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TG Friesen: "Wir fassen es einfach nicht"
Corona-Schutzverordnung bremst tolle Idee aus

Die TG Friesen Klafeld-Geisweid hat Spielgeräte für Familien mit Kindern in der Friesenhalle bereit gestellt. Knapp drei Wochen lang wurde das Angebot gut angenommen, ehe die Corona-Schutzverordnung für das "Aus" sorgte.
  • Die TG Friesen Klafeld-Geisweid hat Spielgeräte für Familien mit Kindern in der Friesenhalle bereit gestellt. Knapp drei Wochen lang wurde das Angebot gut angenommen, ehe die Corona-Schutzverordnung für das "Aus" sorgte.
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  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Geisweid. Am Anfang war die Idee, und die kam sehr gut an: „Wir machen uns große Sorgen um unsere Kinder, die sich nun seit mehreren Monaten – und das schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres – nicht mehr sportlich betätigen können. Diese Sorge treibt uns schon seit längerer Zeit täglich um und lässt uns einfach nicht mehr los“, erläutert Klaus Peter Mühlnikel, Vorstandsvorsitzender der rund 1000 Mitglieder starken TG Friesen Klafeld-Geisweid.

„Die Initiative für das interessante Projekt der TG Friesen ging von der Mutter eines Kinder aus, das an einer unserer vielen Kindergruppen teilnimmt. Die Mutter hat gefragt, ob wir nicht auch etwas für die Kinder tun können, da unsere Online-Sportangebote in der Regel auf Erwachsene ausgerichtet sind“, berichtet Mühlnikel weiter.

krup Geisweid. Am Anfang war die Idee, und die kam sehr gut an: „Wir machen uns große Sorgen um unsere Kinder, die sich nun seit mehreren Monaten – und das schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres – nicht mehr sportlich betätigen können. Diese Sorge treibt uns schon seit längerer Zeit täglich um und lässt uns einfach nicht mehr los“, erläutert Klaus Peter Mühlnikel, Vorstandsvorsitzender der rund 1000 Mitglieder starken TG Friesen Klafeld-Geisweid.

„Die Initiative für das interessante Projekt der TG Friesen ging von der Mutter eines Kinder aus, das an einer unserer vielen Kindergruppen teilnimmt. Die Mutter hat gefragt, ob wir nicht auch etwas für die Kinder tun können, da unsere Online-Sportangebote in der Regel auf Erwachsene ausgerichtet sind“, berichtet Mühlnikel weiter. „Carmen Donath, unsere Abteilungsleiterin Kinderturnen, hat sich sofort bereit erklärt, ein Konzept auszuarbeiten und ehrenamtlich zu organisieren, so dass wir nur noch einen Vorstandsbeschluss brauchten – und schon konnte es losgehen“, so Mühlnikel.

"Sind bestimmt nicht lax"

Beginnend am 13. Januar 2021 hat die Turngemeinde aus dem „Fürstentum“ in der Friesenhalle eine Spiel- und Bewegungsmöglichkeit für Familien mit Kindern unter 14 Jahren angeboten – kostenlos und absolut konform mit der Corona-Schutzverordnung NRW. „Wir waren mit unserem Hygienekonzept schon immer immer überaus gründlich, haben den Sportbetrieb in 2020 schon früh eingestellt, bevor die Politik diesbezügliche Entscheidungen getroffen hat“, stellt Klaus Peter Mühlnikel klar, „dass wir ganz bestimmt nicht lax mit der Thematik Corona umgehen.“

Und so sieht das Angebot der TG Friesen konkret aus: In die Halle darf immer nur eine Familie aus einem Haushalt, stets für 90 Minuten, selbstverständlich unter strenger Einhaltung der Hygieneverordnungen. „Die Teilnehmer desinfizieren sich zu Beginn, gehen also entsprechend sauber an die Spielgeräte, und die Halle wird jedesmal stoßgelüftet, sobald die 90 Minuten vorbei sind. Dann warten wir eine Stunde, bis die nächste Familie rein darf“, erläutert Mühlnikel.

Ganz wichtig dabei: Es handelt sich dabei selbstredend um keine sportlichen Übungsstunden, denn die sind ja bekanntlich schon seit längerer Zeit untersagt. „Wir haben Spielgeräte wie Reifen, Seile und Bälle bereitgestellt, damit Eltern und Kinder sich gemeinsam spielerisch beschäftigen können. Es geht uns einfach nur um freie, unbeschwerte Entfaltung und Bewegung unseres Nachwuchses. Aus meiner Sicht tun wir damit speziell den Kindern etwas Gutes. Der Schutz ist gewährleistet, es besteht null Infektionsrisiko“, sagt Klaus Peter Mühlnikel im Gespräch mit der SZ.

So weit, so gut. Vom 13. Januar bis zum Monatsende wurde das Angebot ausgesprochen rege angenommen. „Wir haben das sieben Tage in der Woche ermöglicht, pro Tag waren bis zu fünf Familien vor Ort. Dabei war die Struktur der Gruppen völlig unterschiedlich, denn es waren auch Großeltern, die ihre Enkelkinder im eigenen Haushalt großziehen, bei uns und haben diese Möglichkeit, ihren Enkeln bei der spielerischen Bewegung zuzusehen, sehr genossen – das hatte alles eine sehr befreiende Wirkung“, schildert der Friesen-Vorstandsvorsitzende seine persönlichen Eindrücke.

