Sven Michel im großen Interview
„Bayern, BVB, Schalke – das hat schon was“

Der aus Alchen stammende Sven Michel spielt eine der Hauptrollen in der außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte des SC Paderborn. In der kommenden Saison will der schussstarke Offensivspieler auch in der 1. Fußball-Bundesliga Tore erzielen und bejubeln.
  • Der aus Alchen stammende Sven Michel spielt eine der Hauptrollen in der außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte des SC Paderborn. In der kommenden Saison will der schussstarke Offensivspieler auch in der 1. Fußball-Bundesliga Tore erzielen und bejubeln.
  • Foto: imago
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Paderborn. Der Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn war eine der größten Überraschungen im deutschen Profi-Fußball in der vergangenen Saison – und ein Siegerländer war einer der Protagonisten des ostwestfälischen „Fußball-Märchens“. Sven Michel, der schussgewaltige Angreifer aus Alchen, absolvierte 26 Spiele (2168 Einsatz-Minuten) für die Paderstädter. Mit zehn Toren und sieben Vorlagen hatte der „Mann mit der linken Klebe“ erheblichen Anteil am Husarenstreich des SCP, der den Durchmarsch von der 3. Liga in die 1. Bundesliga schaffte. Die SZ sprach mit dem noch 28-Jährigen (am 15 Juli wird er 29) über das „Aufstiegs-Wunder“, den Party-Marathon sowie seine Erwartungen und Hoffnungen für seine Premierensaison in der 1. Bundesliga. – Das Interview im Wortlaut:
SZ: Herr Michel, haben Sie den Akku nach dem Aufstieg und den anschließenden Feierlichkeiten wieder aufgeladen?
Sven Michel: „Ja, ich fühle mich gut und bin wieder voller Tatendrang. Ich bin kürzlich erst aus dem Angel-Urlaub auf Fehmarn mit meinem Vater Gerhard zurückgekommen.“
SZ: Angeln ist ein eher ungewöhnliches Hobby für einen Profi-Fußballer...
Michel: „Für mich ist das ein guter Ausgleich. Da kann ich den Fußball-Trubel vergessen und die Seele baumeln lassen.“
SZ: Trubel ist ein gutes Stichwort: Sie haben eine aufregende Saison hinter sich, die am Ende mit dem Aufstieg ins Fußball-Oberhaus gekrönt wurde. Haben Sie mittlerweile realisiert, künftig in der 1. Bundesliga mit dabei zu sein?
Michel: „Es ist immer noch ein wenig fern und nach wie vor schwer zu begreifen, gegen wen wir in der kommende Saison spielen werden. Aber ich bin natürlich voller Vorfreude.“

"Den hätte ich für komplett verrückt erklärt"

SZ: Was hätten Sie demjenigen geantwortet, der Ihnen vor der vergangenen Saison den Aufstieg prophezeit hätte?
Michel: „Den hätte ich für komplett verrückt erklärt – aber ich hätte das sofort unterschrieben (lacht). Wir waren erst mal froh, in der 2. Liga zu sein. Dass es dann so kommt, damit hätte wirklich niemand gerechnet. Es ist schon ein kleines Fußball-Märchen, das wahr geworden ist.“
SZ: Für Sie und den SC Paderborn war es der zweite Aufstieg in Folge...
Michel: „Richtig! Ich kann es immer noch nicht so recht glauben. Denn ich habe auch schwere Zeiten hinter mir, in denen es nicht so gut gelaufen ist. In vier Jahren bin ich zuvor dreimal abgestiegen – zweimal mit Energie Cottbus (von der 2. Bundesliga bis in die Regionalliga, Anm. d. Red.) und einmal sportlich mit dem SC Paderborn. Da sind wir nur in der 3. Liga geblieben, weil der TSV 1860 München keine Lizenz bekommen hat. So etwas vergisst man nicht. Von daher war es Balsam für meine Seele. Der erste Aufstieg mit Paderborn war schon super, aber der zweite toppt alles.“

"Alle haben auf ein Handy gestarrt"

SZ: Ab welchem Moment haben Sie fest daran geglaubt, es schaffen zu können?
Michel: „Nach dem HSV-Spiel am vorletzten Spieltag (4:1, Anm. d. Red.)! Danach hatten wir den Relegationsplatz schon sicher – das hätten wir sechs Wochen vorher direkt unterschrieben. Aber nun wollten wir natürlich mehr, und ich war überzeugt davon, dass wir jetzt auch den direkten Aufstieg schaffen – zum Glück hat das eine Woche später in Dresden auch geklappt.“
SZ: Bis der Aufstieg tatsächlich perfekt war, mussten Sie aber noch arg zittern. Nach dem Abpfiff des letzten Saisonspiels in Dresden (Paderborn verlor 1:3, Anm. d. Red.) mussten Sie noch bange Minuten überstehen, ehe das Spiel des Kontrahenten Union Berlin in Bochum abgepfiffen wurde. Was ging da in Ihnen vor?
Michel: „Oh je! Das kann man kaum beschreiben. So ein Spiel habe ich noch nie zuvor erlebt. In der 88. Minute bin ich zum Schiedsrichter gegangen und habe ihm gesagt, er soll abpfeifen, da für uns in Dresden nichts mehr ging und ich den Ausgang des Union-Berlin-Spiels mitverfolgen wollte. Wenig später hat er dann abgepfiffen – aber das Spiel von Union in Bochum lief noch. Wir sind dann schnell in die Katakomben gelaufen und haben dort alle auf ein Handy gestarrt. Diese Anspannung – das wünsche ich keinem! Als dann das Spiel in Bochum abgepfiffen wurde, brachen alle Dämme. Der ganze Druck der letzten Wochen fiel ab, die Freude war grenzenlos.“

