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Aber es gibt noch einen Plan C
Absage des Firmenlaufs immer wahrscheinlicher

Aufgrund der Corona-Pandemie stehen der Siegerländer Firmenlaufs sowie der Schülerlaufs vor der Absage.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie stehen der Siegerländer Firmenlaufs sowie der Schülerlaufs vor der Absage.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

fst Siegen. Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus wurden von der Politik am Dienstag dieser Woche gleich zwei wegweisende Entscheidungen getroffen. So hat der Berliner Senat alle Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis zum 24. Oktober untersagt und damit auch das Aus für den am 27. September 2020 geplanten 47. Berlin-Marathon besiegelt. Diese Nachricht werden auch viele Siegerländer Läufer mit großem Bedauern entgegengenommen haben, stehen die 42,195 Kilometer durch die Hauptstadt doch bei vielen heimischen Volksläufern ganz oben auf der „To-Do-Liste“.

Signalwirkung auf künftige Sport-Großveranstaltungen dürfte auch die am vergangenen Dienstag beschlossene Absage des Münchner Oktoberfestes haben, zu dem vom 19. September bis 4.

fst Siegen. Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus wurden von der Politik am Dienstag dieser Woche gleich zwei wegweisende Entscheidungen getroffen. So hat der Berliner Senat alle Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern bis zum 24. Oktober untersagt und damit auch das Aus für den am 27. September 2020 geplanten 47. Berlin-Marathon besiegelt. Diese Nachricht werden auch viele Siegerländer Läufer mit großem Bedauern entgegengenommen haben, stehen die 42,195 Kilometer durch die Hauptstadt doch bei vielen heimischen Volksläufern ganz oben auf der „To-Do-Liste“.

Signalwirkung auf künftige Sport-Großveranstaltungen dürfte auch die am vergangenen Dienstag beschlossene Absage des Münchner Oktoberfestes haben, zu dem vom 19. September bis 4. Oktober über sechs Millionen Besucher aus vielen Ländern erwartet wurden. Von der Entscheidung, ob die „Wiesn“ in diesem Jahr stattfinden, oder nicht, hat auch der Organisator des Siegerländer Volksbank-Schülerlaufs und des Siegerländer AOK-Firmenlaufs, Martin Hoffmann, die Austragung des großen Lauffestes in Siegen mit insgesamt rund 15 000 Teilnehmern abhängig gemacht.

Vor zwei Wochen wurde der Termin der größten Breitensportveranstaltung in Südwestfalen aufgrund der Corona-Krise vorsorglich vom 23. Juni auf den 11. September verschoben – nun stellt sich aufgrund der aktuellen Entwicklung die Frage, ob es in diesem Jahr überhaupt noch einen Schülerlauf oder Firmenlauf geben wird. SZ-Sportredaktionsmitarbeiter Frank Steinseifer sprach mit Firmenlauf-Organisator Martin Hoffmann über die aktuellen Planungen.

SZ: Der Marathon in Berlin und das Oktoberfest sind aufgrund der Corona-Krise abgesagt. Hat Dich die frühe Absage überrascht?
Martin Hoffmann: „Die Ereignisse überschlagen sich ja derzeit. Dass das Oktoberfest abgesagt wird, davon musste man schon als Überlegung ausgehen. Ich hatte aber erst Mitte Juni mit einer Entscheidung gerechnet. Dass das Volksfest jetzt schon so frühzeitig gestrichen wurde, war schon sehr überraschend.“

SZ: An die Austragung des Oktoberfests hattest Du vor zwei Wochen auch das Schicksal des Firmenlaufs geknüpft – kommt damit jetzt auch das Aus in Siegen und damit der erste Ausfall der Veranstaltung in 17 Jahren?
Hoffmann: „Ja, es stimmt, das Oktoberfest war so etwas wie ein Gradmesser. Ob wir den Firmenlauf in der bisherigen Form nicht über die Bühne kriegen, das kann ich aber zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht endgültig sagen. Ich habe in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit dem Hauptsponsor AOK geführt. Der Siegener Firmenlauf ist zwar der größte im Programm, die AOK NordWest ist aber Partner vieler weiterer Firmenläufe, somit betrifft die Entscheidung auch andere Läufe. Bislang sind wir gebunden an die Auflagen, dass Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 aufgrund der Corona-Krise nicht gestattet sind. Es ist mit der AOK besprochen, dass wir die Ministerpräsidentenkonferenz am kommenden Dienstag abwarten. Bei dem Treffen sollen verbindliche Aussagen zum Thema Großveranstaltungen getroffen werden. Also, ab welcher Größe darf der Lauf nicht mehr stattfinden, würde ein Firmenlauf light mit 1000 Teilnehmern noch gestattet, welche Auflagen und auch Sicherheitsabstände hätten wir dann zu erfüllen.“

