Katharina Blach dankt auch "Mocki"
"Der Kopf sagte ja - aber das Herz warnte"

Das war am Sonntagnachmittag zweifellos einer der schönsten emotionalen Momente für Katharina Blach (vorne rechts), als sich die 45-fache Deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt-Gregor und deren Mutter Hildegard Mockenhaupt (vorne v. l.) ihrem „Herz-Triathlon“ für den herzkranken Daniel ganz spontan anschlossen.
  • Das war am Sonntagnachmittag zweifellos einer der schönsten emotionalen Momente für Katharina Blach (vorne rechts), als sich die 45-fache Deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt-Gregor und deren Mutter Hildegard Mockenhaupt (vorne v. l.) ihrem „Herz-Triathlon“ für den herzkranken Daniel ganz spontan anschlossen.
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krup Wilnsdorf. Bei ihrem persönlichen „Herz-Triathlon“, bei dem sie Spenden für den herzkranken Daniel (2) sammeln und intensiv auf das Thema „Organspendeausweis“ aufmerksam machen wollte, ging Katharina Blach bis hart an und phasenweise sogar über ihre Grenzen – die 25-jährige Rudersdorferin, die mit einem angeborenen Herzfehler und einem Herzschrittmacher lebt, musste am Sonntag in Wilnsdorf ihren geplanten Ironman über 226 Kilometer nach etwa 205 km abbrechen, da ihr Herz ihr die entsprechenden Warnsignale schickte. Am Montagnachmittag gegen 15 Uhr stellte sich sich in einem knapp 40-minütigen Interview aber schon wieder gut gelaunt und frohen Mutes den folgenden Fragen der Siegener Zeitung:

Hallo Katha, wie geht es Dir heute? Du hast doch in der Nacht von Sonntag auf Montag bestimmt geschlafen wie ein Stein, oder?

Danke, mir geht es gut. Geschlafen habe ich allerdings sehr schlecht, äußerst unruhig und mit vielen Unterbrechungen. Das ist bei mir aber normal, wenn ich noch so viel Adrenalin im Körper habe. Im Moment liege ich auf der Couch und höre ein Hörbuch, mit unserem kleinen Kater „Shadow“ im Arm – der ist für meinen Freund Markus und mich wie ein kleines Baby.

Schildere für unsere Leser doch bitte mal genau, wie es letztlich zum Abbruch Deines Ironman nach etwa 205 Kilometern gekommen ist.

Rein kopfmäßig und von der Willenskraft hätte ich weitergemacht, das war nicht das Problem. Es war aber so, dass ich Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern hatte. Ich kenne meinen Körper sehr gut und kann auch dieses Herzstolpern einordnen – das am Sonntag war eines von der bedrohlichen Sorte. Notarzt Florian Becher, der mich den ganzen Sonntag medizinisch betreut und einen super Job gemacht hat, empfahl mir schon bei Kilometer 18, nun lieber aufzuhören. Ich wollte aber unbedingt wenigstens den Halbmarathon schaffen, um einen Zieleinlauf zu haben. So haben wir uns gemeinsam darauf verständigt, den Halbmarathon noch anzugehen und dann aber wirklich die Vernunft und die Vorsicht siegen zu lassen. Die drückende Hitze am Sonntag, das ist einfach nicht mein Wetter. Ich war am Ende komplett dehydriert. Das Aufhören war unbedingt nötig, ich wäre sonst im Krankenhaus gelandet – und das hätte niemandem geholfen. Mein Herz hat mir in meinen Leben schon so viel erlaubt, dann muss ich auch auf es hören, wenn es einem sagt: Bis hierhin und nicht weiter!

Wie waren die ersten Reaktionen, die Du aus der Öffentlichkeit erfahren hast?

Allesamt positiv! Viele Menschen haben mir gesagt oder geschrieben: Wow, das war mutig und auf jeden Fall richtig, dass du am Ende für dich selbst eingestanden bist, trotz deines Zieles, unbedingt durchkommen zu wollen.

Gab es auch negative Reaktionen?

