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Orientierungsläufer aus Müsen bei der WM
Felix Späth: „Köpfchen“ und flinke Füße

Unter den Top 15 schaffte Felix Späth, hier an einem Posten während der Qualifikation, den Einzug in das Sprint-Finale bei den Weltmeisterschaften im Orientierungslauf.
  • Unter den Top 15 schaffte Felix Späth, hier an einem Posten während der Qualifikation, den Einzug in das Sprint-Finale bei den Weltmeisterschaften im Orientierungslauf.
  • Foto: Lutz Spranger/DOSV
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

carlo Müsen. Die sportliche Kategorie „Historisches Ereignis“ ist in den vergangenen Wochen stark strapaziert worden: Fußball-Europameisterschaft, England erstmals seit 55 Jahren wieder in einem Endspiel, England wartet seit 55 Jahren aber doch weiter auf einen Titel bei EM oder Weltmeisterschaft.
Fußball ist nicht Orientierungslauf, und 49 Jahre sind zumindest ein Stück weniger als Englands 55 Jahre. Und doch ist das, was die deutschen Männer bei den Weltmeisterschaften in Doksy (Tschechische Republik) erreicht haben, ein großes Ereignis für den Orientierungssport hierzulande: Die Wald-Staffel mit Felix Späth (OLG Siegerland) aus Müsen, Ole Hennseler (MTV Seesen) und Bojan Blumenstein (OSC Kassel) rannte als Achte ins Ziel.

carlo Müsen. Die sportliche Kategorie „Historisches Ereignis“ ist in den vergangenen Wochen stark strapaziert worden: Fußball-Europameisterschaft, England erstmals seit 55 Jahren wieder in einem Endspiel, England wartet seit 55 Jahren aber doch weiter auf einen Titel bei EM oder Weltmeisterschaft.
Fußball ist nicht Orientierungslauf, und 49 Jahre sind zumindest ein Stück weniger als Englands 55 Jahre. Und doch ist das, was die deutschen Männer bei den Weltmeisterschaften in Doksy (Tschechische Republik) erreicht haben, ein großes Ereignis für den Orientierungssport hierzulande: Die Wald-Staffel mit Felix Späth (OLG Siegerland) aus Müsen, Ole Hennseler (MTV Seesen) und Bojan Blumenstein (OSC Kassel) rannte als Achte ins Ziel. Das war das beste deutsche Ergebnis in diesem Wettbewerb seit 1972. Damals war die deutsche Mannschaft Sechste geworden.

Späth freute sich mächtig über den Erfolg  –  nicht nur, weil „es schöner ist, im Team erfolgreich zu sein“,  – und betonte: „Das war richtig, richtig gut.“ Nach 2:02:22 Stunden war das deutsche Trio im Ziel, 9:16 Minuten hinter Weltmeister Schweden. Silber ging an Norwegen (1:53:57 Stunden), Bronze an die Schweiz (1:55:06). Startläufer Späth hatte bei Starkregen nach 39:19 Minuten mit 1:58 Minuten Rückstand auf den Ukrainer Ruslan Gilbov als Achter im Zwischen-Klassement übergeben – und lieferte damit auch zugleich die schnellste Zeit im deutschen Team ab (Hennseler 40:49 Minuten, Blumenstein 42:14).

Ein "nahezu perfektes" Rennen

Das Rennen über 3 x 5 Kilometer mit 360 Höhenmetern und 19 Posten sei „nahezu perfekt“ für die deutsche Staffel gelaufen, meldete der Deutsche Orientierungssport-Verband (DOSV). Späth lief zunächst in der Spitzengruppe mit, verfolgte die Führenden gemeinsam mit den Läufern aus Norwegen, Schweden und der Tschechischen Republik. Bei einem Kontrollpunkt war er sich nicht sicher, ob er den richtigen angelaufen hatte. In vollem Tempo versuchte Späth wieder an die Konkurrenten heranzukommen, verfolgte bergab die vor ihm laufenden Athleten und stürzte sogar noch in einer regennassen Kurve.

