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SZ-Umfrage unter Schalke-Fans:
"Da hatte ich Tränen in den Augen"

 Der FC Schalke 04 muss zum vierten Mal nach 1981, 1983 und 1988 den bitteren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga antreten. Was bedeutet der Abstieg für die Anhänger der "Königsblauen"? Wie sehen sie die Perspektiven? Die SZ hörte sich bei Fans in der Region um.
  • Der FC Schalke 04 muss zum vierten Mal nach 1981, 1983 und 1988 den bitteren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga antreten. Was bedeutet der Abstieg für die Anhänger der "Königsblauen"? Wie sehen sie die Perspektiven? Die SZ hörte sich bei Fans in der Region um.
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ubau/krup Siegen/Bad Berleburg. Lange hatte es sich angedeutet, seit Dienstagabend ist es Gewissheit: Der FC Schalke 04 muss zum vierten Mal nach 1981, 1983 und 1988 den bitteren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga antreten. Traurig ist der Abstieg vor allem für die Anhänger der „Königsblauen“, die im SZ-Verbreitungsgebiet zahlreich vertreten sind. Was bedeutet der Abstieg für die Schalker Anhänger? Wie sehen sie die Perspektiven? Halten sie eine schnelle Rückkehr ins „Oberhaus“ für realistisch? Und wie beurteilen Sie die Ausschreitungen in der Nacht nach der 0:1-Niederlage bei Arminia Bielefeld? Die SZ hörte sich bei Fanclubs und Fans in der Region um.

Torben Dellori (Schriftführer Fanclub Müsse): „Selten war ein Abstieg so verdient.

ubau/krup Siegen/Bad Berleburg. Lange hatte es sich angedeutet, seit Dienstagabend ist es Gewissheit: Der FC Schalke 04 muss zum vierten Mal nach 1981, 1983 und 1988 den bitteren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga antreten. Traurig ist der Abstieg vor allem für die Anhänger der „Königsblauen“, die im SZ-Verbreitungsgebiet zahlreich vertreten sind. Was bedeutet der Abstieg für die Schalker Anhänger? Wie sehen sie die Perspektiven? Halten sie eine schnelle Rückkehr ins „Oberhaus“ für realistisch? Und wie beurteilen Sie die Ausschreitungen in der Nacht nach der 0:1-Niederlage bei Arminia Bielefeld? Die SZ hörte sich bei Fanclubs und Fans in der Region um.

Torben Dellori (Schriftführer Fanclub Müsse): „Selten war ein Abstieg so verdient. Der hatte nichts mit Pech zu tun, sondern resultiert – mit ganz wenigen Ausnahmen – aus einer Nicht-Leistung über die gesamte Saison. Der extreme Niedergang ab der Rückrunde der vergangenen Saison ist schwer zu begreifen. Nach dem Abpfiff in Bielefeld habe ich keine große Leere verspürt, da der Abstieg absehbar war. Ich war ehrlich gesagt froh, dass das Thema nun durch ist. Jetzt haben alle Planungssicherheit. Für die nahe Zukunft sehe ich düster. Mir fehlt die Phantasie, wie wir angesichts der enormen Schuldenlast schnell wieder hochkommen sollen. Da müssen auf allen Ebenen extrem viele gute Entscheidungen in sehr kurzer Zeit getroffen werden. Wir sollten die 2. Liga nicht unterschätzen, da sind einige starke Mannschaften vertreten. Zu den Ausschreitungen am Dienstagabend habe ich eine klare Meinung. Ich habe Verständnis für den Frust der Fans, aber Gewalt geht gar nicht.“

Christian Kleber (Fan aus Ferndorf): „Der Abstieg hat mich überraschend kalt gelassen, da die Bindung zum Verein über Jahre immer weniger geworden ist. Das lag daran, dass es nur noch wenige Konstanten auf Schalke gibt. Es sind Entscheidungen getroffen worden, die nicht nachvollziehbar waren. Ich hoffe, dass der Knall jetzt dazu führt, dass man endlich an den richtigen Stellschrauben dreht und nicht wie in der Vergangenheit irgendwelchen Utopien hinterher rennt. Aber mir fehlt ehrlich gesagt der Glaube, dass sich etwas Grundlegendes ändert. Und klar ist auch: Es wird nicht leicht, direkt wieder hochzukommen. Die 2. Liga wird alles andere als ein Selbstläufer. Für den Verein und die Fans tut mir der Abstieg leid, für die Mannschaft nicht.“

