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Thorsten Beewen arbeitet nun für RB Leipzig
Aus dem Leimbachtal in die Königsklasse

Das Bild zeigt den früheren SFS-Mitarbeiter Thorsten Beewen im Presseraum der RB-Akademie vor einem großen Foto aus der
Red-Bull-Arena. Der Siegerländer arbeitet seit 2018 für den Champions-League-Klub RB Leipzig. Nach einer Oberschenkelamputation trägt der 53-Jährige eine Prothese.
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  • Das Bild zeigt den früheren SFS-Mitarbeiter Thorsten Beewen im Presseraum der RB-Akademie vor einem großen Foto aus der
    Red-Bull-Arena. Der Siegerländer arbeitet seit 2018 für den Champions-League-Klub RB Leipzig. Nach einer Oberschenkelamputation trägt der 53-Jährige eine Prothese.
  • Foto: RB Leipzig
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Leipzig. RB Leipzig polarisiert wie kaum ein anderer Fußball-Klub in Deutschland. Doch egal, wie man zu dem jungen, erst 2009 gegründeten Verein steht: Die rasante sportliche Entwicklung ist beeindruckend. Trotz der kurzen Bundesliga-Zugehörigkeit (seit 2016) gehört „RasenBallsport Leipzig“, so der offizielle Name des Klubs, bereits zur Beletage des Oberhauses. Und nicht nur das! Auch international sorg(t)en die Sachsen für Furore. In der Champions League katapultierten sich die „Roten Bullen“ in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale. Und kürzlich erst zogen Neymar und Mbappé mit Paris Saint-Germain den Kürzeren gegen die Messestädter. Zu den Mosaiksteinen des Leipziger Erfolgskonstrukts gehören auch zwei Siegerländer.

ubau Leipzig. RB Leipzig polarisiert wie kaum ein anderer Fußball-Klub in Deutschland. Doch egal, wie man zu dem jungen, erst 2009 gegründeten Verein steht: Die rasante sportliche Entwicklung ist beeindruckend. Trotz der kurzen Bundesliga-Zugehörigkeit (seit 2016) gehört „RasenBallsport Leipzig“, so der offizielle Name des Klubs, bereits zur Beletage des Oberhauses. Und nicht nur das! Auch international sorg(t)en die Sachsen für Furore. In der Champions League katapultierten sich die „Roten Bullen“ in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale. Und kürzlich erst zogen Neymar und Mbappé mit Paris Saint-Germain den Kürzeren gegen die Messestädter. Zu den Mosaiksteinen des Leipziger Erfolgskonstrukts gehören auch zwei Siegerländer. Während der aus Bürbach stammende Co-Trainer Moritz Volz Chefcoach Julian Nagelsmann mit Rat und Tat unterstützt, leistet Thorsten Beewen im Hintergrund wertvolle Arbeit. Der Siegener ist seit 2018 im Ticketing-Team von RB Leipzig tätig.
In der heimischen Region ist Beewen durch seine Arbeit bei den Sportfreunden Siegen vielen noch in (guter) Erinnerung. Lange Jahre war er ehrenamtlicher und später dann hauptberuflicher Mitarbeiter in der SFS-Geschäftsstelle und kümmerte sich mit großem Engagement um den Internetauftritt, Ticketing, Sportverwaltung sowie die Pressearbeit der Leimbachtaler.

