Tolle Erfolgsgeschichte in den 70er Jahren
Ein rasanter Durchmarsch des VfL Berleburg

Mit dieser Mannschaft sicherte sich der VfL Bad Berleburg 1975 den Meistertitel in der Fußball-Landesliga und den erstmaligen Aufstieg in die Amateur-Oberliga, damals die höchste Amateurliga und dritthöchste Spielklasse unter der 1. und 2. Bundesliga. Das Bild zeigt (hinten v. l.) Thomas Puchinger, Fritz-Rainer Grebe, Trainer Diethard Lichte, Helmut Kroh, Hans-Walter „Hanne“ Brinner, Volker Leiendecker, Otto Gräbener, Fritz Knebel, Torwarttrainer Klaus Rimkus und Betreuer Hermann Lorenz sowie (vorne v. l.) Hansi Klein, Manfred Spies, Peter Rekowski, Rüdiger Kontny, Karl-Heinz Kolodziej, Hansi Klotz und Manfred Sulze. Es fehlen der verletzte Stammtorwart Dieter Kasper und Masseur Herbert Scheffler.
  • Mit dieser Mannschaft sicherte sich der VfL Bad Berleburg 1975 den Meistertitel in der Fußball-Landesliga und den erstmaligen Aufstieg in die Amateur-Oberliga, damals die höchste Amateurliga und dritthöchste Spielklasse unter der 1. und 2. Bundesliga. Das Bild zeigt (hinten v. l.) Thomas Puchinger, Fritz-Rainer Grebe, Trainer Diethard Lichte, Helmut Kroh, Hans-Walter „Hanne“ Brinner, Volker Leiendecker, Otto Gräbener, Fritz Knebel, Torwarttrainer Klaus Rimkus und Betreuer Hermann Lorenz sowie (vorne v. l.) Hansi Klein, Manfred Spies, Peter Rekowski, Rüdiger Kontny, Karl-Heinz Kolodziej, Hansi Klotz und Manfred Sulze. Es fehlen der verletzte Stammtorwart Dieter Kasper und Masseur Herbert Scheffler.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Frank Kruppa (Redakteur)

krup Bad Berleburg. In vier Jahren aus der 1. Kreisklasse in die Amateur-Oberliga – der VfL Bad Berleburg legte in den 1970er Jahren einen noch atemberaubenderen Höhenflug aufs Parkett als der SV 08 Langenau ein Jahrzehnt später. Die fabelhafte Erfolgsgeschichte der Kurstädter beginnt im Grunde genommen aber schon im Frühsommer 1968, als sich der VfL Bad Berleburg den Meistertitel in der 2. Kreisklasse Nord sicherte. Drei Jahre später folgte das Meisterstück in der 1. Kreisklasse, und auch in der Bezirksklasse hielten sich die Wittgensteiner nicht unnötig lange auf – nach Platz 8 als Neuling und der Vizemeisterschaft im Jahr darauf durfte in Berleburg bereits 1973/74 der nächste Aufstieg gefeiert werden.

Dabei verlief der Endspurt jener Saison dramatisch. Am drittletzten Spieltag leistete sich Berleburg ein 1:1 daheim gegen die Sportfr. Möllmicke, so dass „Herbstmeister“ SpVg Olpe nun im Vorteil schien – ein Zähler Vorsprung und das direkte Duell zu Hause vor der Brust! Doch ausgerechnet am gefürchteten Olper Kreuzberg, wo die Spielvereinigung 23:5 Punkte sammelte, drehten die Wittgensteiner den Spieß um und siegten vor 2500 Zuschauern durch einen Treffer in der 90. Minute mit 3:2. Die Sektkorken knallten dann endgültig am 12. Mai, nachdem der VfL Bad Berleburg den Absteiger TuS Kaan-Marienborn mit 4:0 bezwungen hatte. Fritz Knebel (18 Treffer) und Otto Gräbener (14), die zwei Jahre zuvor noch für den VfL Klafeld-Geisweid in der Regionalliga gestürmt hatten, waren die erfolgreichsten Torschützen des Meisters.

