SZ

IG Schiedsrichter ruft zum Streik auf
Bleibt die Pfeife Sonntag stumm?

Referees sind auf den deutschen Fußballplätzen immer wieder verbalen Anfeindungen und teilweise sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt. Die IG Schiedsrichter sieht in einem Streik das letzte Mittel, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen.
  • Referees sind auf den deutschen Fußballplätzen immer wieder verbalen Anfeindungen und teilweise sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt. Die IG Schiedsrichter sieht in einem Streik das letzte Mittel, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen.
  • Foto: imago
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

pm Siegen. Am 13. März zeigte der Amateurfußball wieder sein hässlichstes Gesicht, diesmal direkt vor unserer Haustür. Beim B-Kreisliga-Spiel zwischen Gurbetspor Burbach und dem SSV Sohlbach-Buchen wurde der Schiedsrichter nach einem Elfmeterpfiff zu Gunsten der Hausherren von einem Gäste-Spieler körperlich angegangen und sah sich schließlich gezwungen, die Partie vorzeitig abzubrechen. Mit einer 2:0-Wertung für Gurbetspor und einer zweijährigen Sperre für den Übeltäter in Reihen des SSV ist der Vorfall sportgerichtlich erledigt, doch deutschlandweit wiederholen sich Angriffe wie dieser ständig und eine nachhaltige Wirkung der ausgesprochenen Strafen ist nicht erkennbar.

pm Siegen. Am 13. März zeigte der Amateurfußball wieder sein hässlichstes Gesicht, diesmal direkt vor unserer Haustür. Beim B-Kreisliga-Spiel zwischen Gurbetspor Burbach und dem SSV Sohlbach-Buchen wurde der Schiedsrichter nach einem Elfmeterpfiff zu Gunsten der Hausherren von einem Gäste-Spieler körperlich angegangen und sah sich schließlich gezwungen, die Partie vorzeitig abzubrechen. Mit einer 2:0-Wertung für Gurbetspor und einer zweijährigen Sperre für den Übeltäter in Reihen des SSV ist der Vorfall sportgerichtlich erledigt, doch deutschlandweit wiederholen sich Angriffe wie dieser ständig und eine nachhaltige Wirkung der ausgesprochenen Strafen ist nicht erkennbar.

Natürlich nicht nur, aber eben auch deshalb verringert sich die Zahl der Unparteiischen Jahr für Jahr, können zahlreiche Partien in den unteren Klassen mittlerweile nicht mehr mit offiziellen „Schiris“ besetzt werden. Um auf die Missstände rund um den häufig undankbaren Job mit der Pfeife aufmerksam zu machen, fordert die Interessengemeinschaft (IG) Schiedsrichter nun für das kommende Wochenende für das kommende Wochenende zur Umsetzung des letzten Mittels auf: eines deutschlandweiten Streiks.

"Es ist absolut an der Zeit, dass sich Schiedsrichter gegen Gewalt zur Wehr setzen und für einen Tag die Pfeife ruhen lassen."
IG Schiedsrichter
in ihrem Streik-Aufruf

„Es ist absolut an der Zeit, dass sich Schiedsrichter gegen Gewalt zur Wehr setzen und für einen Tag die Pfeife ruhen lassen. Nur so kapieren es auch die Letzten und setzen sich für uns ein“, heißt es in einer am Muttertag veröffentlichten Pressemitteilung, die neben den Fußballverbänden auch großen Medienhäusern wie dem ZDF oder der Deutschen Presse-Agentur zugeleitet wurde. Für reichlich Aufmerksamkeit ist damit schon gesorgt, doch drohen am Sonntag tatsächlich Tausende Fußballer vergeblich auf den angesetzten Unparteiischen zu warten?

Verbände sprechen sich gegen Streik aus

„Da wird nichts kommen“, glaubt Uli Neus, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichterausschusses in Siegen-Wittgenstein und damit Chef der eigentlichen Dachorganisation der heimischen Referees. Die IG Schiedsrichter hingegen ist kein offizielles Gremium, sondern lediglich ein privater Zusammenschluss von Unparteiischen, die vom sächsischen Plauen aus geführt wird.

Die Reichweite und Überzeugungskraft der IG ist dennoch insbesondere in den sozialen Medien mit u.a. fast 18 0000 Facebook-Abonnenten nicht zu unterschätzen. Die Verbände nehmen die Angelegenheit deshalb ernst und haben teilweise bereits mit eigenen Stellungnahmen reagiert. Während es aus der Stabsstelle Kommunikation des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) auf SZ-Anfrage bislang lediglich heißt, dass das Thema seit Montag auf dem Tisch liege und in der Abstimmung sei, ist beispielsweise der Berliner Fußball-Verband (BFV) schon einen Schritt weiter.

„Der Schiedsrichterausschuss des Berliner Fußball-Verbands unterstützt die Initiative der IG Schiedsrichter nicht“, heißt es auf der BFV-Homepage. Die Verantwortlichen in der Hauptstadt müssen sich nicht zum ersten Mal mit einem solchen Szenario beschäftigen, denn schon im Herbst 2019 setzten Schiedsrichter in Berlin einen Streik in die Tat um. Ähnliche Vorgänge gab es im Fußballkreis Köln sogar schon im April 2000, und so ist den Verbandsverantwortlichen durchaus bewusst, dass der zusammen mit dem Streikaufruf veröffentlichte Forderungskatalog der IG Schiedsrichter für mehr Schutz und Unterstützung seine Daseinsberechtigung hat. Der BFV positioniert sich deshalb „eindeutig und klar für jegliche Ansinnen der Prävention von Gewalt aller Art, insbesondere gegen Schiedsrichter:innen, auf den Fußballplätzen der Republik“, heißt es.

Spielbetrieb soll sichergestellt werden

„Dass auf einigen Gebieten Handlungsbedarf besteht, ist klar“, unterstreicht auch der KSA-Vorsitzende Uli Neus, der jedoch ergänzt: „Einige der geforderten Dinge werden bei uns im Verband schon umgesetzt.“ Das sieht auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als nationale Dachorganisation so. Über die Umsetzung von Wünschen wie Versicherungsschutz und Rechtsschutz sei bei einer Tagung im vergangenen November informiert worden und der DFB-Schiedsrichterausschuss sowie die Projektgruppe „Gewalt gegen Schiedsrichter“ behandelten weitere Punkte des Forderungskataloges bereits regelmäßig, erklärt DFB-Sprecherin Moiken Wolk von der Direktion Amateurfußball und Fußballentwicklung in einem Schreiben an die Landesverbände und fügt mit Blick auf einen drohenden Streik an: „Wir gehen davon aus, dass in eurem Landesverband und in den zugehörigen Bezirken und Kreisen die notwendigen Maßnahmen durch euch getroffen werden, um den Spielbetrieb sicher zu stellen.“

Dass es am Sonntag tatsächlich zu einem flächendeckenden Schiedsrichter-Streik kommt, scheint damit unwahrscheinlich. In ihren Sorgen und Anliegen haben sich die Unparteiischen trotzdem schon jetzt Gehör verschafft. Klar ist: Auf Deutschlands Fußballplätzen muss sich etwas tun, damit der „23. Mann“ nicht ausstirbt, sondern den Respekt erhält, den er verdient. Das hässliche Gesicht des Fußballs vom 13. März sollte sich möglichst nie wieder zeigen.

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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