Zwischen Kind und Karriere

 Kind und Karriere zu vereinbaren, ist das heutzutage möglich? – Darüber sprachen die Einrichtungsleiterin der Kita „Arche Noah“, Miriam Rann (l.) sowie die beiden berufstätigen Mütter Andrea Seemann (M.) und Nadine Schmidt (r.). Foto: khe
  • Kind und Karriere zu vereinbaren, ist das heutzutage möglich? – Darüber sprachen die Einrichtungsleiterin der Kita „Arche Noah“, Miriam Rann (l.) sowie die beiden berufstätigen Mütter Andrea Seemann (M.) und Nadine Schmidt (r.). Foto: khe
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khe - Kind und Karriere zu vereinbaren, ist vor allem für Frauen noch immer eine schwierige Aufgabe. Der jüngste Regierungsbericht zur Lebensqualität „Was Bürgern wichtig ist“, an dem sich fast 16.000 Menschen beteiligten, befasste sich unter anderem mit der Herausforderung, vor der viele Familien in Deutschland stehen, wenn es gilt, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Kinder dürften nicht zu einem Hindernis für die Karriere gemacht werden, ist eine zentrale Forderung des Berichtes.

Frauen und Männer sind laut Bericht von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in unterschiedlicher Weise betroffen. Das habe mit der durchschnittlichen Arbeitszeit und dem individuellen Gehalt zu tun. Männer arbeiteten überwiegend in Vollzeit und hätten häufiger längere Arbeitszeiten. Frauen hingegen arbeiteten häufiger in Teilzeit. Bei berufstätigen Müttern mit minderjährigen Kindern liegt die Teilzeitquote bei rund 70 Prozent, bei Vätern dagegen bei rund 6 Prozent.

In den ostdeutschen Ländern arbeiten Frauen häufiger in Vollzeit, nicht zuletzt, weil dort das ganztägige Betreuungsangebot für Kindergarten- und Schulkinder deutlich höher sei als in vielen westdeutschen Bundesländern. Die Befragung macht dabei deutlich, dass sich an der traditionellen Aufgabenteilung im Haushalt und bei der Betreuung von Kindern trotz der stetig zunehmenden Frauen- und Müttererwerbsbeteiligung wenig geändert hat. Die Betreuung liegt immer noch überwiegend in der Hand der Frauen – ein schwieriger Spagat.

Dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Herausforderung ist, wird auch im Gespräch mit den beiden berufstätigen Müttern Andrea Seemann und Nadine Schmidt deutlich, deren Kinder die Siegener Kita „Arche Noah“ besuchen, deren Träger der Verein „Hilfe zum Leben“ ist.

Andrea Seemann ist Geschäftsführerin bei einem regionalen mittelständischen Familienunternehmen. Nadine Schmidt ist als Personalberaterin ebenfalls in einem Familienunternehmen tätig. Ihr Tag, erzählt Seemann, beginne meist ganz klassisch mit einem gemeinsamen Frühstück im Kreise der Familie. „Eine gewisse Routine gibt es“, beschreibt sie ihren Alltag. Nach dem Frühstück müssen die Kinder los. Beim Fahrdienst für den Nachwuchs wechselt sie sich mit ihrem Mann ab, berichtet sie.

Als Selbstständige habe sie den Vorteil, keinen direkten Vorgesetzten zu haben, doch wenn es Privates zu erledigen gebe, müsse sie die Zeit selbstverständlich nachholen und auch einmal bis spät in den Abend hinein arbeiten.

Wie wichtig eine gute Vernetzung innerhalb der Familie ist, berichtet Nadine Schmidt. Denn ohne Mütter und Schwiegermütter, die sich um die Kinder kümmern können, wenn mal „Not am Mann“ (bzw. „der Frau“) ist, wäre vieles nicht denkbar. Ohne diese Vernetzung und gegenseitige Unterstützung könne sie guten Gewissens nicht berufstätig sein. Auch die Familien der Kinder in der Kita seien gut vernetzt und würden sich gegenseitig helfen und unterstützen, ergänzt sie.

„Ich will trotzdem arbeiten“, betont Andrea Seemann mit Blick auf die Absicherung, die eine berufliche Tätigkeit bietet. Ausbildung und Studium kosteten schließlich viel Geld. Einige Zeit aus dem Berufsleben heraus zu sein, sei heutzutage schwierig, fügt sie hinzu. Wenn man arbeite, gebe man sich beruflich nicht auf und sei man selbst, ergänzt sie.

„Man hat was für sich“, begründet Nadine Schmidt den Schritt, nach der Geburt der Kinder wieder arbeiten zu gehen. Die Arbeit gebe ihr Anerkennung, Wertschätzung und steigere zudem das Selbstbewusstsein. Auch ihr Mann unterstütze diese Entscheidung. „Ich will die Berufstätigkeit“, betont auch Andrea Seemann, denn auch ihr ist nicht nur die Absicherung wichtig, sondern auch die Wertschätzung, die sie durch ihren Job erfährt.

Früher waren Väter als alleinige Ernährer der Familie oft den ganzen Tag unterwegs und oft schliefen die Kinder schon, wenn der Vater von der Arbeit nach Hause kam. „Wenn mein Mann von der Arbeit kommt“, erzählt Nadine Schmidt, „ist er sofort Papa“, und wenn ihr Mann die Kinder längere Zeit nicht sehen könne, sei das schlimm für ihn. Smartphones erwiesen sich diesen Fällen als ein wahrer „Segen“; man könne Entwicklungen der Kinder mit dem Handy filmen und Videobotschaften verschicken.

Der Alltag berufstätiger Mütter ist eine Herausforderung, und die beiden Mütter meistern diese Herausforderung mit Bravour. Kind und Karriere zu vereinbaren, bedeutet, dass Ehepartner, Familie und Freundeskreis stets gut vernetzt sein müssen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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