Die Berleburger waren nun nicht mehr zu stoppen und marschierten munter weiter – nur ein Jahr später folgte die nächste Meisterschaft, durch einen 2:1-Sieg beim FC Hilchenbach und wiederum unter der Regie von Trainer Diethard Lichte. „Wir sind damals auf einer Woge des Erfolgs geschwommen, waren eine verschworene Gemeinschaft, in der jeder für jeden da war“, erinnert sich Mittelstürmer Manfred Spies, der Jahre zuvor bei einem 16:1-Schützenfest in Berghausen in der 1. Kreisklasse Nord sage und schreibe 13 (!) Tore für den VfL Bad Berleburg erzielt hatte – und zwar alle in der zweiten Halbzeit. Rekordverdächtig!
Auch am Titel-Triumph in der Landesliga hatte Spies mit seinem Dreierpack beim 3:0 in Belecke oder mit seinen gar vier „Buden“ beim 4:2-Sieg in Niederschelden und insgesamt 17 Saisontreffern (genau wie Fritz Knebel, Otto Gräbener traf 15 Mal) beträchtlichen Anteil, wiegelt aber bescheiden ab: „Da gab es andere, die besser getroffen haben als ich. Und mit Volker Leiendecker hatten wir eines der größten Talente in der Vereinsgeschichte in unseren Reihen. Er hat sofort absolut mühelos den Sprung aus der Jugend in die 1. Mannschaft geschafft, ein Spieler mit großem Herzen. Er war aus unserem Team nicht weg zu denken und hat in seinem allerersten Spiel in der Ersten in Lennestadt gegen Wolfgang Wittemund eine Riesenleistung gezeigt. Fritz Grebe war ein weiteres Talent, das sofort im Männerbereich Fuß gefasst hat, und mit Helmut Kroh hatten wir einen großartigen Libero.“

Stammtorwart Dieter Kasper, der beim „Meisterstück“ in Hilchenbach verletzt fehlte, und sein Stellvertreter Rüdiger Kontny „hatten Jahre zuvor der legendären Feudinger A-Jugend angehört, die sogar in der Westfalenliga gespielt hat“, ergänzt Spies, der mit Recht zur Schlussfolgerung kommt: „Wir hatten da schon einige gute Jungs am Start. Unsere Stärke war, dass unsere Spieler eine Menge individuelle Fähigkeiten einbrachten, und das auf ganz unterschiedliche Art.“

Mit dem Triumph in Hilchenbach waren die Kurstädter also in der Amateur-Oberliga angekommen, und das war damals die dritthöchste deutsche Spielklasse nach der 1. und 2. Bundesliga. Gleich zum Auftakt in der neuen Umgebung „bekamen wir aber tüchtig die Leviten gelesen“, schmunzelt Manni Spies. „Wir spielten bei Rot-Weiß Lüdenscheid im alt ehrwürdigen Nattenberg-Stadion. Schon beim Einlaufen durch den Spielertunnel habe ich mir gedacht: Komm, fahr wieder nach Hause, das hier ist eine ganz andere Welt“, zeigte Spies eine Menge Respekt vor dem zweitligareifen Umfeld. „Unser neuer Torwart Dieter Götze, der aus Hallenberg zu uns gekommen war, hatte einen Super-Tag erwischt, sonst hätten wir deutlich höher als mit 0:3 verloren. Ein Fernschuss schlug wie eine Kanonenkugel in unserer Hütte ein“, waren Spies und seine Teamkollegen erst einmal reichlich bedient.

Das Team vom „Sähling“ – der Umzug auf die heutige Sportanlage am Stöppel erfolgte erst später – erholte sich aber rasch und lag nach der Hinrunde auf dem respektablen 8. Platz. „Wir hatten einen überraschend guten Start, haben dabei gerade gegen die Mannschaften aus dem Ruhrgebiet sicherlich von unserem Aschenplatz profitiert – in den Zweikämpfen wussten wir schon genau, wann man die Grätschen ansetzt und wann man sie besser sein lässt“, grinst Manfred Spies, der in seiner Rückschau aber auch bekennen muss: „Die Rückrunde verlief genau umgekehrt, da lief bei uns fast nichts mehr zusammen. Gerade in denen Spielen, die wir hätten gewinnen müssen, haben wir nicht punkten können. Viele Gegner hatten uns in der Hinrunde wohl auch nicht richtig ernst genommen und wussten sich in der zweiten Halbserie besser auf uns einzustellen. Man muss sich aber auch eingestehen, dass wir nicht die Reife für eine derart hohe Spielklasse besaßen, wir waren schlichtweg an unsere Grenzen gestoßen – und irgendwann war dann auch das Selbstvertrauen weg, das uns über so viele Jahre getragen hatte“, analysiert Spies, der später auch als Trainer der 1. Mannschaft in der Kurstadt tätig war.

