Zum Tode von Manfred Utsch
"Er war ein 150-prozentiger Sportfreunde-Mann"

Manfred Utsch, wie man ihn kannte: Erfolgreicher Schilderfabrikant sowie Mäzen und großer Freund der Sportfreunde Siegen. Der
Eiserfelder ist im Alter von 85 Jahren gestorben.
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  • Manfred Utsch, wie man ihn kannte: Erfolgreicher Schilderfabrikant sowie Mäzen und großer Freund der Sportfreunde Siegen. Der
    Eiserfelder ist im Alter von 85 Jahren gestorben.
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krup Siegen. Manfred Utsch hat seinen letzten Kampf verloren, der Unternehmer aus Eiserfeld ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben (die SZ berichtete am Mittwoch kurz).

In der Wahrnehmung der Siegerländer Sportöffentlichkeit hat der am 24. März 1936 geborene Ehrenpräsident des Fußball-Oberligisten Sportfreunde Siegen außergewöhnlich stark polarisiert: Für die einen hat er durch seinen mitunter an einen Alleinunterhalter erinnernden Führungsstil verhindert, dass weitere finanzstarke Unternehmen auf den Sportfreunde-Zug aufspringen, für die anderen ist es maßgeblich Manfred Utsch und seinem finanziellen Engagement zu verdanken, dass der Verein aus dem Leimbachtal am 4. Juni 2005 mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga den größten Erfolg seit dem Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft im Jahre 1955 feierte.

Manfred Utsch in der Stunde seines größten sportlichen Triumphs: Auf den Schultern des damaligen Torhüters Adnan Masic feierte der Siegener Präsident und Mäzen den Aufstieg "seiner" Sportfreunde in die 2. Bundesliga.
  • Manfred Utsch in der Stunde seines größten sportlichen Triumphs: Auf den Schultern des damaligen Torhüters Adnan Masic feierte der Siegener Präsident und Mäzen den Aufstieg "seiner" Sportfreunde in die 2. Bundesliga.
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„Manni Utsch war ein 150-prozentiger Sportfreunde-Mann, der Verein ging ihm über alles“, sagte der stellv. SFS-Vorsitzende Frank Weber gegenüber der SZ. „Er war eine gestandene Unternehmerpersönlichkeit und ein Mann mit Visionen. Die Jugend lag ihm besonders am Herzen. Was er mit der Stiftung ,Anstoß zum Leben’ gemeinsam mit seiner Ehefrau Dagmar geschaffen hat, ist schon sensationell. Er hat sich immer gefreut, wenn er persönlichen Kontakt zu den Spielern hatte, und diese haben ihn wiederum mit einem Riesenrespekt behandelt. Er war äußerst beharrlich in der Verfolgung seiner Ziele und für unseren Verein stets eine verlässliche Größe – Manfred Utsch stand jederzeit zu dem, was er gesagt und zugesagt hat“, so Weber.

Unternehmen auf dem Weltmarkt etabliert

Auf unternehmerischer Ebene war Manfred Utsch ausgesprochen erfolgreich, er etablierte die im Siegener Gewerbegebiet Marienhütte beheimatete Schilderfabrik Erich Utsch KG als Geschäftsführer auf dem Weltmarkt. Für Manfred Utsch hatte soziales Engagement einen hohen Stellenwert. Der damalige Landrat Walter Nienhagen zeichnete den Schilderfabrikanten am 22. Juni 1995 mit dem Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus und würdigte Utsch als einen Menschen, der sich über seine unternehmerischen Aufgaben hinaus im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich große Verdienste um das Allgemeinwohl erworben habe.

