Bitte kein Kopfball!

Sammler und Jäger der Sportfreunde-Geschichte(n): Ernst Göckus hat die Highlights im Kopf und auf Papier vorrätig.  <span class="fotohinweis">Foto: hb</span>
  • Sammler und Jäger der Sportfreunde-Geschichte(n): Ernst Göckus hat die Highlights im Kopf und auf Papier vorrätig. <span class="fotohinweis">Foto: hb</span>
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

hb Siegen. In der langen Geschichte der Sportfreunde Siegen haben schon immer die Geschehnisse auf und neben dem Platz auch bei den Zuschauern/-innen im steten Wechsel große Begeisterung und helle Empörung auf den Rängen hervorgerufen. Der Wechsel von freudigen und beleidigenden Rufen schallte stets durch das Leimbachstadion und zuvor auch über den alten Stadtplatz auf der Siegener Schemscheid. Oft waren solche Vorgänge nur kleine Episoden, die schnell wieder vergessen wurden.

Dazu dürften sicherlich auch die aktuellen und nicht immer jugendfreien Unmutsbekunden in der „Freunde“-Fanszene gehören, die nicht zuletzt dem Trainer Dominik Dapprich zu schaffen machen (siehe SZ vom 3. Mai). Der Junge aus dem kleinen Fußballdorf Alchen, der sich vor wenigen Jahren „aus freien Stücken“ für den Co-Trainer-Posten des Siegener Regionalliga-Teams beworben hatte, wurde anfangs ob seines Engagements bei der lange Zeit ersten Siegerländer Fußballadresse eher belächelt. Seine Erfolgsserie in Krisenzeiten der Sportfreunde und seine nachhaltigen Vorbereitungen auf die Fußballlehrerprüfung machen gleichwohl deutlich, dass hier ein Trainer im Fußball ganz nach oben will.

Wie es übrigens Dominik Dapprichs früheren Mitbürgern, den beiden Ex-Alchener Kickern Patrick Helmes und Sven Michel, bereits gelungen ist. Ihm bleibt zu wünschen, dass er die derzeit vereinzelt auftauchenden negativen Rufe einigermaßen schadlos übersteht.

Zu den positiven Rufern bei den Sportfreunden gehört dagegen seit Jahr und Tag das jetzige Ältestenratsmitglied Ernst Göckus, das ebenso akribische wie fotografische Gedächtnis des Siegener Traditionsklubs. Der inzwischen 75-jährige Oberstudiendirektor i.R. ist vor allem geistig immer noch für „seine Freunde“ am Ball und erinnerte sich jetzt an den 1. Mai vor 60 Jahren.

An jenem „Tag der Arbeit“ im Jahre 1959 wurde nämlich die SpVg Beckum durch einen 2:1-Sieg vor 10 000 Zuschauern im Siegener Leimbachstadion Westfalenmeister. Die Sportfreunde Siegen waren zuvor in der damaligen Amateur- Oberliga Gruppe 2 Ende der Saison 1958/ 1959 überlegener Meister geworden.

Was dann im weiteren Verlauf der Endrunde um die Westfalenmeisterschaft geschah, schildert Ernst Göckus im wahrsten Sinne des Wortes „haargenau“ so: „Im Spiel gegen Hombruch 09, Deutscher Amateurmeister 1958, brach sich Torwart Werner Steffe den Arm, spielte aber weiter. Auswechslungen waren bekannterweise noch nicht möglich. Eine Woche vor dem Hinspiel in Beckum, Amateur Oberliga Gruppe 1, erlitt Nationalspieler Herbert Schäfer einen Autounfall und musste wegen einer Gehirnerschütterung behandelt werden.“

„Das Spiel in Beckum sahen 8000 Zuschauer. Mittelläufer Herbert Fischdick schied verletzt aus. Beckum gewann mit 2:0, wobei das erste Tor ein direkt verwandelter Eckball war. Beim Rückspiel um die Westfalenmeisterschaft am 1. Mai sahen die Zuschauer bei nasskaltem Wetter, wie zur allgemeinen Überraschung Herbert Schäfer wieder auflief. Er konnte jedoch keinen einzigen Kopfball riskieren. Auch Gerhard Neuser und Verteidiger Heinz Kirsch gingen angeschlagen in dieses Spiel. Paul Haase spielte Mittelläufer und entwickelte sich zum besten Mann auf dem Platz. Nach torloser erster Halbzeit erzielte Manfred Bald auf Zuspiel von Neuser das vielumjubelte 1:0. Jedoch glich Beckum kurze Zeit später aus. Siegen ging nun volles Risiko, und Paul Haase wechselte in den Sturm. Wenig später fiel das Siegtor der Beckumer, welche mit mindestens 1000 Anhängern angereist waren.“

Soweit der Original-Ton Göckus zu einem Ereignis, das sicher im Gegensatz zu den aktuellen Sportfreunde-Spielen im Leimbachstadion zu Recht so nachhaltig in guter Erinnerung geblieben ist. In der anschließender Qualifikationsrunde zum Aufstieg in den bezahlten Fußball, damals 2. Liga West (die Regionalliga kam erst 1963), erreichte die SpVg Beckum ihr Ziel übrigens nicht. Dies schafften die Sportfreunde Siegen dann zwei Jahre später mit Herbert Schäfer als neuem Trainer.

Autor:

Dr. Horst Bach (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.