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Lilian "Lili" Weiken von der JVS
Der große Traum als Antriebsfeder

Lilian Weiken von der Judo-Vereinigung Siegerland (l.) ist eine der besten Ju-Jutsu-Kämpferinnen der Welt. Die 26-Jährige gewann bei der WM 2019 Silber im Einzel und mit dem Team. Für die Zukunft hat „Fighting Lili“ ehrgeizige Ziele.
  • Lilian Weiken von der Judo-Vereinigung Siegerland (l.) ist eine der besten Ju-Jutsu-Kämpferinnen der Welt. Die 26-Jährige gewann bei der WM 2019 Silber im Einzel und mit dem Team. Für die Zukunft hat „Fighting Lili“ ehrgeizige Ziele.
  • Foto: Verein
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Siegen. Der große Traum treibt sie an. Immer und immer wieder. Mal mit ihren Trainingspartnern, mal in Eigenregie. Aber immer im „Vollgas“-Modus, immer mit höchster Motivation. Lilian „Lili“ Weiken kämpft für ihre Ziele – und das buchstäblich. Die 26-Jährige ist eine der besten Ju-Jutsuka der Welt. Die Liste ihrer Erfolge ist lang, aber einer fehlt der Kämpferin von der Judo-Vereinigung Siegerland (JVS) noch: der WM-Sieg. Einmal bei einer Weltmeisterschaft ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, das ist es, was „Fighting Lili“ weiter anspornt.
„Der Eigenantrieb ist sicher eine meiner größten Stärken. Ich habe immer Bock, an mir zu arbeiten.

ubau Siegen. Der große Traum treibt sie an. Immer und immer wieder. Mal mit ihren Trainingspartnern, mal in Eigenregie. Aber immer im „Vollgas“-Modus, immer mit höchster Motivation. Lilian „Lili“ Weiken kämpft für ihre Ziele – und das buchstäblich. Die 26-Jährige ist eine der besten Ju-Jutsuka der Welt. Die Liste ihrer Erfolge ist lang, aber einer fehlt der Kämpferin von der Judo-Vereinigung Siegerland (JVS) noch: der WM-Sieg. Einmal bei einer Weltmeisterschaft ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, das ist es, was „Fighting Lili“ weiter anspornt.
„Der Eigenantrieb ist sicher eine meiner größten Stärken. Ich habe immer Bock, an mir zu arbeiten. Mir macht das Training einfach Riesenspaß“, sagt die in Altenhof aufgewachsene Weiken, die für ihren Sport einen enormen zeitlichen Aufwand betreibt. 19 Stunden in der Woche (!) umfasst das Kraft-, Ausdauer-, Schnelligkeits- und Mattentraining. Hinzu kommen Einheiten mit der Nationalmannschaft an verschiedenen Stützpunkten bzw. Trainingsstätten in Deutschland.
Die harte Trainingsarbeit ist in der Vergangenheit mit zahlreichen Titeln, Triumphen und Medaillen belohnt worden. Neben einer Deutschen Meisterschaft im Jugendbereich (2010) sicherte sich Weiken Gold bei der U-21-DM (2013) sowie vier nationale Meistertitel im Seniorenbereich (2015, 2016, 2017, 2018). Bei der WM 2018 im schwedischen Malmö belegte das mittlerweile in der Siegener Oberstadt lebende Ju-Jutsu-Ass den 5. Platz.

Silber im Einzel und mit dem Team bei der WM 2019

Das vergangene Jahr war das erfolgreichste ihrer Laufbahn. Bei den hochkarätig besetzten Paris Open erreichte sie den 3. Rang. Auch bei der EM in Bukarest gab es zweimal Bronze für sie – im Einzel und mit der Mannschaft.
Ihren größten Erfolg feierte sie im November 2019 bei der WM in Abu Dhabi, wo sie in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm nur hauchdünn an der Goldmedaille „vorbeischrammte“. In einem spannenden und äußerst engen Finale verlor die JVS-Kämpferin gegen die mehrfache Welt- und Europameisterin Juliana Ferreira aus Frankreich denkbar knapp mit einem Punkt. Bitter für Weiken: 20 Sekunden vor Schluss wurde ein klarer „Volltreffer“ von ihr nicht anerkannt – trotz Videobeweis und Protesten. Das wäre der Siegtreffer für die Siegenerin gewesen, die über die gesamte Kampfzeit knapp in Führung lag. Stattdessen erhielt die Französin die Trefferpunkte zuerkannt – und das Duell ging verloren. Letztlich fehlte Weiken, die im „wahren Leben“ an der Uni Siegen den Masters-Studiengang Plurale Ökonomik belegt hat, das Fortune zum ganz großen Coup, sodass sie sich mit Silber begnügen musste. Ebenfalls Platz 2 belegte sie bei der WM mit der deutschen Nationalmannschaft, die nur Frankreich den Vortritt lassen musste.