Manfred Utsch (rechts) und Christoph Thoma: Einst waren sie zerstritten, aber zuletzt haben sie sich wieder versöhnt und bastelten an Kooperationsplänen, um die Sportfreunde Siegen und den 1. FC Kaan-Marienborn gemeinsam zu einer starken Kraft zu formen. Diese Pläne scheitereten allerdings.
  • Manfred Utsch (rechts) und Christoph Thoma: Einst waren sie zerstritten, aber zuletzt haben sie sich wieder versöhnt und bastelten an Kooperationsplänen, um die Sportfreunde Siegen und den 1. FC Kaan-Marienborn gemeinsam zu einer starken Kraft zu formen. Diese Pläne scheitereten allerdings.
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Über mehrere Jahre war der agile Unternehmer Mitglied des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (Regionalkreis Siegen), ab 1988 fungierte er als Vorsitzender des Bundesverbands Kraftfahrzeug-Kennzeichen. Manfred Utsch war einer der ersten Unternehmer seiner Branche, der in den osteuropäischen Reformstaaten Joint Ventures einging, die Vorbildcharakter hatten – und er war aktiver Förderer des Taubstummenheims Hermannstadt in Rumänien.

Ein großes Herz für die Fußball-Jugend

Die Sportfreunde Siegen waren freilich sein ganz großes Steckenpferd, eine echte Herzensangelegenheit. Utsch sah den 1899 gegründeten Traditionsverein unter den deutschen Fußball-Spitzenadressen, mindestens unter den Top 40 – das war seine Vision, für die er als Präsident und Mäzen mit aller Kraft und immenser finanzieller Unterstützung kämpfte.

Manfred Utsch (links) begrüßte in all den Jahren reichlich Prominenz in seinem "Wohnzimmer" Leimbachstadion.  Auch Jürgen Klopp gab sich als damaliger Dortmund-Trainer die Ehre.
  • Manfred Utsch (links) begrüßte in all den Jahren reichlich Prominenz in seinem "Wohnzimmer" Leimbachstadion. Auch Jürgen Klopp gab sich als damaliger Dortmund-Trainer die Ehre.
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Was der Verein Sportfreunde Siegen und seine Basis für Manfred Utsch bedeuteten, unterstreicht eine nette Episode im Nachgang zu seinem 60. Geburtstag 1996: Die zahlreichen Festgäste ließ er wissen, dass er keine persönlichen Geschenke wünsche, sich aber über eine Spende zu Gunsten der Sportfreunde-Jugend freuen würde. Das überwältigende Ergebnis: 36 000 Mark kamen zusammen und den damals 13 Nachwuchsteams des Vereins zu Gute.

Ab und zu zeigte Manfred Utsch (rechts) auch seine Sympathie zum FC Schalke 04. Zumindest dann, wenn ihm mit Präsident Günter Eichberg (links) und Trainer Aleksandar Ristic zwei Schalker über den Weg liefen.
  • Ab und zu zeigte Manfred Utsch (rechts) auch seine Sympathie zum FC Schalke 04. Zumindest dann, wenn ihm mit Präsident Günter Eichberg (links) und Trainer Aleksandar Ristic zwei Schalker über den Weg liefen.
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Mit Manfred Utsch konnte man stundenlang und leidenschaftlich diskutieren – über „Gott und die Welt“, den Sport im Allgemeinen, vor allem aber über sein Lieblingsthema: die Sportfreunde. Er verteidigte seinen Standpunkt mit aller Vehemenz, blieb dabei aber fair, reflektiert und respektvoll.
„Diese Nachricht macht mich fassungslos und sehr traurig“, zeigte sich Kalla Jung, jahrelang treue Spielerseele und Meistermacher der einstigen „dritten Welle“ der Sportfreunde, sehr betroffen. „Manfred Utsch hat den Verein gelebt, war immer nah dran am Geschehen. Einen Menschen wie ihn, der einen Sportverein mit einer derartigen Hingabe liebt, wird es nie mehr wieder geben.“

"Stolz, dass er einer von uns war"

„Die Sportfreunde Siegen haben Manfred Utsch, den wir 2013 zum Ehrenpräsidenten ernannt haben, unendlich viel zu verdanken. Wir sind stolz, dass er einer von uns war – und wir werden diese leidenschaftliche, ebenso herzensgute wie knorrige Siegerländer Persönlichkeit nicht vergessen. Die dankbare Erinnerung an ,Manni’ Utsch ist uns zugleich Auftrag für die Zukunft“, heißt es unter anderem im Nachruf des Vereins.

Autor:

Frank Kruppa (Redakteur) aus Siegen

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