"Kinder waren deutlich entspannter"

Diese kann Marie-Luis Krause-Engel, die mit drei ihrer sieben Kinder die Spiel- und Bewegungsstunden des Vereins besucht hat, zu 100 Prozent bestätigen: „Die Kinder konnten sich austoben und ausleben, sie waren nachher deutlich entspannter. Das war ein absolutes Highlight für sie – in etwa so, als wenn man mit ihnen in früheren Zeiten zum Schwimmen oder in einen Freizeitpark gefahren ist. Eine sehr schöne Gelegenheit, um dem tristen und grauen Trott des Alltags mal für 90 Minuten zu entkommen.“
Eine Wendung bekam die Geschichte mit einem stetig wachsenden Interesse in der Öffentlichkeit. Das Ordnungsamt der Stadt Siegen meldete sich am 1. Februar um 16 Uhr via Email bei den „Friesen“ und bat um Einstellung der Spiel- und Bewegungsstunden – „durchaus freundlich im Tonfall, aber auch unmissverständlich in der Intention“, wie Mühlnikel erklärt.

Dies wiederum wollten die „Friesen“ nicht kampflos hinnehmen: Da die „Friesen“ sich bei den Spiel- und Bewegungsstunden „absolut auf der sicheren und richtigen Seite“ sahen, schaltete der Vereinsvorstand nun die politischen Verantwortungs- und Entscheidungsträger ein. „Wir haben uns an Arne Fries gewandt, der sich auch sehr engagiert und interessiert gezeigt hat“, so Mühlnikel.

Doch auch dem Stadtrat für Kultur, Sport, Ordnung und Recht bei der Stadtverwaltung Siegen sind offenkundig die Hände gebunden. Ein Telefonat mit Andrea Milz, der Staatssekretärin für Sport in der NRW-Staatskanzlei, hatte ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg: „Man hat sich immer auf den § 9 der Corona-Schutzverordnung zurückgezogen, der im Land Nordrhein-Westfalen Freizeit- und Individualsport untersagt. Aber wenn ein kleines Mädchen sich ein Seil in die Haare bindet und fröhlich ruft: ,Hallo, ich bin Rapunzel’, dann ist das doch kein Sportbetrieb“, verweist Klaus Peter Mühlnikel auf die „Grauzone“ innerhalb all der Verordnungen.

Fries: "Zwei Herzen in meiner Brust"

„Genau eine solche Grauzone, mit der man sich sozusagen an den Verordnungen vorbei schlängeln könnte, gibt es in diesem Falle nicht, wobei ich durchaus ergänzen möchte: leider“, erläuterte Stadtrat Arne Fries auf Anfrage der Siegener Zeitung. „Der § 9 der Corona-Schutzverordnung untersagt dies und ist auch sehr eindeutig formuliert“, so Fries, der gleichwohl bekennt: „Natürlich schlagen da zwei Herzen in meiner Brust, denn ich treibe ja selbst gerne Sport und fühle mit den vielen sporttreibenden Menschen. Ich finde das Anliegen der TG Friesen sogar gut, und ich kann dem Verein auf keinen Fall unterstellen, grob fahrlässig gehandelt zu haben. Ich hätte Ihnen liebend gerne eine andere Antwort gegeben und wäre sehr froh, wenn wir die Sportstätten wieder öffnen könnten“, ließ Arne Fries im SZ-Gespräch erkennen, dass ihm die Entscheidung alles andere als leicht gefallen ist.

„Es geht uns gar nicht darum, jemanden anzugreifen, das wäre ja auch kontraproduktiv. Wir fassen es einfach nicht, dass die Politik die gesundheitliche Gefährdung unserer Kinder weiterhin billigend in Kauf nimmt, obwohl wir hier ein Konzept entwickelt haben, dass die Gefährdung etwas abschwächen kann und dennoch 100 Prozent Schutz vor einem Infektionsrisiko bietet“, sagt Mühlnikel.

„Die Corona-Schutzverordnung ist ein umfassendes Verbot, und über alledem steht die Minimierung der sozialen Kontakte – in diesen Bereich fällt ja beispielsweise auch die Anreise. Einzige Ausnahme ist der Profisport, der in einer Blase stattfindet. Im Freizeit- und Individualsport liegt tatsächlich alles brach, was natürlich sehr unbefriedigend für uns alle ist. Uns sind aber die Hände gebunden, wir alle müssen uns mit äußerster Disziplin an die Verordnung halten“, sagt Arne Fries.

"Sehen uns nicht als Einzelkämpfer"

„Wir sehen unsere Idee nicht als Einzelkämpfer, sondern ich habe in einer Videokonferenz mit dem VTV Freier Grund, dem TV Jahn Siegen und dem TuS AdH Weidenau drei weitere Turnvereine mit ins Boot genommen – einmal, um mir ein Meinungsbild von Vorstandskollegen*innen einzuholen, zum anderen, weil andere Vereine genau so wie wir von einer solchen Idee profitieren könnten, wenn sie weiterhin verwirklicht werden kann“, so Mühlnikel.

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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