Katharina Blach schafft fast 205 Kilometer
Bei sengender Hitze siegt die Vernunft - "Mocki" hilft

Auf der Bahn mit einer Olympia-Teilnehmerin: Sabrina Mockenhaupt-Gregor (links), 45-malige Deutsche Meisterin und Olympia-Fünfzehnte 2004 in Athen über 10 000 Meter, begleitete Katharina Blach (rechts) bei ihrem bemerkenswerten „Herz-Ironman“ für einige Runden auf der Marathon-Strecke.
  • Auf der Bahn mit einer Olympia-Teilnehmerin: Sabrina Mockenhaupt-Gregor (links), 45-malige Deutsche Meisterin und Olympia-Fünfzehnte 2004 in Athen über 10 000 Meter, begleitete Katharina Blach (rechts) bei ihrem bemerkenswerten „Herz-Ironman“ für einige Runden auf der Marathon-Strecke.
  • Foto: Frank Kruppa
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Wilnsdorf. Er hat verschiedene Gesichter und unterschiedliche Namen, aber jede(r) Ausdauersportler(in) kennt ihn: Der Mann mit dem Hammer, der innere Schweinehund – oder eben ein beliebiger Namensvetter. Am Sonntag Nachmittag und am frühen Abend dürften Katharina Blach mehrere dieser Miesmacher erschienen sein, die einem das Aufgeben, das Aufhören nahelegen wollen – und am Ende brachen sie den Willen der bemerkenswerten Persönlichkeit aus der Gemeinde Wilnsdorf.

Vor der Leistung der 25-jährigen Rudersdorferin kann man dennoch nur alle Hüte ziehen. Morgens um 6 Uhr startete sie ihren persönlichen „Herz-Ironman“, mit dem sie Spenden für den herzkranken Daniel (2) sammeln und allgemein auf das wichtige Thema „Organspenden“ aufmerksam machen will.
Nach genau 1:13:39 Stunden hatte die Physiotherapeutin in aller Frühe die exakt 100 Bahnen im Wilgersdorfer Badeweiher bewältigt – das waren bei einer Länge des Weihers von 38 Metern schon mal die ersten 3,8 von insgesamt 226 Kilometern, die „Katha“ sich und ihrem Körper am Sonntag aufbürdete. Dazu muss man wissen, dass Katharina Blach 1994 mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt kam und mit einem Herzschrittmacher lebt.

"Stolz auf Katha, aber auch ängstlich"

Jeder, der selbst Kinder hat, kann sich somit mühelos in die Gefühlswelt ihrer Mutter Susanne Becker-Blach hinein versetzen, die im Wilnsdorfer Wieland-Stadion am Höhwäldchen im Gespräch mit der SZ bekannte: „Ich bin stolz auf Katharina, aber auch ängstlich. Das ist ein Zwiespalt der Gefühle, den ich schon im vorigen Jahr empfunden habe, als sie ihren ersten Ironman in Hamburg absolviert hat. Ich vertraue ihr aber und weiß, dass sie sehr genau in ihren Körpern hineinhören kann. Wichtig für sie ist, dass sie einige ihrer Freunde hier in direkter Nähe bei sich hat. Sie hat sich dieses Ziel gesetzt und will da unbedingt durch.“

Schon auf der 180 Kilometer langen Radstrecke, die Katharina im heimischen Wohnzimmer in Rudersdorf auf der Online-Plattform „Zwift“ hinter sich brachte, hatte sie ihre enormen „Steherqualitäten“ unter Beweis gestellt – nach 6:05 Stunden durfte sie den zweiten Haken hinter ihren „Eisenmann“ setzen. „Wir sind kürzlich gemeinsame Trainingsrunden auf dem Rad bis nach Wissen gefahren. Als Katharina noch ganz klein war, hätte ich nicht gedacht, dass sie mal so sportlich wird – da war ja immer ihre gesundheitliche Vorgeschichte. Gott sei dank hat sich die Medizin in den letzten Jahren stark entwickelt“, erläuterte ihr Vater Armin Blach, früher selbst ein ausgezeichneter Leichtathlet auf der Mittelstrecke, gegenüber der SZ. „Sie ist jetzt kein Kind mehr und muss selbst in sich reinhören, wie weit sie gehen kann.“

