Weg führte 1998 bis in die 2. Bundesliga
Der Höhenflug der TTG Netphen

Mit diesem Team startete die TTG Netphen 1998 in das „Abenteuer 2. Bundesliga“: Boris Rozenberg, Markus Schipplock, Frank Buschhaus, Henk van Spanje, Martin Biolek, Thomas Keinath und Mohamed Kuschhov (von links).
  • Mit diesem Team startete die TTG Netphen 1998 in das „Abenteuer 2. Bundesliga“: Boris Rozenberg, Markus Schipplock, Frank Buschhaus, Henk van Spanje, Martin Biolek, Thomas Keinath und Mohamed Kuschhov (von links).
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  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Netphen. In der letzten Dekade des vorigen Jahrtausends setzte die Tischtennis-Sportgemeinschaft (TTG) Netphen zu einem beispiellosen Höhenflug an, der den Verein bis in die 2. Bundesliga katapultierte – letztlich aber dauerte der schöne Traum nur ein Jahr, nach der Saison 1998/99 zogen die Johannländer ihre Mannschaft trotz des sportlich gesicherten Klassenerhalts aus der zweithöchsten deutschen Spielklasse aus finanziellen und organisatorischen Gründen zurück.

Die Geschichte der TTG Netphen im besagten Zeitraum ist spannend, spektakulär, liest sich phasenweise wie ein Märchen – und ist doch zugleich ein Paradebeispiel dafür, wie ein Verein am jahrelangen Erfolg und den dadurch wachsenden Erwartungen und Anforderungen zu zerbrechen droht. Angelehnt gewissermaßen an die Ballade „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1797. „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los“, steht es dort geschrieben. 

Unglaubliche Energieleistung von Jörg Borutta

Die sportliche Erfolgsstory der TTG Netphen nimmt so richtig im Jahr 1991 an Fahrt auf, als die 1. Männer-Mannschaft in der Besetzung Paul Vohs, Markus Schipplock, Frank Meinert, Dieter Roth, Michael Hundt und Jörg Borutta als Tabellenzweiter über eine Relegationsrunde erstmals überhaupt in die Verbandsliga aufstieg. Unvergessen bis heute ist dabei die Energieleistung von Jörg Borutta, der im entscheidenden Spiel beim direkten Konkurrenten in Hohenlimburg beim Zwischenstand von 8:7 für Netphen im dritten Satz seines Einzels aus einem 8:17-Rückstand (damals wurde noch bis 21 gespielt) einen 21:19-Erfolg zauberte.

Ein echter Lokalrivale der TTG war in jenen Tagen die DJK TuS 02 Siegen, die den immer besser werdenden Markus Schipplock stark umwarb. Um seine Abwanderung zu verhindern, bemühte man sich in Netphen nach dem Aufstieg um Verstärkungen. So kam mit Martin Biolek (siehe eigene Geschichte) der erste ausländische Profi nach Netphen, ein Jahr später folgte mit Frank Buschhaus der damalige absolute Spitzenspieler und Kreismeister des Siegerlandes.

Bereits 1993 folgte der nächste Aufstieg aus der Verbandsliga in die Oberliga, mit bis zu 100 Zuschauern war man der „Krösus“ der Klasse in diesem Bereich. Mit der Verpflichtung des vielfachen holländischen Nationalspielers Henk van Spanje, mehrmaliger Teilnehmer an Welt- und Europameisterschaften, holte „Manager“ Klaus Hatzig auf Betreiben einer engagierten Fördergruppe einen echten „Kracher“ nach Netphen. Das Oberliga-Spitzenspiel gegen Bergneustadt verfolgten rund 200 Zuschauer, die die kleine Halle auf der Haardt in einen echten „Hexenkessel“ verwandelten.
Den Schwung dieser Euphoriewelle nahmen die Johannländer mit und kletterten 1997 in der Formation Boris Rozenberg, Henk van Spanje, Özcan Sener, Martin Biolek, Frank Buschhaus, Jens Stötzel und Markus Schipplock in die Regionalliga. Das Top-Spiel gegen den TTC Schlebusch sahen sagenhafte 300 Besucher, zum Rückspiel nach Düsseldorf fuhren über 100 Fans aus Netphen und Umgebung, u. a. in zwei Reisebussen.

Nach dem Aufstieg in die Regionalliga kam mit Andreas Fejer-Konnert ein weiterer Akteur mit besten Referenzen nach Netphen, 1997 war er Deutscher Meister im Mixed. Er brachte seinen Vetter Ferencz mit ins Siegerland. Beides lizensierte Tischtennis-Trainer, sie sollten neben der 1. Mannschaft auch die Jugendarbeit im Verein wieder nach vorn bringen.

Meister Bergneustadt mit 9:2 abgefertigt

Auch in der Regionalliga war die TTG Netphen nicht aufzuhalten. Mit einem überragenden 9:2-Heimsieg gegen den bereits als Meister feststehenden TTC Bergneustadt wurde der 2. Platz gefestigt und im nächsten Match bei den Naturfreunden aus Rheydt gesichert. Nach großem Kampf, der über mehrere Stunden andauerte, sicherte Frank Buschhaus durch seinen zweiten Einzelsieg den 8. und entscheidenden Punkt. Markus Schipplock schloss wenig später mit seinem Erfolg zum 9:6-Endstand eine großartige Saison aus Sicht der TTG Netphen ab.

Der Start in die erste (und einzige) Zweitliga-Saison verlief gleichfalls wie im Bilderbuch: Die ersten beiden Partien gegen Borussia Dortmund (9:4) und beim SV Eintracht Fallingbostel (9:5) gewannen die Siegerländer, am 3. Spieltag gab es ein 8:8 gegen den Polizei-SV Oberhausen. Erst danach musste man die ersten Niederlagen quittieren (6:9 beim Mitaufsteiger Bergneustadt, 5:9 gegen den BSV Eintracht Leer), ein 8:8 beim SV Werder Bremen und ein 9:4-Sieg beim VfL Salder führten die Johanländer aber wieder in die Erfolgsspur zurück. Nach zwei abschließenden Niederlagen (7:9 bei Hertha BSC Berlin und 1:9 bei TTG RS Hoengen) fiel die Hinrunden-Bilanz mit 8:10 Punkten und 62:65 Spielen durchaus moderat aus.

Am Ende auf Rang 6 sportlich gerettet

Auch die Rückserie absolvierte Netphen mit 6:12 Punkten im „grünen Bereich“, nach der abschließenden 3:9-Heimniederlage gegen den Meister und Erstliga-Aufsteiger TTG Hoengen am 17. April 1999 belegten die Siegerländer mit 14:22 Punkten und 118:130 Spielen den 6. Rang hinter Hoengen (34:2 Zähler), Eintracht Leer (32:4), TTC Bergneustadt (26:10), Borussia Dortmund (17:19), Hertha BSC Berlin (15:21) und vor dem Polizei-SV Oberhausen (14:22), Eintracht Fallingbostel (14:22), Werder Bremen (13:23) und dem VfL Salder (1:35) und hätten damit sportlich den Klassenerhalt geschafft – dann aber folgte der freiwillige Rückzug. Apropos „Rückzug“: Die Siegener Zeitung überschrieb ihren Spielbericht zum letzten Zweitliga-Match der TTG mit den Worten „Henk van Spanje zum Karriereende in Topform“ – jenes Ende der Laufbahn stellte sich aber letztlich als doch nicht ganz so endgültig heraus.

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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