So stiegen die Badestädter am Ende ihrer ersten Saison in der Amateur-Oberliga Westfalen sofort wieder ab, mit 25:43 Punkten und 55:82 Toren lagen sie punktgleich mit ihrem Vordermann TuS Eving-Lindenhorst (50:71 Treffer) auf Platz 17 und ließen lediglich den Hasper SV (18:50) hinter sich. Die Siegener Sportfreunde (29:39) landeten auf dem 15. Rang. Meister wurde der SV Holzwickede um seinen legendären Dieter „Hoppy“ Kurrat, der nach 312 Spielen für Borussia Dortmund zum Ausklang seiner Karriere für den SVH spielte. Holzwickede sicherte sich dann am 27. Juni 1976 in Oldenburg auch noch den Titel des Deutschen Amateur-Meisters durch einen 1:0-Finaltriumph gegen den hessischen „Vize“ VfR Oli Bürstadt.

Nach dem Berleburger Abstieg ging „Meistermacher“ Diethard Lichte, für ihr kam Klaus Germann als neuer Trainer. „Er war ein absoluter Glücksfall für uns“, sagt Manfred Spies. Dabei begann der Neustart in der Landesliga für die Berleburger äußerst zähflüssig – nach sieben Partien wies der VfL mit 3:11 Zählern die gleiche Punktzahl auf wie das damalige „Schlusslicht“ SvG Plettenberg – es roch verdächtig nach einem Durchmarsch in die verkehrte Richtung. Dann aber startete der VfL Bad Berleburg eine beispiellose Serie, blieb in den restlichen 23 Spielen ungeschlagen und gewann in der Rückrunde bis auf ein 2:2 beim VfB 07 Weidenau sämtliche Auswärtsspiele. Das Resultat: Mit 40:20 Punkten ging der Meistertitel nach 1975 erneut nach Berleburg, dicht dahinter landeten der VfL Klafeld-Geisweid und die Sportfr. Oestrich (beide 39:21). Erneut war Fritz Knebel mit 14 Treffern der zielsicherste Torjäger der Kurstädter.

So kämpfte der VfL Bad Berleburg in der Spielzeit 1977/78 erneut in der Amateur-Oberliga um Punkte – diesmal freilich mit bescheidenem Erfolg. Am Ende standen 8:60 Punkte und 19:83 Tore für den VfL zu Buche, der seinen einzigen (!) Saisonsieg bereits am 4. Spieltag (24. August 1977) feierte – jenes 1:0 war indes äußerst bitter für den Gegner TuS 1846 Iserlohn, der am Ende Zehnter wurde und die Qualifikation für die neu gegründete Verbandsliga um genau diese beiden Punkte verpasste, die man in Berleburg liegen ließ.

Durch die Installation der Verbandsliga stieg der VfL Berleburg derweil praktisch zwei Klassen ab, da er in die Landesliga zurückmusste – der zweite Abstieg aus der Amateur-Oberliga war also zweifellos wesentlich bitterer als der erste zwei Jahre zuvor. Dennoch musste der VfL Bad Berleburg nie einen richtigen „Erdrutsch“ hinnehmen. Die Odebornstädter waren in den Folgejahren stets ein zuverlässiges Mitglied der Landesliga oder zumindest der Bezirksliga (überwiegend dort fanden sie ihre sportliche Heimat). Die letzte Meisterschaft wurde am „Stöppel“ in der Saison 2016/17 gefeiert, in der Bezirksliga 4 lag der VfL am Ende satte elf Punkte vor Vizemeister BC Eslohe. Aktuell stehen die Berleburger allerdings in der Landesliga auf einem Abstiegsplatz.

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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