SZ: Laufen dann bei einem „Siegerländer AOK-Firmenlauf light“ 1000 Firmenmitarbeiter mit Mundschutzmaske durch die Straßen von Siegen?
Hoffmann (lacht): „Das ganz sicher nicht, das wäre ja auch organisatorisch gar nicht umsetzbar und sicher auch ein bisschen lächerlich. Je nachdem wie die Auflagen dann aussehen, müssen wir entscheiden, ob der gesamte Aufwand der Veranstaltung dann noch im Verhältnis steht. Wir haben ja jetzt schon ein 30-seitiges Sicherheitskonzept aufgestellt und dann ist natürlich am Veranstaltungstag die Frage, wer kontrolliert das alles und welche Zahl an Ordnern und Sicherheitskräften wären dann noch zusätzlich nötig.“

SZ: Wenn die Veranstaltung in der bisherigen Form nicht genehmigt und somit abgesagt werden müsste, gibt es dann, nachdem Plan B mit der Terminverschiebung gescheitert ist, noch einen Plan C?
Hoffmann: „Natürlich wird aufgrund der Entwicklungen die Wahrscheinlichkeit des Firmenlaufs in der bisher gewohnten Form immer unwahrscheinlicher. Doch es wird einen Firmenlauf, egal in welcher Form, geben. Wir sind das den vielen Teilnehmern der vergangenen Jahre, den Multiplikatoren in den Firmen die einen tollen Job machen und den Sponsoren schuldig, dass wir uns Alternativen überlegen und die Corona-Krise nicht einfach abwarten und aussitzen. Den Leuten einfach die Absage mitteilen und sagen, ’Lauf fällt aus – Tschüss bis nächstes Jahr’, das wird nicht passieren. Der Grundgedanke des AOK-Firmenlaufs ist ja die Gesundheitsprävention, wir wollen die Leute in Bewegung bringen, da ist die Vorbereitung auf den Lauf, das wöchentliche Laufen, jetzt in Corona-Zeiten leider nur allein oder zu zweit, ein wichtiger Baustein. Der Lauf am Ende ist eigentlich nur noch das i-Tüpfelchen. Plan C ist ein virtueller Firmenlauf: Jeder läuft allein oder auch zu zweit für sein Team, für sein Unternehmen. Die Dokumentation könnte über eine App oder über Fotos laufen, und am Ende würde es auch eine Ergebnisliste, Urkunden und Pokale geben.“

SZ: Nun ist die Entscheidung über den Firmenlauf eine Sache, am 11. September soll aber auch noch der Volksbank-Schülerlauf starten. Ist das überhaupt noch realistisch, die Schulen haben derzeit doch sicherlich andere Sorgen…?
Hoffmann: Auch wenn wir den Schülerlauf noch nicht offiziell abgesagt haben, ist dieser Lauf natürlich noch unwahrscheinlicher. Nach vielen Gesprächen mit den Lehrerinnen und Lehrern wird deutlich, dass auch noch nach den Sommerferien so schnell nicht an einen geregelten Schulbetrieb und gewohnte Abläufe zu denken ist. Aber auch hier haben wir bereits einen Alternativplan erarbeitet: Wenn die Schüler nicht zum Schülerlauf kommen können, dann kommt der Schülerlauf eben in die Schulen. Im Rahmen des Schulsports können wir dann die Schüler zum Sport und zur Bewegung bringen, denn das ist ja der Grundgedanke: Die Schüler frühzeitig an Bewegung und Sport heranzuführen.“

SZ: Während andere Veranstaltungen wie zum Beispiel KulturPur in der Verantwortung des Kreises Siegen-Wittgenstein liegen, trägst Du im Gegensatz dazu als selbstständiger Unternehmer ganz persönlich das finanzielle Risiko als Organisator von Schülerlauf und Firmenlauf. Wie groß wäre der wirtschaftliche Schaden, wenn die Veranstaltungen aufgrund von Corona nicht stattfinden könnten?
Hoffmann: „Zunächst gilt mein Dank den Sponsoren, die sich bislang allesamt solidarisch erklärt haben. Da ja auch ein Teil der Leistungen in Form von Marketing und Werbung mittels vieler gedruckter Plakate und Flyer erbracht und auch in der Presse für die Veranstaltung geworben wurde, ist ein Teil der Vereinbarungen ja auch schon erfüllt. Ich sage es mal so: Finanziell würde ich mit einem blauen Auge davonkommen. Natürlich habe ich noch Mitarbeiter, die ich bezahlen muss, auch mein Auszubildender geht nächste Woche in Kurzarbeit. Sollten jetzt beide Veranstaltungen ausfallen, dann kann ich die Ausgaben noch soeben decken, ich hätte aber unter dem Strich keine Einkünfte und ein ganzes Jahr umsonst gearbeitet.“

Autor:

Frank Steinseifer (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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