Höhenflug der Sportfr. Obersdorf/Rödgen
1991 schon mit neun Zehen in der Landesliga

Mit dieser Mannschaft feierten die Sportfreunde Obersdorf/Rödgen 1989/90 die Meisterschaft in der A-Kreisliga Süd und schafften damit erstmals in ihrer Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga. In der hinteren Reihe stehen (v. l.) der 1. Vorsitzende Arno Ortmann, Thomas Nies, Thomas Schütz, Thomas Schachtschneider, Detlev Mockenhaupt, Detlef Batschun, Martin Miltenberger, Helmut Stremmel, Torsten Münker, Karoly Kiss, Randolph Schürbusch, Betreuer Hartmut Becker und Uwe Denkert. Vorne hocken (v. l.) Stefan Brockfeld, Frank Reuter, Dirk Zarmutek, Frank Spieth, Heiko Schumacher, Matthias von Fugler, Spielertrainer Bernd Krämer und Claus Zarmutek. – Zur Spielzeit 1990/91, die die Obersdorfer um ein Haar mit dem Durchmarsch in die Landesliga beendet hätten, kamen Andreas Bredendig, Arndt Achenbach, Frank Heupel, Marcus Göbel, Stefan Niklas, Holger Rode, Michael Kraume, Martin Stein und Burkhard Hoenig als Neuzugänge hinzu.
  • Mit dieser Mannschaft feierten die Sportfreunde Obersdorf/Rödgen 1989/90 die Meisterschaft in der A-Kreisliga Süd und schafften damit erstmals in ihrer Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga. In der hinteren Reihe stehen (v. l.) der 1. Vorsitzende Arno Ortmann, Thomas Nies, Thomas Schütz, Thomas Schachtschneider, Detlev Mockenhaupt, Detlef Batschun, Martin Miltenberger, Helmut Stremmel, Torsten Münker, Karoly Kiss, Randolph Schürbusch, Betreuer Hartmut Becker und Uwe Denkert. Vorne hocken (v. l.) Stefan Brockfeld, Frank Reuter, Dirk Zarmutek, Frank Spieth, Heiko Schumacher, Matthias von Fugler, Spielertrainer Bernd Krämer und Claus Zarmutek. – Zur Spielzeit 1990/91, die die Obersdorfer um ein Haar mit dem Durchmarsch in die Landesliga beendet hätten, kamen Andreas Bredendig, Arndt Achenbach, Frank Heupel, Marcus Göbel, Stefan Niklas, Holger Rode, Michael Kraume, Martin Stein und Burkhard Hoenig als Neuzugänge hinzu.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Obersdorf. Mit 92 Jahren auf dem Buckel sind die Sportfreunde Obersdorf/Rödgen ein durchaus betagter Fußball-Senior, der sich zuverlässig in der Kreisliga oder für eine gute Handvoll Jahre auch in der Bezirksliga aufgehalten hat. Einmal jedoch standen die Kicker vom Rödgen ganz dicht vor dem Sprung in die Landesliga, die sie nicht nur mit einem Bein, sondern mit neun Zehen bereits erreicht hatten – doch dann fielen sie durch ein Elfmeter-Gegentor von Wolke Sieben in den tiefsten Keller der sportlichen Niedergeschlagenheit.