Im Sprint-Rennen über 3,9 Kilometer Luftlinie, gespickt mit 24 Posten, kam der 30-jährige Siegerländer auf den 38. Platz – und war zufrieden mit Blick auf das deutsche Team: „Noch nie haben sich alle drei deutschen Starter zusammen für ein Finale qualifiziert“. Und das Abschneiden war ein Erfolg auch für ihn persönlich. „Das war sehr zufriedenstellend“, sagt Späth. Er hatte sich bei seiner vierten WM-Teilnahmen erstmals für ein Finale qualifiziert. Der Kurs führte die Athleten durch die Wallanlage an der früheren Garnisonsstadt Terezin, wo die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg das Konzentrationslager Theresienstadt eingerichtet hatten. Über Mauern und Zäune, durch Tunnel untendurch – allein nach Karte und Kompass. „Das waren sehr spezielle Ansprüche wegen der zweiten Ebene“, erklärte der DOSV-Pressesprecher Lutz Spranger.

Zu langen Weg gelaufen

In dem Gewirr lief Späth einen zu langen Weg zum vorletzten Posten. Das kostete Zeit. Am Ende erreichte er das Ziel nach 16:02 Minuten mit 2:16 Minuten Rückstand auf Gewinner Isac von Krusenstierna (Schweden) und 52 Sekunden hinter dem besten Deutschen, Colin Kolbe (TuS Lübbecke), der 21. wurde. Die Deutschen hätten sich „gut geschlagen“, sagte Spranger: „Unter die Top 20 zu kommen, ist wahnsinnig schwer.“

In der Sprint-Staffel landete Späth gemeinsam mit Paula Starke (USV TU Dresden), Colin Kolbe (TuS Lübbeke) und Leonore Winkler (USV Jena) in 1:09:43 Stunden 7:24 Minuten hinter Weltmeister Schweden auf dem 15. Platz. 2019 war Späth Zweiter bei den Deutschen Meisterschaften über die Mitteldistanz. Bei der WM verzichtete er auf diese Disziplin: „Das wäre zu viel geworden.“

Vor dreieinhalb Jahren nach Schweden gezogen

Späth war 2016 Deutscher Meister im Sprint. Seit er zehn Jahre alt ist, ist er im Orientierungssport zu Hause. Und hat sich seiner Sportart voll und ganz verschrieben. Er ist vor dreieinhalb Jahren gemeinsam mit Freundin Susen Lösch (USV Jena), der aktuell besten deutschen Orientierungsläuferin, sogar nach Schweden gegangen. Zuvor war Späth seines Sportes wegen schon in der Schweiz. Die Alpen-Republik gilt ebenso wie Skandinavien als Hochburg des Orientierungslaufs. Späth lebt inzwischen in Stockholm, arbeitet dort als Physiotherapeut – auch das „mit Leidenschaft“, wie er betont.

Orientierungslauf „eine Volkssportart“ in Skandinavien

In Schweden, wie auch in ganz Skandinavien, sei Orientierungslauf „eine Volkssportart“, viel populärer als in Deutschland, erklärt Späth: „Da ist besseres Gelände, da sind bessere Trainingsmöglichkeiten.“ Und dort im hohen Norden sei viel mehr Konkurrenz, mit der er sich bei Wettkämpfen öfter messen könne, betont er: „Wenn ich hier die Stockholmer Meisterschaften laufe, ist das beinahe wie bei einer Deutschen Meisterschaft.“

Orientierungssport sei ein bisschen wie Biathlon, beschreibt der Leichtathlet des TuS Müsen und der LG Kindelsberg Kreuztal zu Jugendzeiten seine Disziplin. Schließlich seien für die Orientierung mentale Fähigkeiten, für das Laufen sportliche Athletik gefordert, betont Späth: „Technik und Taktik kommen da zusammen.“ Die besondere Herausforderung: Man könne noch so hart trainiert haben, erklärt er, habe man aber vor dem Wettkampf aus welchen Gründen auch immer Stress, dann „läuft es nicht gut“.

Autor:

Redaktion Sport aus Siegen

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