Weltmeister spielten 1974 in Siegen
Als "Fips" Schlemper den Sepp düpierte...

Ein unvergessliches Spiel vor einer überragenden Zuschauerkulisse von rund 25000 Schaulustigen bestritt diese Siegerland-Auswahl am 3. Oktober 1982 im Siegener Leimbach-Stadion gegen die deutsche Weltmeisterelf von 1974. Das Bild zeigt (hinten von links) Trainer Herbert Schäfer, Günter Thielmann, Gerd Hinnenkamp, Michael Zechel, Gerhard Scholtyschik, Robert Schick, Ralf Schindler, Bernd Halbach, Otmar Becker, Werner Strunk, Bernd Brodbek, Arno Friedrich sowie (vorne von links) Friedhelm Schlemper, Wolfgang
Schlickau, Klaus Köhler, Gunter Ostehr, Walter Jung, Masseur Erhard Keßler und Willi Groos.
  • Ein unvergessliches Spiel vor einer überragenden Zuschauerkulisse von rund 25000 Schaulustigen bestritt diese Siegerland-Auswahl am 3. Oktober 1982 im Siegener Leimbach-Stadion gegen die deutsche Weltmeisterelf von 1974. Das Bild zeigt (hinten von links) Trainer Herbert Schäfer, Günter Thielmann, Gerd Hinnenkamp, Michael Zechel, Gerhard Scholtyschik, Robert Schick, Ralf Schindler, Bernd Halbach, Otmar Becker, Werner Strunk, Bernd Brodbek, Arno Friedrich sowie (vorne von links) Friedhelm Schlemper, Wolfgang
    Schlickau, Klaus Köhler, Gunter Ostehr, Walter Jung, Masseur Erhard Keßler und Willi Groos.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Siegen. Da schaute er dann doch erst mal sparsam aus der Wäsche, der „Maier-Sepp“: Gerade mal 150 Sekunden waren am 3. Oktober 1982 im Siegener Leimbach-Stadion gespielt, als der für den damaligen Verbandsligisten VfL Klafeld-Geisweid spielende Friedhelm „Fips“ Schlemper ein Missverständnis zwischen Maier und Herbert „Hacki“ Wimmer eiskalt bestrafte und die Siegerland-Auswahl mit 1:0 in Führung brachte.

Und das immerhin gegen die deutsche Weltmeister-Mannschaft von 1974, die im hoch dramatischen Finale von München das holländische Team um Superstar Johan Cruyff mit 2:1 niedergerungen hatte. Zur Erinnerung: In jenem WM-Endspiel am 7. Juli 1974 hatte Sepp Maier ebenfalls schon sehr früh hinter sich greifen müssen, als Johan Neeskens einen Foulelfmeter in der 2. Minute zum 1:0 für die Gäste aus den Niederlanden einwuchtete.

Thielmann: "Nur eine Momentaufnahme..."

Und nun schon wieder? Ein Dejavu-Erlebnis der besonderen Art. Nicht Neeskens diesmal, sondern der kleine, aber ungemein trickreiche und schlitzohrige „Fips“ Schlemper, der in der Jugend des VfB 07 Weidenau begonnen und in den 80er Jahren in Diensten der Klafelder „Fürsten“ so manchem Verbandsliga-Rauhbein Knoten in die Beine gespielt hatte. Die rund 25 000 Zuschauer wussten nicht so recht, was sie davon halten sollten, Günter Thielmann freilich schon: „Naja, das war nur eine Momentaufnahme“, schmunzelt der mittlerweile 72-jährige Geisweider, der damals, mit 35 Jahren, bereits ins Trainergeschäft eingestiegen war und mit der SpVg 09 Niederndorf in der Landesliga unterwegs war. „Es war ein schöner Moment, aber auf der anderen Seite standen ja so viele Weltklasse-Fußballer, das uns allen klar war, dass es bei diesem 1:0 nicht bleiben würde.“

Thielmann verbindet auch heute, knapp 38 Jahre später, „nur schöne Erinnerungen“ mit diesem Freundschaftsspiel – auch und vor allem auf Grund prägender Erfahrungen: „Zunächst mal hatte ich mich schon im Vorfeld sehr darauf gefreut, Wolfgang Overath nochmal zu sehen. Ich hatte ihn 1973 kennengelernt, als ich noch für die Sportfreunde Siegen in der Regionalliga spielte. Dieter Mietz hat uns damals miteinander bekannt gemacht. Wir sind uns dann über die Jahre immer mal wieder begegnet, so dass ich froh war, ihn in Siegen wiederzusehen“, berichtet Thielmann, der 2008 „nach einer sehr schönen Zeit mit den A-Junioren der Sportfreunde“ seine Trainer-Laufbahn beendet hat.
Wie von Günter Thielmann befürchtet (oder erwartet), zogen die Weltmeister von 1974 nach dem frühen Gegentreffer die Zügel tüchtig an und rückten die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen des Leimbach-Stadions alsbald zurecht. Der an jenem Tag kaum zu stoppende Günter Netzer (2) und Frankfurt-Ikone Jürgen Grabowski zauberten aus dem blitzschnellen 0:1 bis zur Pause ein 3:1 für die teilweise schon ein wenig in die Jahre gekommenen Nationalspieler, die am Ende sogar zweistellig siegten – mit 10:2.

Sepp Maier die Fußballschuhe geliehen

Das zweite einschneidende Erlebnis für Günter Thielmann war eine Kabinenbegegnung mit Sepp Maier: „Er hatte seine Schuhe vergessen. Glücklicherweise hatte ich zwei Paar dabei, so dass ich ihm eines abgeben konnte“, lächelt Thielmann, der an diesem Tag auch sein „Erweckungserlebnis“ als Bundesliga-Fan hatte.

„Als linker Verteidiger spielte ich gegen Uli Hoeneß. Ich habe ihn nicht weg gegrätscht, dafür ließ er mich laufen, wenn ich mich mal offensiv einschalten wollte. Er hat mir nach dem Spiel gesagt, dass wir in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt hätten und für ihn sogar die bessere Mannschaft gewesen seien. Ich habe ihm dann verraten, dass wir mit Gerhard Scholtyschik, Gunter Ostehr, Bernd Brodbek, Werner Strunk, Arno Friedrich und mir immerhin fünf Leute dabei hatten, die früher in der Regionalliga gespielt haben – ein Lob aus solch berufenem Munde fand ich aber in jedem Falle sehr bemerkenswert“, erinnert sich Thielmann, der auch beim abendlichen Empfang in der Klause der Siegerlandhalle noch einige Worte mit dem Bayern-Stürmer wechselte. „Uli war einer von nur drei WM-Spielern, die der späten Einladung gefolgt waren. Wir haben uns sehr nett und freundschaftlich unterhalten, an diesem Abend bin ich zum Fan des FC Bayern geworden.“

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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