„Ju-Jutsu ist sehr vielseitig“

Zur Judo-Vereinigung Siegerland kam Weiken im Alter von sieben Jahren – im Schlepptau ihres Bruders Thilo. „Das war ganz praktisch, alleine wäre ich da wohl nicht gelandet“, erzählt „Lili“ schmunzelnd. Zunächst machte sie fünf Jahre lang Judo. „Aber irgendwann fand ich das nicht mehr so spannend“, so Weiken. „Und da ich beim Training auch immer etwas von der Ju-Jutsu-Abteilung mitbekommen habe und das – genauso wie mein Bruder – reizvoll fand, haben wir beide gedacht: Das sieht doch cool aus.“
Gesagt, getan. Fortan versuchten sich „Lili“ und ihr Bruder in dieser Kampfsport-Disziplin, die im Fighting-Bereich Elemente von Karate und Judo beinhaltet. Aber was genau macht den Reiz dieser Sportart für sie aus? „Ju-Jutsu ist sehr vielseitig“, erklärt Weiken. „Schnelligkeit, Technik, Kraft, Ausdauer und ein gutes Körpergefühl“ – all das brauche man, um erfolgreich zu sein. „Es geht darum, den Gegner mit sauberen Techniken fair zu besiegen und nicht ihm weh zu tun. Das gefällt mir“, sagt Weiken, die auch den „gegenseitigen Respekt“, der bei allen japanischen Kampfsportarten eine Grundtugend ist, sehr schätzt.

Dank an Dieter, Andreas und Sabrina Kuhl

Mit der Intensivierung des Trainings stellten sich schnell auch die Erfolge ein – und das obwohl sie durch Auslandsaufenthalte immer wieder eine Zeit lang „raus“ war. In der 11. Klasse war „Lili“ ein halbes Jahr bei einer Gastfamilie in der Bretagne, während des Studiums dann ein Jahr im französischen Aix-en-Provence und ein Jahr im belgischen Gent. „Aber irgendwie“, sagt sie lachend, „bin ich dann immer wieder bei der Judo-Vereinigung Siegerland gelandet. Das ist der richtige Verein mit dem richtigen Umfeld für mich.“
Bei der JVS wurde sie intensiv gefördert. Dafür ist sie dankbar – vor allem ihrem sportlichen „Ziehvater“ Dieter Kuhl sowie dessen Sohn Andreas und seiner Frau Sabrina. Weiken sagt klipp und klar: „Ohne meine zuverlässigen Trainer und Trainingspartner wäre ich längst nicht so weit gekommen.“
Und sie will noch weiter. „Es gibt überall noch Schräubchen zu drehen, um besser zu werden“, sagt die Studentin. „Oftmals sind es Kleinigkeiten im technischen oder taktischen Bereich, aber die können im Wettkampf entscheidend sein.“ Im Part 1, dem Karate-Bereich, sieht sie sich gut aufgestellt. Verbesserungsbedarf sei noch in Part 2 und 3, dem Judo und Judo-Budenkampf, sagen Weiken und Trainer Dieter Kuhl unisono. Deshalb hatte „Lili“ vor der WM 2019 auch drei Monate am Judo-Bundesleistungsstützpunkt in Köln trainiert. Weiken: „Das hat mir auch etwas gebracht, und das will ich auch in Zukunft machen.“

Zwei wichtige Dinge auf der "To-do-Liste"

Apropos Zukunft: Die ist durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch im Ju-Jutsu-Fighting unsicher. Zwar wird bei der JVS seit geraumer Zeit wieder – unter Beachtung der Vorschriften und der Hygieneregeln – trainiert (Weiken: „Dafür bin ich dem Verein sehr dankbar, das Training hat mit wahnsinnig gefehlt“), doch die großen Turniere sind allesamt abgesagt worden. „Das kommt mir nicht ungelegen, so kann ich meine Schulterverletzung in Ruhe auskurieren“, sagt Weiken, die 2021 viel vor hat. Zum einen steht die EM in der Nähe von Tel Aviv in Israel auf ihrer „To-do-Liste“, zum anderen die WM in Abu Dhabi. Und in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate will die Siegenerin diesmal den ganz großen Coup schaffen – vorausgesetzt die Titelkämpfe können überhaupt stattfinden.
Neben dem WM-Triumph hat Weiken noch ein weiteres großes sportliches Ziel: die Teilnahme an den World Games 2022 in Birmingham, Alabama (USA). An den „Olympischen Spielen der nicht-olympischen Sportarten“ dürfen im Ju-Jutsu-Fighting die vier Erstplatzierten der Weltrangliste teilnehmen – derzeit ist Weiken auf Rang 2 gelistet. Diese Platzierung will sie im nächsten Jahr bei WM und EM verteidigen. Dafür wird sie kämpfen – und zwar buchstäblich. Der große Traum treibt sie an.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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