appell von Siegens Bürgermeister Steffen Mues. Ein zweiter Lockdown werde das Leben in der Stadt schwer treffen, es stehe viel auf dem Spiel: die Wirtschaft, Arbeitsplätze, der Schulunterricht, die Gastronomie, Kultur, Sport. Mues weiter: „Wir werden alle uns möglichen Optionen ausschöpfen, um ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens zu verhindern, vollständig ausschließen lässt es sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Das muss jedem klar sein. Es kommt jetzt mehr denn je auf jeden Einzelnen und jede Einzelne an, im öffentlichen wie im privaten Raum, sich an die Corona-Regeln, an die Maskenpflicht, an die Hygienemaßnahmen penibel zu halten. Die nächsten Tage, die nächsten Wochen werden hier entscheidend sein.“

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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