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Para-Eishockey-Team kämpfte um Aufstieg
Der "Herr der Kufen" kommt aus Herdorf

Erich Nassauer aus Herdorf ist schon seit elfeinhalb Jahren als Servicemann für die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft ständig im Einsatz.
  • Erich Nassauer aus Herdorf ist schon seit elfeinhalb Jahren als Servicemann für die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft ständig im Einsatz.
  • Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Herdorf. Die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft hatte der Heim-WM mit großer Vorfreude entgegen gefiebert. Schließlich sollte in der heimischen Umgebung in Berlin-Charlottenburg der Wiederaufstieg in die A-Gruppe gelingen. Dieses Ziel wurde allerdings verpasst, am Ende landete das deutsche Team mit 7 Punkten auf dem 4. Platz. Neben dem souveränen Top-Favoriten aus Russland (15 Punkte), der alle seine Spiele gewann, schaffte auch die Slowakei (11) den Sprung in die A-Gruppe.

Trikot mit der Nummer 80 bekommen
Bewährter Servicemann der deutschen Auswahl war – wie schon seit elfeinhalb Jahren – der Herdorfer Erich Nassauer, der kürzlich seinen 80.

krup Herdorf. Die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft hatte der Heim-WM mit großer Vorfreude entgegen gefiebert. Schließlich sollte in der heimischen Umgebung in Berlin-Charlottenburg der Wiederaufstieg in die A-Gruppe gelingen. Dieses Ziel wurde allerdings verpasst, am Ende landete das deutsche Team mit 7 Punkten auf dem 4. Platz. Neben dem souveränen Top-Favoriten aus Russland (15 Punkte), der alle seine Spiele gewann, schaffte auch die Slowakei (11) den Sprung in die A-Gruppe.

Trikot mit der Nummer 80 bekommen

Bewährter Servicemann der deutschen Auswahl war – wie schon seit elfeinhalb Jahren – der Herdorfer Erich Nassauer, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte und dafür beim Turnier von „seinen“ Nationalspielern ein Trikot mit seinem Namenszug und der Rückennummer 80 als Überraschungsgeschenk erhielt.

„Aus sportlicher Sicht war das Turnier für die deutsche Auswahl ein Reinfall, die Veranstaltung an sich war aber ein großer Erfolg“, urteilte Nassauer. „Es waren viele Zuschauer da, und der Verband hat eine sympathische Werbung für den Behindertensport abgeben können. Auch Schirmherrin Katharina Witt hat für eine positive Außendarstellung gesorgt, sie ist eine ausgesprochen nette und umgängliche Frau“, sagte der Herdorfer über die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 1984 und 1988.

Schlüsselpartie gegen China 1:4 verloren

Als Schlüsselpartie bezeichnete Erich Nassauer das Auftaktspiel gegen China, das mit 1:4 verloren wurde. „Die Chinesen waren technisch ausgesprochen stark, in dieser Hinsicht waren sie uns überlegen. Am Anfang haben wir geschlafen und schnell zwei Gegentore kassiert, doch nach dem 1:3 waren wir stark am Drücker. Das 2:3 wollte aber einfach nicht fallen, wir hatten angesichts von drei Pfosten- oder Lattentreffern allerdings auch eine Menge Pech“, berichtete Nassauer.

Dadurch stand das deutsche Para-Team gehörig unter Druck, denn nur die beiden ersten Teams der B-Weltmeisterschaft schafften den Sprung in die A-Gruppe – für Russland war praktisch ein Platz schon im Vorfeld vergeben, weil diese Mannschaft einfach turmhoch überlegen war. „Ganz ehrlich: Es ist ein Gedicht, was die Russen spielen. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen, sie sind unglaublich aufeinander abgestimmt und haben beeindruckende Spielzüge gezeigt.“ Die Chinesen verloren am Tag nach dem 4:1-Sieg gegen Deutschland mit 1:2 gegen die Slowaken, die dadurch plötzlich alle Trümpfe in der Hand hielten. „Da waren die Chinesen stehend k.o., das Spiel gegen uns hatte sie offensichtlich viel Kraft gekostet“, vermutet Nassauer.

"Jungs haben alles gegeben"

Deutschland wäre bei einem Erfolg gegen die Slowakei wieder im Geschäft gewesen, verlor aber in der Verlängerung mit 1:2. „Da haben wir 1:0 geführt, dann aber eine Sekunde vor Drittelende das 1:1 kassiert, nicht zu fassen. Vielleicht war da ein bisschen der Schlendrian drin, weil wir vorher fünf von sechs Spielen gegen die Slowaken gewonnen hatten“, schätzt Erich Nassauer, der aber sogleich relativiert: „Vorwerfen kann man unseren Jungs nichts, sie haben alles gegeben. Es fehlt aus meiner Sicht etwas an der Tiefe im Kader, aber es ist in Deutschland ja auch unglaublich schwer, an Eiszeiten zu kommen. Während andere Nationen teilweise über fünf Trainingshallen verfügen, wird bei uns eine Eishalle nach der anderen dicht gemacht“, ärgert sich der 80-Jährige, der mit dem Schleifen der Kufen sowie Reparaturarbeiten an den Schlägern und Schlitten permanent ausgelastet war: „Von manchen Spielen habe ich nicht sehr viel gesehen...“, schmunzelt der frühere Fußballer, der in der Hochzeit des SV Struthütten in den 50er und 60er Jahren zu den Leistungsträgern zählte.

Auch das letzte Spiel bei der aktuellen B-Weltmeisterschaft gegen Russland verlor Deutschland erwartungsgemäß (0:10), während man gegen Polen (13:0) und Großbritannien (16:0) zweistellige Siege feierte - die aber letztlich nicht mehr brachten als den eingangs erwähnten 4. Tabellenplatz.

Den verpassten Aufstieg sieht Erich Nassauer mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich habe mich im Vorfeld auch total verrückt gemacht, vielleicht haben sich unsere Jungs selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Doch wenn wir in der A-Klasse nur Prügel gegen die stärksten Nationen der Welt beziehen, ist es vielleicht besser, nochmal in der B-Gruppe zu spielen und zu versuchen, die Mannschaft in allen Bereichen weiter zu verbessern.“ Dazu will auch der Herdorfer als Material-Fachmann weiter beitragen. „Für das Schleifen der Kufen habe ich ein eigenes System entwickelt, da befinden wir uns schon auf Top-Niveau. Aber wir machen einfach weiter, denn die Arbeit mit dem Team macht mir immer noch riesigen Spaß“, bekennt der mit einem außergewöhnlich handwerklichen Geschick ausgestattete Herdorfer.

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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