"Haben ordentlich einen abgebrannt"

SZ: Danach wurde zünftig gefeiert. Das ansonsten eher beschauliche Paderborn stand Kopf. Was ging genau ab?
Michel: „Nach der Rückkehr aus Dresden sind wir am Flughafen von SCP-Fans empfangen worden, dann ging die Party im Stadion weiter. Am nächsten Tag war dann der offizielle Empfang im Rathaus, wo wir uns ins goldene Buch der Stadt eingetragen haben und danach bei richtigem Sauwetter mit den Fans auf dem Balkon gefeiert haben. Am nächsten Morgen ging es dann für zwei Tage nach Mallorca. Wir haben schon ordentlich einen abgebrannt. Die Feierlichkeiten waren eines Bundesliga-Aufsteigers würdig (lacht).“

"Wir sind greifbar, wir sind bodenständig"

SZ: Auf was für einen Verein bzw. auf was für eine Mannschaft darf sich die
1. Bundesliga freuen?

Michel: „Auf einen sehr familiären Verein. Hier ist alles noch recht überschaubar. Wir sind greifbar. Wir sind bodenständig. Wir nehmen uns Zeit für die Fans. Paderborn ist eine andere Welt als Bayern oder Dortmund, da könnten sich die Spieler noch so viel Zeit nehmen, und sie würden doch nicht annähernd jedem gerecht. Ich für meinen Teil versuche, keinem Fan ein Autogramm auszuschlagen. Jetzt gilt es noch – vielleicht will bald keiner mehr ein Autogramm von mir... (lacht).“
SZ: In der vergangenen Zweitliga-Saison standen die Spiele des SCP für Offensiv-Spektakel. Ist das auch in der 1. Liga umsetzbar?
Michel: „Das wird man sehen. Aber bislang war es so, dass wir – egal ob in der
3. oder 2. Liga – immer nach vorne marschiert sind. Man muss abwarten, ob sich dieser Stil auch eine Liga höher umsetzen lässt bzw. umgesetzt werden soll. Aber grundsätzlich sind wir schon offensiv ausgerichtet.“

"80 000 positiv Verrückte in Dortmund"

SZ: Sandhausen war gestern, die nahe Zukunft heißt Bayern und Dortmund. Worauf freuen Sie sich in der 1. Liga am meisten?
Michel: „In erster Linie auf die tollen Atmosphären in den gegnerischen Stadien. Wenn ich daran denke, vor 80 000 positiv Verrückten in Dortmund zu spielen, oder in der Münchner Allianz-Arena und auf Schalke – das hat schon was! Vor solchen Kulissen zu spielen, dafür lebt man doch als Fußballer. Reizvoll ist auch das Wiedersehen mit meinem Ex-Verein Borussia Mönchengladbach. Sich mit den Besten in Deutschland zu messen, ist etwas ganz Besonderes, eine wahnsinnige Herausforderung. Das ist ein Traum, der ohne die großartige Unterstützung meiner Eltern und meiner Frau nicht in Erfüllung gegangen wäre. Sie waren immer mein großer Rückhalt.“
SZ: Ihr Trainer Steffen Baumgart hat unlängst gesagt: Der SC Paderborn ist der Abstiegskandidat Nummer eins. Was spricht dafür, das Unmögliche möglich zu machen?
Michel: „Natürlich sind wir krasser Außenseiter. Aber wir haben keinen Druck. Wir können ganz befreit aufspielen. Wir werden jedenfalls alles dafür tun, um diejenigen, die uns schon vor der Saison abgeschrieben haben, Lügen zu strafen. Und außerdem: Es hatte ja auch keiner damit gerechnet, dass wir den Aufstieg in die1. Liga schaffen...“

"Will die Messlatte so hoch wie möglich legen"

SZ: Was haben Sie sich persönlich für Ihre Premierensaison im Fußball-Oberhaus vorgenommen?
Michel: „Ich will versuchen, an die gute letzte Saison anzuknüpfen und die Messlatte so hoch wie möglich zu legen. Am liebsten möchte ich natürlich auch ein paar Tore schießen – und irgendwie verhindern, dass wir absteigen.“
SZ: Bei all dem Bundesliga-Trubel: Bleibt da noch Zeit für Abstecher ins Siegerland?
Michel: „Auf jeden Fall. An freien Tagen bin ich regelmäßig im Siegerland, zumal auch meine Frau von dort stammt. Und der Kontakt zu den Schelder SuS-Jungs besteht immer noch. Das ist mir auch wichtig. Denn die haben – auch in der schwierigen Zeit – immer zu mir gestanden.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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