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Sven Michel vom SC Paderborn
"Dank der Vielzahl an Tests ist das Risiko vertretbar"

Der aus Alchen stammende Sven Michel vom Erstligisten SC Paderborn äußert sich im SZ-Interview zur aktuellen Corona-Situation im deutschen Profi-Fußball.
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ubau Paderborn/Siegen.  Bei diesem Thema kochen die Emotionen hoch. Seit Tagen wird in Deutschland kontrovers darüber diskutiert, ob es angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie vertretbar ist, dem Profifußball eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs zuzugestehen. Die Positionen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sowie der Vereine der 1. und 2. Bundesliga sind bekannt. Sie sehnen ein klares Startsignal der Politik herbei, um die Saison doch noch auf Rasen zu Ende zu bringen – und die für viele Klubs (überlebens)wichtige letzte Rate der TV-Gelder einzustreichen. Doch wie denken die Spieler über die Corona-Problematik? Die SZ sprach mit Sven Michel, dem aktuell einzigen Siegerländer Erstliga-Profi.

ubau Paderborn/Siegen.  Bei diesem Thema kochen die Emotionen hoch. Seit Tagen wird in Deutschland kontrovers darüber diskutiert, ob es angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie vertretbar ist, dem Profifußball eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs zuzugestehen. Die Positionen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sowie der Vereine der 1. und 2. Bundesliga sind bekannt. Sie sehnen ein klares Startsignal der Politik herbei, um die Saison doch noch auf Rasen zu Ende zu bringen – und die für viele Klubs (überlebens)wichtige letzte Rate der TV-Gelder einzustreichen. Doch wie denken die Spieler über die Corona-Problematik? Die SZ sprach mit Sven Michel, dem aktuell einzigen Siegerländer Erstliga-Profi. Im Interview bezieht der aus Alchen stammende Angreifer des SC Paderborn Stellung zu Geisterspielen, Gesundheitsrisiken und den neuen „Tönen“ der Bundesliga-Bosse.

SZ: Herr Michel, zuerst die in diesen Tagen wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen?
Sven Michel: „Danke der Nachfrage. Mir geht es super. Ich kann mich nicht beklagen.“

SZ: Mitte März mussten Sie und alle Ihre Mannschaftskameraden in eine 14-tägige häusliche Quarantäne, nachdem Teamkollege Luca Kilian positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden war. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Michel: „Wichtig war in erster Linie, dass Luca schnellstmöglich wieder gesund wird. Ansonsten hatte ich aber keine Probleme, mir die Zeit zu vertreiben. Wir mussten zwar zuhause bleiben, aber zum Glück haben meine Frau und ich einen großen Garten. Das machte es erträglicher. Zudem haben wir die Zeit genutzt, um ein Gewächshaus aufzubauen. Ich war also gut beschäftigt (lacht).“

"Sehr spezielle Atmosphäre bei Geisterspielen"

SZ: Dank eine Ausnahmegenehmigung des NRW-Gesundheitsministeriums hat der SC Paderborn am 6. April den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Wie gestalten sich die Einheiten?
Michel: „Wir haben lange Zeit in Kleingruppen mit sechs Personen trainiert und sind am heutigen Montag nach zwei durchweg negativen Corona-Tests mit Spielern und Betreuern in das Mannschaftstraining zurückgekehrt. Die Spieler teilen sich aber weiterhin in Kleingruppen eine Kabine. Es gelten strenge Hygieneregeln, überall steht Desinfektionsmittel. Seit einigen Tagen wird vor dem Training täglich Fieber gemessen. Zudem bekommen wir mehrere Kontrollfragen zum eigenen Befinden gestellt. Auf dem Platz kommen wir schrittweise in das normale Geschehen zurück.“

SZ: Die Bundesliga hofft auf ein Startsignal der Politik für eine schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Die Fortsetzung der Saison wird – wenn überhaupt – nur mit Spielen ohne Publikum möglich sein. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die geplanten Geisterspiele denken?
Michel: „Nun, ich will so schnell wie möglich wieder auf Platz stehen – am liebsten natürlich vor vollen Rängen. Aber wenn es nun mal die Situation erfordert, dann bestreiten wir eben Geisterspiele – auch wenn das vor allem für die Fans, die nicht mehr ins Stadion kommen dürfen, sehr schade ist. Ich habe schon das ein oder andere Testspiel ohne Zuschauer in einem größeren Stadion gemacht, z.B. in Aachen, Duisburg oder auch in Düsseldorf. Man ruft etwas und hört das Echo – die Atmosphäre ist schon speziell. Andererseits bin ich Profi genug, um das alles auszuschalten und mich auf mein Spiel zu konzentrieren“.