Das war in der Saison 1990/91, die man mit Fug und Recht als die „Hoch-Zeit“ des 1928 gegründeten Vereins bezeichnen darf. Die Sportfreunde befanden sich – auch dank tatkräftiger Unterstützung aus der örtlichen Unternehmerschaft – in einem positivem Lauf, der drei Jahre zuvor mit dem Gewinn des Meistertitels in der damaligen B-Kreisliga Süd begonnen hatte. Dabei verlief das Titelrennen äußerst spannend, am Ende lagen die Sportfr. Obersdorf/Rödgen mit 39:13 Punkten nur einen Zähler vor dem hartnäckigen Rivalen SuS Wiederstein. Erst am 26. und letzten Spieltag der Saison 1986/87 durfte am Rödgen nach einem 5:1-Erfolg über den VfB Burbach 2. die Meisterschaft und der Aufstieg ins Kreisliga-„Oberhaus“ gefeiert werden. Dort etablierte „Meistermacher“ Erich „Ede“ Hoffmann sein Team zunächst für zwei Jahre auf den Plätzen 12 und 11, ehe ein Wechsel auf der Kommandobrücke erfolgte.
Unter der Regie von Spielertrainer Bernd Krämer, der als 30-Jähriger vom damaligen Landesligisten Blau-Weiß Hillmicke kam und dort in der Saison 1988/89 drei Treffer zum überraschenden 4. Platz in der Landesliga beigesteuert hatte, schafften die Sportfr. Obersdorf/Rödgen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte den Sprung in die Bezirksliga. Ein 2:1-Triumph über die SpVg 09 Niederndorf markierte am 10. Mai 1990 den bis dato größten Tag in der Vereinsgeschichte, denn mit der Meisterschaft in der A-Kreisliga Süd erreichten die Kicker vom Rödgen zum allerersten Mal eine Spielklasse auf Verbandsebene. Das Team dominierte die Spielzeit 1989/90 auf allen Ebenen, Obersdorf/Rödgen wurde „Herbstmeister“ (mit jeweils 22:6 Zählern punktgleich mit Germania Mudersbach), war mit 24:4 Punkten auch das stärkste Rückrunden-Team, zudem mit 21:7 Punkten die heimstärkste Mannschaft und mit 25:3 Zählern die Nummer 1 in der Auswärts-Tabelle. Besonders bemerkenswert: Meister Obersdorf/Rödgen blieb in sämtlichen 14 Partien auf des Gegners Platz ungeschlagen! Lediglich in Mudersbach (2:2) sowie bei Borussia Salchendorf und beim VfB Burbach (jeweils 1:1) ließen die Krämer-Schützlinge Punkte liegen. Mit 71 Treffern stellte der Meister zudem den torhungrigsten Angriff, und mit Randolph Schürbusch zählte ein Obersdorfer – gemeinsam mit Frank Filipzik (TSV Siegen), Tom Michel (SG Siegen-Giersberg) und Kai Müller (Germania Mudersbach) – zu einem Quartett, das sich mit jeweils 17 „Buden“ die Krone des Torschützenkönigs teilte.
Es war also nicht irgendein Aufsteiger, der da 1990 in die Bezirksliga drängte, sondern schon ein Team mit „Drive“, Selbstvertrauen und Mut zur Offensive. Letzteres sollte dem Neuling ganz zum Schluss zum Verhängnis werden, doch dazu später mehr.

Vor allem beeindruckten der Aufsteiger mit einem spektakulären Trikotsponsor, denn seinerzeit warb ein in Geisweid ansässiger Edel-Nachtclub auf den Astralkörpern der Obersdorfer Kicker um (männliche) Besucher. „Immer, wenn damals Fotos von unseren Spielen in der Zeitung war, wurde diese Werbung geschwärzt – das war wohl alles ein wenig zu anrüchig“, schmunzelt Bernd Krämer heute, rund 30 Jahre später, in der Erinnerung an diese nette Randnotiz.

Die neue sportliche Umgebung schreckte die Sportfreunde indes überhaupt nicht ab, ganz im Gegenteil: Nach der Hinserie lagen sie mit 19:11 Punkten auf Rang 4 in Lauerstellung hinter dem TuS Erndtebrück, SV Rothemühle (beide 20:10) und dem FC Hilchenbach (19:11). Die Obersdorfer hatten vor allem ihre verblüffende Auswärtsstärke aus der A-Liga in die Bezirksliga mitgebracht, denn auch hier waren sie am Ende mit 21:9 Punkten das Filetstück der Liga. „Sie büßten allerdings ausgerechnet auf heimischem Gelände mehrere Punkte leichtfertig ein“, merkte der langjährige SZ-Sportredakteur und Bezirksliga-Intimkenner Detlef Trautmann in seinem Jahresrückblick zur Saison 1990/91 – mit Recht – kritisch an.

„Diese Saison war ein sensationelles Erlebnis für einen solch kleinen Dorfverein. In der Mannschaft steckte ein großes Potenzial, vor allem aber hatten wir einen unfassbaren Zusammenhalt in der Truppe. Nach den Spielen saßen wir immer in unserer guten Stube in Obersdorf, genannt das Hexenhäuschen, mit allen Spielern, ihren Frauen sowie Vorstandsmitgliedern und Fans zusammen – das ist in dieser Form heute nicht mehr vorstellbar“, erinnert sich Bernd Krämer.
Immerhin acht Mal führte der Neuling aus der Gemeinde Wilnsdorf die Tabelle an, so auch nach dem 29. und vorletzten Spieltag. Das Feld für den großen „Showdown“ war also gerüstet, dramatischer hätte die Saison nicht enden können. Die Sportfreunde Obersdorf/Rödgen führten das 16er-Feld mit 39:19 Punkten vor der SpVg Olpe (38:20) an, die am letzten Spieltag in Obersdorf zu Gast war. Die Ausgangslage war somit klar: Olpe musste gewinnen, während Obersdorf bereits ein Unentschieden zum sofortigen Durchmarsch aus der A-Kreisliga in die Landesliga gereicht hätte.