Zehn Jahre in Diensten des FC Ingolstadt

Dass auf Beewen Verlass ist und er in seinem Tätigkeitsbereich gewissenhafte Arbeit abliefert, war auch dem damaligen Sportlichen Leiter der Sportfreunde, Harald Gärtner, nicht verborgen geblieben. Nachdem dieser beim FC Ingolstadt angeheuert hatte, lotste er Beewen 2008 in die Audi-Stadt. „Das war damals definitiv der richtige Schritt. Ich wollte unbedingt im Sport-Business bleiben – aber da gibt es nun mal nicht so viele Möglichkeiten. Also habe ich zugesagt, als die Anfrage kam“, erzählt Beewen rückblickend.
Bei den Oberbayern erlebte er – wie zuvor bei den Sportfreunden – bewegte und bewegende Zeiten. Sportlicher Höhepunkt war der Aufstieg in die 1. Bundesliga 2015. „Das war natürlich ein Highlight“, so Beewen. „Aber die Begeisterung damals in Siegen, als wir in die 2. Liga aufgestiegen sind, war noch größer. Das habe ich auch viel intensiver mitbekommen, weil ich da noch näher an der Mannschaft dran war als in Ingolstadt“, erzählt Beewen, der sein Wirken beim FCI jedoch auf keinen Fall missen möchte. „Ich habe dort die Zeit genossen – zum einen weil ich mich dort beruflich weiterentwickelt habe, zum anderen aufgrund der hohen Lebensqualität, die man in Bayern nun mal hat.“ Fast auf den Tag genau zehn Jahre arbeitete Beewen für den FC Ingolstadt.

"Macht mich stolz, für so einen Verein arbeiten zu dürfen"

Im April 2018 erhielt er dann – völlig unerwartet – einen Anruf vom damaligen Leiter Ticketing/Service des Champions-League-Klubs RB Leipzig. Dieser fragte Beewen, ob er sich einen Wechsel zu RasenBallsport vorstellen könne. Konnte er. Natürlich. „Wenn die 1. Bundesliga lockt, noch dazu ein Verein mit so großem Potenzial wie RB Leipzig, dann muss man die Chance nutzen. Als Single ist mir die Entscheidung relativ leicht gefallen, nochmal etwas Neues zu beginnen“, sagt Beewen. Sein damaliger Arbeitgeber FC Ingolstadt legte ihm keine Steine in den Weg, wofür er den Verantwortlichen noch heute dankbar ist.
Mit RB Leipzig zog Beewen das große Los. „Das ist einer der Top-Klubs in Deutschland – sowohl sportlich als auch in punkto Organisation. Es macht Spaß und es macht mich auch stolz, für diesen Verein arbeiten zu dürfen“, erklärt Beewen, der bei RB mit seinen 53 „Lenzen“ einer der „Senioren“ ist. In Leipzig, berichtet er, sei alles „ein, zwei Hausnummern größer als in Ingolstadt“, angefangen vom Stadion, über die Stadt bis hin zur Aufmerksamkeit, die der Verein genieße.

Beewen arbeitet als „Systemadministrator Ticketing“

Beewen fungiert bei RB offiziell als „Systemadministrator Ticketing“. Zusammen mit einer Kollegin und einem Kollegen sorgt er auf der technischen Seite dafür, dass Eintrittskarten gekauft werden können. „Wir füttern also das Ticketing-Programm mit den notwendigen Daten und stellen zum Beispiel Preislisten und Veranstaltungen ein“, erläutert Beewen sein Aufgabengebiet.
Durch die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden „Geisterspiele“ wurde das Ticketing-Team vor ganz neue Herausforderungen gestellt. „Dadurch mussten wir uns ein System überlegen, wie unsere Fans, vor allem die Dauerkarten-Inhaber, ihr Geld für die Geisterspiele zurückerhalten. Mit dem Start der neuen Saison wurde es noch spannender, weil täglich neue Informationen aufkamen, ob und wenn ja ab wann wie viele Zuschauer zugelassen werden. Da haben wir die unterschiedlichsten Ideen entwickelt und umgesetzt. Ich finde, dass unsere Mitarbeiter ein richtig gutes Hygienekonzept entwickelt haben und unsere Fans da auch klasse mitgemacht haben. Umso enttäuschter ist man natürlich, wenn dann wieder alles auf Null gestellt wird. Aber die Inzidenzzahlen sind nun mal so hoch, dass die Entscheidung, keine Zuschauer mehr zuzulassen, richtig ist“, sagt Beewen zum Status quo.

