Weltcups im Kunstturnen abgesagt
Corona-Krise bremst auch die SKV-Turner ein

Philipp Herder hatte durch die Absage der Weltcups keine Chance, auf internationaler Ebene Punkte zu sammeln.
  • Philipp Herder hatte durch die Absage der Weltcups keine Chance, auf internationaler Ebene Punkte zu sammeln.
  • Foto: Verein
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

sz Stuttgart. Der Monat März sollte für die international aktiven Kunstturn-Asse zum ersten Saisonhöhepunkt werden: Weltcups der Mehrkämpfer in Milwaukee/USA, Stuttgart, Birmingham und Tokio, dazu zwei Weltcups an Einzelgeräten in Baku/Aserbaidschan und Doha/Qatar. Alle von besonderer Bedeutung, da sie für die beteiligten Nationen und Turner eine der letzten Möglichkeiten bieten sollten, noch auf den Olympia-Zug nach Tokio aufspringen zu können.

Darunter auch Athleten der Siegerländer Kunstturn-Vereinigung (SKV). Vor allem natürlich aus deutscher Sicht Philipp Herder, schon seit einem Jahrzehnt die Nr. 1 des heimischen Bundesligisten und für die Mehrkampf-Weltcups in Stuttgart und Birmingham fest nominiert. Nach dem nicht überzeugenden Auftritt des Deutschen Mehrkampfmeisters Andreas Toba (TV Wetzgau) bei der ersten Station der Weltcup-Serie in Milwaukee/USA – der Wetzgauer wurde hier Letzter der zwölf vom Internationalen Turnerbund zugelassenen Mehrkämpfer – und der Fußverletzung von Lukas Dauser (TG Saar) ruhten die Hoffnungen des Deutschen Turnerbundes ganz auf dem 27-jährigen Berliner Herder, der sich nach dem Bekunden seiner Trainer in einer ausgezeichneten Form befindet.

„Die Mehrkampf-Serie wäre die beste Möglichkeit für den Deutschen Turnerbund, neben der schon qualifizierten Mannschaft noch einen weiteren Quotenplatz für die Olympischen Turnwettbewerbe zu sichern. Und Philipp Herder mit der Erfahrung aus fünf Weltmeisterschaftsteilnahmen in Folge und seiner bekannten Mehrkampfstärke wäre auch ein aussichtsreicher Kandidat für einen Spitzenplatz gewesen, zumal die Russen und Chinesen offensichtlich ihren Fokus eher auf die Einzelwettbewerbe gelegt hatten“, bedauert SKV-Präsident Reimund Spies die Absage der Wettbewerbe in Stuttgart und Birmingham.

Bei dem Wettbewerb in der englischen Industriemetropole wäre es zu einem bemerkenswerten Auftritt der SKV-Asse auf der internationalen Bühne gekommen: Neben Herder waren auch seine Team-Kollegen Joe Fraser für Großbritannien und Ahmet Önder für die Türkei nominiert.
Letztere können die entfallene Qualifikationschance eher verschmerzen als Herder, sind sie doch als Medaillengewinner der letzten WM in Stuttgart (Fraser mit Gold am Barren und Önder mit Silber an dem gleichen Gerät) schon fest für Tokio nominiert, Fraser wird zudem noch der ebenfalls bereits teilnahmeberechtigten Nationalmannschaft Großbritanniens angehören.
Für Philipp Herder soll immer noch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio die Erfüllung seines Lebenstraums sein, nachdem er 2016 als Ersatzturner für Rio der Janeiro nominiert war, dort aber nicht zum Einsatz kam.

Mit Dario Sissakis muss ein weiterer SKV-Turner auf seinen ersten internationalen Einsatz im Trikot mit dem Bundesadler warten. Sissakis, der seit 2018 für die Siegerländer in der Bundesliga an die Geräte geht, hatte sich beim Qualifikationsturnen Ende 2019 für den Perspektivkader des Deutschen Turnerbundes qualifiziert, und das, obwohl er sich kurz zuvor beim Finale der Deutschen Turnliga noch beim Sprung verletzt hatte. Der 21-jährige Berliner, der figürlich sehr an Marcel Nguyen erinnert, hat seine Stärken vor allem am Boden und am Sprung, aber auch an den anderen Geräten zeigte seine Entwicklung in den letzten beiden Jahren kontinuierlich nach oben. Für den Einzelweltcup in Baku/Aserbaidschan war er vom DTB an allen Geräten nominiert worden, und bei der World Team Challenge, die am kommenden Wochenende zusammen mit dem Weltcup in Stuttgart ausgetragen werden sollte, für eine der beiden deutschen Nationalmannschaften.

Dario Sissakis hat nach seiner Qualifikation in den Bundeskader auch berechtigte Aussichten, in die Sportfördergruppe der Bundespolizei aufgenommen zu werden.

Während der Deutsche Turnerbund die Reise nach Baku vorsorglich absagte, traten viele andere Nationen dort zunächst noch an, eben weil es auch um Qualifikationspunkte für Tokio ging. Darunter auch Großbritannien mit dem seit vier Jahren für die SKV startenden Ringespezialisten Courtney Tulloch. Dieser zeigte sich in guter Form, qualifizierte sich an seinem Spezialgerät, aber auch am Sprung souverän für die Finalwettbewerbe, die dann aber von der aserbaidschanischen Regierung über Nacht abgesagt wurden.

Wie es nun mit der Vergabe der restlichen Plätze für Tokio – immerhin sind noch rund 25 Prozent der vorgesehenen Plätze unbesetzt – weiter gehen wird, das weiß auch im Internationalen Turnerbund derzeit niemand. Auch die Turn-Europameisterschaften, die für die Frauen im April in Paris und die Männer im Mai in Baku stattfinden sollten, wurden mittlerweile verschoben. Auch hier ging es noch um die letzten Olympia-Plätze. In dieser Situation befinden sich viele Sportverbände – nicht nur in Deutschland, sondern in aller Welt.

Autor:

Redaktion Sport aus Siegen

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