Vor der tollen Kulisse von weit über 1000 Zuschauern (die Repräsentantinnen des schönen Geschlechts hatten freien Eintritt) legten die Olper los wie die Feuerwehr und führen durch zwei prächtige Fernschüsse von Frank Schieritz (9. und 15.) blitzschnell mit 2:0. Obersdorf schlug jedoch zurück, nach dem 2:2 durch zwei Kopfballtore von Detlef Batschun (36.) und Helmut Stremmel (50.) war die Landesliga gebucht! In der 64. Minute jubelten wieder die Gäste, nachdem Thorsten Feldmann einen von SOR-Spielertrainer Bernd Krämer an ihm selbst verursachten Foulelfmeter zum 2:3 versenkte. „Kaum sechs Minuten später schien der eingewechselte Randolph Schürbusch genau wie im Vorjahr zum Obersdorfer ,Aufstiegsmacher’ zu werden, als er eine schulbuchmäßige Flanke von Stefan Brockfeld zum 3:3 einnickte“, schrieb die Siegener Zeitung in ihrem Artikel vom 27. Mai. Nun also wieder Vorteil Obersdorf!

Doch einen Pfeil hatten die Kreisstädter noch im Köcher, diesen allerdings mit einem bitteren Beigeschmack bestrichen: „Neun Minuten vor Schluss entschied Schiedsrichter Schiweck bei einem eher harmlosen Zweikampf zwischen Obersdorfs Verteidiger Marcus Göbel und Olpes Sturmspitze Ludger Weier zum Entsetzen der Platzherren abermals auf Strafstoß, den wiederum Thorsten Feldmann einnetzte. Was folgte, war ein verzweifelter Sturmlauf der Hausherren, die auch noch einen Treffer durch Randolph Schürbusch schafften, der aber wegen Angriffs auf den Torwart im Fünfmeterraum nicht zählte“, schildert die SZ die atemberaubende Schlussphase, nach der die Olper ihr Glück kaum fassen konnten – schließlich standen sie im gesamten Saisonverlauf nur genau dieses eine Mal an der Tabellenspitze – das nennt man wohl Maßarbeit.

Nach dem Abpfiff konnte sich Olpes „Meistermacher“ Wolfgang Wittemund einen leisen Seitenhieb auf die Platzherren nicht verkneifen: „Warum sind die nach dem 2:2 und 3:3 dermaßen marschiert? Da macht man doch lieber hinten dicht...“
Eine Frage, mit der sich Bernd Krämer zwar beschäftigt hat, die ihm aber keine schlaflosen Nächte bereitete: „Das war ja damals ein taktisches Stilmittel von uns, dass wir schon vorne draufgegangen sind – heute würde man von einem Offensivpressing sprechen. Damit sind wir zwei Jahre lang sehr erfolgreich gewesen. Möglicherweise wäre es sinnvoll gewesen, sich ab einer bestimmten Minute weiter zurückzuziehen, aber ich glaube, dass die damalige Mannschaft das gar nicht gekonnt hätte. Als Spielertrainer ist es auch gar nicht so leicht, in ein solches Spiel taktisch einzugreifen, weil man ja selbst emotional sehr stark beteiligt ist. Bestimmt habe auch ich Fehler gemacht, aber das Meiste würde ich wieder so machen. Auf all meinen Trainerstationen habe ich Menschen kennengelernt, die zu meinen persönlichen Freunden wurden – ich finde, das ist mit das Schönste überhaupt, wenn ich jetzt mit ein wenig Abstand vom Fußball auf 20 Trainerjahre zurückblicke“, sagt Bernd Krämer, der als Ausbilder für Sportreferendare in Siegen, Lüdenscheid und Hagen sowie als Berater im Schulsport für ganz NRW tätig ist. „Das ist ein Traum, denn ich habe mein Hobby Sport zum Beruf machen können“, so Krämer.

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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