RB unterstützt Beewen in der schwersten Zeit seines Lebens bedingungslos

Mittlerweile hat der Siegerländer einen unbefristeten Vertrag bei RB Leipzig. Dafür ist er dem Verein unendlich dankbar – weil ihn die Verantwortlichen von RB in der schwersten Zeit seines Lebens bedingungslos unterstützten.
Rückblick: Am 17. Juni 2019 wurde Beewen über die Notaufnahme ins Uniklinikum Leipzig eingeliefert, weil er keinen Meter mehr gehen konnte. „Ich hatte wahnsinnige Schmerzen“, erinnert er sich. Die bittere Diagnose: ein Gefäßverschluss etwas oberhalb des rechten Knies. Der Grund, so Beewen, könnte ein Entrapment-Syndrom gewesen sei. Endgültige Gewissheit gebe es bis heute nicht. Als Folge dessen wurde ihm am 22. Juli 2019 der Unterschenkel abgenommen. Weil die OP-Wunde aber nicht heilte, musste Beewen rund zwei Wochen später auch noch einen Oberschenkel-Amputation über sich ergehen lassen.

"Die Prothese ist etwas, was nun einfach zu mir gehört"

„Im Nachhinein weiß ich, dass die Symptome schon zwei, drei Jahre früher da waren. Bei Rennradtouren kam ich kaum die Berge hoch, da ging mir die Luft aus. Und zudem schlief mir der rechte Fuß immer mal wieder ein. Das habe ich damals auf den Rücken geschoben – der war es aber nicht“, so Beewen, der sich mit seiner neuen Lebenssituation auf bemerkenswerte Weise arrangierte. Kein Wort des Wehklagens kam und kommt über seine Lippen. „Ich war nicht eine Minute in einem Loch. Ich war immer positiv. Endlich wieder ohne Schmerzen zu sein, war und ist ein tolles Gefühl. Die Prothese ist etwas, was nun einfach zu mir gehört. Man zieht das Ding morgens wie eine Hose an und abends wieder aus.“
Seine größte Unterstützerin in der schwierigen Zeit war seine Mutter Monika. Nach der Operation und insgesamt neuneinhalb Wochen im Krankenhaus zog Beewen für zweieinhalb Monate zu ihr nach Werthenbach. Im Siegerland angekommen nahm er Kontakt zur früheren Sportfreunde-Physiotherapeutin Hilde Stein auf. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte. „Die Hilde“, sagt Beewen mit einem Lächeln, „hat mich schnell wieder fit gemacht.“ Das Ziel hatte er stets vor Augen: „Ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Leipzig zurück, um dort meiner Arbeit nachgehen zu können und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Nur drei  Monate nach der Amputation wieder im Büro

Und das ging schneller als gedacht. Der Heilungs- und Gewöhnungsprozess verlief so gut, dass er schon am 11. November 2019, also gerade einmal drei Monate nach der folgenschweren Operation, wieder zurück im Büro war. „Ich wollte dem Verein etwas zurückgeben für die Unterstützung, die ich bekommen habe. Das war mir unheimlich wichtig“, sagt Beewen.
Seinen Alltag meistert er heute ohne größere Probleme. Seine Wohnung im Zentrum West gegenüber der Arena Leipzig, in der die Bundesliga-Handballer des DHfK ihre Heimspiele austragen, ist ausgezeichnet an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. Von dort fährt er mit der Straßenbahn zur RB-Geschäftsstelle. Mittlerweile hat Beewen sogar schon mal ein Laufblade getestet und auf dem Mountainbike einige Runden gedreht. „Läuft also“, sagt er in der ihm eigenen positiven Art und fügt hinzu: „Nach Leipzig zu gehen war der beste Schritt, den ich machen konnte. RB ist ein toller Arbeitgeber.“ Polarisierung hin oder her.

Das Bild zeigt den früheren SFS-Mitarbeiter Thorsten Beewen im Presseraum der RB-Akademie vor einem großen Foto aus der
Red-Bull-Arena. Der Siegerländer arbeitet seit 2018 für den Champions-League-Klub RB Leipzig. Nach einer Oberschenkelamputation trägt der 53-Jährige eine Prothese.
Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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