Franziska Menn (Fan aus Helberhausen): „Dieser Abstieg geht mir nahe, weil ich schon als Fünfjährige zum ersten Mal auf Schalke im Stadion war. Man konnte sich schon lange darauf einstellen, aber als Gerald Asamoah gesprochen hat, hatte ich schon Tränen in den Augen. Bei ihm merkt man halt, was ihm dieser Verein bedeutet. Viele andere Spieler verstehen leider nicht, was dieser Abstieg für die Fans und die Region ausmacht. Der Niedergang hat sich für mich allerdings Schritt für Schritt abgezeichnet und wurde u.a. durch die glückliche Vizemeisterschaft 2018 übertüncht. Den sofortigen Wiederaufstieg halte ich für sehr schwer, weil sich gegen Schalke alle Gegner zerreißen werden.
Wir sollten in der 2. Liga auf die vielen jungen Talente aus der Knappenschmiede setzen, allerdings braucht es auch ein paar erfahrene Führungsspieler. Was die Ausschreitungen betrifft, da muss man differenzieren. Schalke hat eine tolle Fan-Basis, dies war nur eine kleine Gruppe. Ich bin persönlich auch enttäuscht und sauer auf die Spieler, aber Gewalt ist komplett drüber und unangebracht. Man muss immer respektvoll bleiben.“

Michael Utsch (1. Vorsitzender Fanclub Blaue Wolke Siegerland): „Der Abstieg hat sich seit langem abgezeichnet. Daher sind die Emotionen in den letzten Wochen und Monaten immer weniger geworden. Nach dem Abpfiff in Bielefeld gab es keine Tränen oder Sonstiges. Stattdessen bin ich in die Küche gegangen und habe die Geschirrspülmaschine ausgeräumt. Das zeigt, dass der Glaube an den Klassenerhalt bei mir nicht mehr da war. In früheren Zeiten hätte ich sicherlich emotionaler reagiert. Dass wir so sang- und klanglos aus der 1. Bundesliga abgestiegen sind, hat schon weh getan. Das Gesamtgefüge hat vorne und hinten nicht gepasst, die Einkaufspolitik im Sommer und speziell auch im Winter war sehr fragwürdig. Für den Verein, die Stadt und die ganze Region ist der Abstieg schon tragisch. Die Fans geben alles für ihren Verein – und zurückbekommen haben wir nichts. Jetzt sollen sie die Saison ordentlich zu Ende spielen und dann auf junge, hungrige Spieler, gerne auch aus der Knappenschmiede, setzen. An den direkten Wiederaufstieg glaube ich nicht, dafür wird der personelle Umbruch zu groß sein. Ich denke eher, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis Schalke wieder in der 1. Liga sein wird.“

Sebastian Schneider (1. Vorsitzender Fanclub Attacke 91 Puderbach): „In den letzten Jahren ist bei unserem FC Schalke 04 viel schief gelaufen, da gab es einiges an Misswirtschaft. Ich hoffe für den Verein, für die Stadt Gelsenkirchen und für uns Fans, dass wir schnellstmöglich aus diesem Loch herauskommen. Das könnte aber gerade vor dem Hintergrund der finanziellen Lage schwierig werden. Was den Kader betrifft, werden wir eine sehr gute Mischung benötigen: Nur mit jungen Spielern aus unserer ausgezeichneten Knappenschmiede wird es wohl nicht klappen, da braucht man einige erfahrene Fußballer, die genau wissen, wie in der 2. Liga gespielt wird, dass dort viel über die Tugenden Physis, Athletik, Kampf und Leidenschaft passiert. Ob das wiederum die Finanzen hergeben, muss man abwarten. Zu den Geschehnissen in der Nacht nach dem Bielefeld-Spiel kann ich nur sagen: das geht nicht. Man darf verbal seinen Frust abbauen und muss Spielern auch schon mal deutlich mitteilen dürfen, was ein solcher Abstieg für die ganze Region bedeutet – aber immer auf eine vernünftige Art und Weise. Körperliche Gewalt verurteile ich, davon sollte man tunlichst Abstand nehmen.“

Heiko Plate (Fan aus Eiserfeld): „Natürlich habe ich am Dienstagabend nach dem Spiel in Bielefeld und dem feststehenden Abstieg ein Tränchen verdrückt. Von Saisonbeginn an war der Wurm drin. Bei vielen Spielern war es Lustlosigkeit pur. Die Einstellung hat gefehlt, ganz zu schweigen von der Identifikation mit dem Verein. Das war in allen Bereichen viel zu wenig. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es nächstes Jahr sofort wieder hochgeht. Es muss nun auf jeden Fall ein großer Umbruch her. So kann und darf es nicht weitergehen.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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