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Erster Corona-Intensiv-Patient
Zwischen Hoffen und Bangen

Franco Giarruffo ist Sportler durch und durch, und dann erwischte ihn Covid-19. Sein Leben hing am seidenen Faden, doch der frühere Boxer hat die schwere Krankheit am Ende besiegt. Es war sein schwerster Fight.
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  • Franco Giarruffo ist Sportler durch und durch, und dann erwischte ihn Covid-19. Sein Leben hing am seidenen Faden, doch der frühere Boxer hat die schwere Krankheit am Ende besiegt. Es war sein schwerster Fight.
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ap Siegen. Wenn man Franco Giarruffo so anschaut, sieht man ihm das, was er vergangenes Jahr alles durchgemacht hat, heute kaum noch an. Als erster Covid-19-Patient wurde er Mitte April ins Kreisklinikum eingeliefert – und 19 Tage später zwar nicht vollständig gesund, aber zumindest ohne Corona-Infektion wieder entlassen. „Das war wirklich eine schlimme, schlimme Zeit“, blickt seine Frau zurück. Doch durch den großen (Familien-)Zusammenhalt und einen starken Willen hat sich der 68-Jährige zurück ins Lebens gekämpft.

Ursprünglich war er wegen einer ganz anderen Sache im Krankenhaus. Nachdem Franco Giarruffo und sein Herz wieder intakt waren, hieß es für den Patienten nur noch warten auf die Entlassungspapiere.

ap Siegen. Wenn man Franco Giarruffo so anschaut, sieht man ihm das, was er vergangenes Jahr alles durchgemacht hat, heute kaum noch an. Als erster Covid-19-Patient wurde er Mitte April ins Kreisklinikum eingeliefert – und 19 Tage später zwar nicht vollständig gesund, aber zumindest ohne Corona-Infektion wieder entlassen. „Das war wirklich eine schlimme, schlimme Zeit“, blickt seine Frau zurück. Doch durch den großen (Familien-)Zusammenhalt und einen starken Willen hat sich der 68-Jährige zurück ins Lebens gekämpft.

Ursprünglich war er wegen einer ganz anderen Sache im Krankenhaus. Nachdem Franco Giarruffo und sein Herz wieder intakt waren, hieß es für den Patienten nur noch warten auf die Entlassungspapiere. Seinen Zimmernachbarn hatte es damals etwas schlimmer getroffen als ihn, erinnert sich der gebürtige Italiener aus Apulien. „Der lag da mit Fieber.“

Eher Grippe statt Corona-Infektion

Zwei Tage später. Bei den Giarruffos klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: das Gesundheitsamt. Kontaktperson ersten Grades, heißt es. Der Ehemann wird zum Corona-Test gebeten. Zu diesem Zeitpunkt geht es ihm (noch) gut. Erst am nächsten Tag merkt er allmählich: „Irgendwas stimmt nicht.“ Der sportliche Siegener bekommt weniger Luft als sonst, kriegt kein Essen mehr herunter und fühlt sich generell „irgendwie komisch“. An eine Corona-Infektion glaubt er da aber noch nicht, eher an eine Grippe. Kurz nach der „positiven“ Nachricht des Gesundheitsamtes verschlechtert sich sein Zustand jedoch rapide. Seine Frau zögert nicht lange und ruft direkt den Notarzt.

17. April: Krankenhaus, Intensivstation, künstliches Koma. Zwei lange Wochen zwischen Hoffen und Bangen. Multiorganversagen, Dialyse, Schlaganfall. Der Zustand ist sehr kritisch. Sein Körper – geschwächt und gezeichnet. 23 Kilo nimmt er in dieser Zeit ab. „Sein Leben hing am seidenen Faden“, sagt seine Frau Karin auch heute noch mit großer Sorge im Blick. „Er war mehr oben im Himmel als hier auf der Erde.“ Dennoch war sie sicher: „Mein Mann schaft das.“

Sechs Wochen Reha

Und tatsächlich verbessert sich nach einigen Tagen sein Zustand. Die Symptome gehen zurück. Die halbseitige Lähmung wegen des Schlaganfalls aber bleibt. Auf den kräftezehrenden Krankenhaus-Aufenthalt folgen sechs Wochen Reha.

Franco Giarruffo freut sich auf den Tag, wenn die Fitnessstudios wieder öffnen.
  • Franco Giarruffo freut sich auf den Tag, wenn die Fitnessstudios wieder öffnen.
  • Foto: pixabay
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„Dass ich das überstanden habe, das war ein Wunder“, sagt Franco Giarruffo, als könne er es selbst noch nicht richtig glauben. „Man muss einfach einen starken Willen haben“, verrät er. Aber ohne die (intensivmedizinische) Hilfe im Krankenhaus hätte er das Virus ganz sicher nicht überstanden. „Frau Dr. Frevel hat mir das Leben gerettet“, erzählt der 68-Jährige mit großer Dankbarkeit im Gesicht und dem ein oder anderen Tränchen in den Augen. „Sie war mit ihrem Herz einfach voll dabei. Unglaublich.“ Aber auch seine Familie und sein ehemaliger Chef hätten ihm immer beigestanden und Mut gemacht.
Stück für Stück, mit der (familiären) Unterstützung und einer großen Portion Selbstdisziplin, hat sich Franco Giarruffo wieder zurück ins Leben gekämpft. Was ihm dabei auch geholfen hat, waren seine körperliche Fitness und sein gesunder Lebensstil, davon ist er überzeugt. „Ich war sogar fitter als meine Neffen“, schmunzelt der 68 Jahre alte Siegener.

Angst vor nächster Virus-Infektion schwingt mit

Bis die Fitnessstudios öffnen und er sich wieder mit ihnen messen kann, trainiert der einstige Box-Profi aus Italien eben zu Hause. Viel unternehmen könne man ja ohnehin nicht, sagt er. Was immer mitschwingt: Die Angst, sich noch einmal mit dem Virus zu infizieren. Geimpft würde er sicher in naher Zukunft nicht.

Aber aufgeben war für die Kämpfernatur aus Apulien nie eine Option. „Schauen Sie“, sagt er und zeigt dabei auf ein gerahmtes Familienfoto. „Das T-Shirt hier haben mir meine Neffen geschenkt.“ Zwischen all den Köpfen und Körpern sticht eine Sache besonders hervor: das rot-gelbe Superhelden-„S“ auf seiner Brust. Für viele Menschen ist Franco Giarruffo nämlich genau das: ein großes Vorbild, so wie Supermann eben.

Franco Giarruffo ist Sportler durch und durch, und dann erwischte ihn Covid-19. Sein Leben hing am seidenen Faden, doch der frühere Boxer hat die schwere Krankheit am Ende besiegt. Es war sein schwerster Fight.
Franco Giarruffo freut sich auf den Tag, wenn die Fitnessstudios wieder öffnen.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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