"Für viele ist der Fußball Lebenselixier"

SZ: Was sagen Sie den Kritikern, die der Meinung sind, dass die Saison ausschließlich deshalb fortgesetzt wird, damit die Vereine die letzte Rate der TV-Gelder kassieren?
Michel: „Natürlich brauchen die Vereine das Geld der Fernsehanstalten, das bestreitet niemand. Aber das ist nicht der alleinige Grund. Ein vorzeitiger Abbruch hat aus sportlicher Sicht auch immer einen Beigeschmack für manche Vereine. Und außerdem ist es meiner Meinung nach wichtig, wieder einen ersten Schritt zur Normalität zu gehen. Bis die wieder vollständig hergestellt ist, wird es sicher noch länger dauern. Aber vielen Menschen kann man mit der Bundesliga ein Stück ihres Alltags zurückgeben – auch wenn sie die Spiele nur im Fernsehen schauen können. Für viele ist der Fußball Lebenselixier, denen kann man eine große Freude bereiten, wenn es wieder los geht.“

SZ: Können Sie nachvollziehen, dass sich nicht wenige über die angebliche Sonderrolle der Fußball-Bundesliga aufregen?
Michel: „Das kann ich durchaus nachvollziehen. Andererseits geht es im Profifußball auch um viele tausend Arbeitsplätze, die an der 1. und 2. Bundesliga hängen. Außerdem gibt es Auflagen, die uns schützen und die Gefahr für Ansteckungen deutlich reduzieren.“

„Es geht nur über testen, testen, testen"

SZ: Den Menschen in Deutschland wird mantra-artig vermittelt, sie sollten Abstand von ihren Mitbürgern halten. Der Fußball ist aber eine Vollkontakt-Sportart. Wie passt das zusammen?
Michel: „Es geht nur über testen, testen, testen, um Glaubwürdigkeit herzustellen. Bei jedem von uns wird regelmäßig ein Abstrich gemacht. Und wer positiv getestet wird, ist raus und muss zwei Wochen in Quarantäne. Die Zahlen zeigen, dass der Profifußball keine Testkapazitäten in Anspruch nimmt, die an anderer Stelle dringender gebraucht werden. Wichtig ist, dass wir uns sehr diszipliniert verhalten und die Regeln befolgen.“

SZ: Halten Sie die gesundheitlichen Risiken für vertretbar?
Michel: „Ich denke, die eingeleiteten Maßnahmen der DFL sind richtig. Dank der Vielzahl an Tests ist das Risiko vertretbar.“

"Gesellschaftlichen Konsens herstellen"

SZ: Beim 1. FC Köln wurden zwei Spieler und ein Physiotherapeut positiv getestet. Birger Verstraete sagte, ihm stehe derzeit nicht der Kopf nach Fußball – seine Gesundheit und die seiner Familie und Freundin gehe vor. Er meint, bei einer anonymen Befragung würden sich viele Profis ähnlich äußern. Sehen Sie das ähnlich?
Michel: „Die Gesundheit geht immer vor. Aktuell geht es aber auch um das Überleben von Vereinen und damit des deutschen Profifußballs. Es geht um viele Existenzen, die am Profifußball hängen. Und es geht darum, einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen.“

"Demut tut dem Fußball auf jeden Fall gut"

SZ: Man hat den Eindruck, dass die Corona-Krise den Profifußball zum Reflektieren über sein Image gebracht hat. Plötzlich ist vermehrt von „Demut“, „Gesundungsprozess“ und „mehr Vernunft“ die Rede. Wie denken Sie darüber?
Michel: „Vielleicht steckt in der Krise auch eine Chance für den Profifußball. Ablösesummen und Gehälter sollten durchaus auf den Prüfstand kommen. Demut tut dem Fußball auf jeden Fall gut – aber das gilt für die gesamte Gesellschaft. In diesen Tagen sieht man doch, was wirklich wichtig ist.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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