Nur eine bedingt negative. Jemand hat sich erkundigt, wie man beim Radsplit auf der Online-Rolle „Zwift“ eine so hohe Wattzahl fahren und ein solches Tempo anschlagen kann. Doch weder das Schwimmen noch das Radfahren waren das Problem, die sind ja beide super gelaufen. Und vor dem Marathon habe ich mich noch gut gefühlt. Das Wetter hat mir aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Während des Halbmarathons waren Deine gemischten Emotionen für die Zuschauer deutlich sichtbar – von Spaß über Zuversicht bis hin zur reinen Schinderei und Resignation war die ganze Palette ablesbar. Was hat Dich angetrieben, überhaupt so lange durchzuhalten? Immerhin warst Du ja von morgens 6 Uhr insgesamt 11:55 Stunden in den drei Disziplinen sportlich unterwegs.

Meine Freunde, meine Familie und alle Menschen, die mich unterstützt haben – dafür möchte ich allen ganz, ganz herzlich danken! Meine Freundin Franziska Weißensel musste an diesem Tag gewissermaßen meinen Kopf übernehmen. Ohne meinen Bruder Julius hätte ich das gar nicht geschafft, er kennt mich wie kein anderer und sieht genau, wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem ich besser die Notbremse ziehe. Außerdem habe ich mich über alle gefreut, die mit mir gelaufen sind – auch wenn ich mich da größtenteils in einem Tunnel befunden habe.

Was hast Du gefühlt, als die 45-malige Deutsche Meisterin und Olympia-Teilnehmerin Sabrina Mockenhaupt-Gregor ganz spontan ankündigte, jetzt ein paar Runden mitlaufen zu wollen – ohne Sportkleidung, einfach so?

Das fand ich ganz klasse! Sabrina war schon immer mein größtes Vorbild. Ich finde es großartig, dass sie sich an dem Tag öffentlich für Organspenden stark gemacht hat – sie muss ja bei ihrer Reichweite in den sozialen Netzwerken sehr verantwortungsvoll mit ihren Botschaften umgehen. Dass auch ihre Mutter Hildegard spontan mitgelaufen ist, hat mich nochmal richtig gepusht. Die Mockenhaupts sind ja echte Lauf-Koryphäen im Siegerland und haben eine sehr direkte, aber auch äußerst liebenswerte Art. Und Hildes lautstark angekündigte Linsensuppe habe ich am Montagmittag gegessen – das war eine Wohltat, richtig schön salzig …

Mit all Deinen Erfahrungswerten der vergangenen Wochen – würdest Du Dir eine solche Geschichte nochmal zutrauen?

Im Moment möchte ich mit Sport nichts zu tun haben, sondern mich einfach nur ausruhen und regenerieren. Das ist aber wirklich nur eine Momentaufnahme, denn ich weiß genau, dass es mich schon bald wieder reizen wird, die nächste interessante sportliche Aufgabe anzugehen. Durch den Ausfall des diesjährigen Ironman in Hamburg bin ich ja automatisch für nächstes Jahr gemeldet, aber ich weiß nicht, ob ich meinem Herz schon in 2021 wieder einen Ironman zumuten möchte. Eine eigene Veranstaltung wie diese würde ich im Wiederholungsfall auf jeden Fall anders angehen: da würde ich ein Organisationskomitee gründen. Ich bin nämlich in der ganzen vorigen Woche von einem Termin zum anderen gehetzt, und dieser hohe Stresspegel ohne echte Auszeiten hat mit Sicherheit mit dazu geführt, dass mein Herz schließlich „Stop“ gesagt hat.

Wie wird nun der Kontakt zum zweijährigen Daniel weiter laufen, der ja für Dich im Grunde genommen der emotionale „Motor“ für diese tolle Sache war?

Ich werde ihn in der kommenden Woche im Klinikum in München-Großhadern besuchen und ihm und seiner Mutter Diana den Scheck überreichen. Ich kenne die beiden bisher nur über Instagram, Facebook und Whatsapp-Nachrichten. Nun freue ich mich riesig, Daniel und seine Mama endlich persönlich kennenlernen zu dürfen – das wird nochmal ein großer emotionaler Moment!

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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