"Mocki" lief einige Runden mit - im Kleid

Doch der Ritt durch einen Parcours der Qualen sollte ihr da erst noch bevor stehen: weitere 42,2 Kilometer auf der Laufbahn im Wieland-Stadion. Zur moralischen Unterstützung war auch eine ganz Große des heimischen Laufsports erschienen: Sabrina Mockenhaupt-Gregor, aus Wilgersdorf stammend und mit 45 (!) Deutschen Meisterschaften über 5000 und 10 000 Meter sowie auf der Cross-Strecke ein echtes Aushängeschild des Siegerländer Sports.
„Ich habe Katha vor einiger Zeit persönlich kennengelernt und finde das einfach toll, was sie hier macht. Wie sie als Hauptperson das alles bewältigt, ist enorm – ich hätte das niemals so hinbekommen. Ich mag die Katha ohne Ende und möchte Euch danken, dass Ihr sie alle unterstützt. Bitte denkt daran: Das Thema Organspendeausweis ist sehr, sehr wichtig“, appellierte „Mocki“, die inzwischen mit ihrem Ehemann Kay und Töchterlein Ruby in Metzingen bei Stuttgart lebt, an die exakt 100 Zuschauer im Stadion – mehr waren wegen der Corona-Verordnungen nicht zugelassen.
Und dann, typisch „Mocki“, passierte dies: „Ich laufe gleich mal ’ne Runde mit“, rief die 39-jährige junge Mutter, die aber (natürlich) nicht in Sportkleidung erschienen war, sondern in einem modischen Kleid. Das störte sie freilich nicht! Aus der „einen Runde“ wurden rasch mehrere, Katharina gab das sichtlichen Auftrieb. Als dann auch noch Sabrinas Mutter Hildegard mit ins Rennen einstieg, sah man wieder mal eindrucksvoll die verbindene Wirkung des Sports: Erst wenige Minuten zuvor hatte Hildegard, früher selbst eine überragende Langstreckenläuferin im Siegerland, die 25-jährige Hauptdarstellerin noch lautstark von der Tribüne aus angefeuert: „Go, Katha, go. Die Linsensuppe steht im Kühlschrank...!“ – und nun liefen sie einträchtig nebeneinander her, die „Hilde“, die „Mocki“ und die „Katha“.

Bruder Julius: ein wichtiger Faktor

Ein ganz wichtiger Faktor für Katharina ist auch ihr jüngerer Bruder Julius (23), der ihr immer wieder mit Rat und Tat, aber angesichts der drückenden Hitze auch schon mal mit einem kühlenden Eisbeutel für den Nacken zur Seite stand. „Ich versuche, meiner Schwester bestmöglich zu helfen – sicherlich motivierend, aber ich bremse sie auch ein, wenn ich das Gefühl habe, dass das angebracht ist. Katha ist ein enorm ehrgeiziger Mensch, ein echter Beißer. Aber bei ihrer gesundheitlichen Vita muss sie eben auch vorsichtig sein. Für mich ist ein Triathlon und hier speziell der Ironman das größte sportliche Erlebnis überhaupt – so ein Zieleinlauf mit all seinen großen Emotionen ist einfach überwältigend. Ich bewundere Katha dafür, dass sie das auf sich nimmt, bin aber auch froh, dass ich selbst keinen Ironman absolvieren muss“, erklärte Julius, der sich auch über die große Resonanz freute, die der Vorbericht der SZ erzielte: „Wenn Katha dadurch 3000 neue Organspender gewonnen hat, dann hätte sie ja ihr primäres Ziel erreicht.“

Unterdessen drehte die Rudersdorferin unverdrossen ihre Runden, eine nach der anderen. Bei phasenweise sengender Hitze, ohne ein kühles Lüftchen oder ein wenig Niederschlag von oben. Immer begleitet von einem Tross von Begleitern, der freilich zehn Personen nie überschritt – ganz der Verordnung folgend.

Das Ende kam nach knapp zwölf Stunden

Manchmal musste „Katha“ langsam gehen, dann auch mal komplett für ein paar Sekunden pausieren und zur Ruhe kommen, alles unter den aufmerksamen Augen eines Notarztes, der stets zur Stelle war. Katharinas Miene spiegelte dabei die ganze Palette wider, die Ausdauersportler während eines Marathons durchleben – Schwächephasen, dann wieder Stärke und Zuversicht, auch die schwierige Phase kurz vor der Resignation – und dann aber auch neue Energie und Willenskraft. Alles im steten Wechsel, ein ständiges Auf und Ab positiver und negativer Emotionen.

Nach der Hälfte der veranschlagten Distanz zog Katharina dann die Notbremse: Nach 21 Kilometern, 2:56 Stunden auf der Laufbahn und insgesamt 11:55 Stunden beendete sie ihren „Ironman“. Für uns ist sie, gerade angesichts ihrer gesundheitlichen Verfassung, dennoch eine sportliche Heldin, zumal ihre ureigene Botschaft „pro Organspende“ deutlich angekommen sein sollte. Hut ab, Katha!

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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