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Ärger um die Jahresbeiträge (mit Umfrage)
FLVW räumt "Kommunikationsversagen“ ein

FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski entschuldigte sich bei den Vereinen für das „Kommunikationsversagen“ des Verbandes.
  • FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski entschuldigte sich bei den Vereinen für das „Kommunikationsversagen“ des Verbandes.
  • Foto: FLVW
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Kaiserau/Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Eine E-Mail des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hatte in der vergangenen Woche für großen Ärger gesorgt. Auch bei den Mitgliedsvereinen in Siegerland, Wittgenstein und Olpe war die Empörung groß, als sie lesen mussten, dass der Verband die Beitragsrechnung für 2021 zugestellt hatte – wohlgemerkt ohne Corona-Rabatt. Obwohl der Spielbetrieb bereits seit Monaten ruht und ein Ende der Zwangspause noch nicht absehbar ist, müssen die Vereine den vollen Jahresbeitrag „löhnen“ (die SZ berichtete).

Via SZ machte André Becker, der Vorsitzende des VfB Banfe, seinem Ärger über die 360 Euro, die sein Verein als Fußball-B-Kreisligist berappen muss, Luft.

ubau Kaiserau/Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Eine E-Mail des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hatte in der vergangenen Woche für großen Ärger gesorgt. Auch bei den Mitgliedsvereinen in Siegerland, Wittgenstein und Olpe war die Empörung groß, als sie lesen mussten, dass der Verband die Beitragsrechnung für 2021 zugestellt hatte – wohlgemerkt ohne Corona-Rabatt. Obwohl der Spielbetrieb bereits seit Monaten ruht und ein Ende der Zwangspause noch nicht absehbar ist, müssen die Vereine den vollen Jahresbeitrag „löhnen“ (die SZ berichtete).

Via SZ machte André Becker, der Vorsitzende des VfB Banfe, seinem Ärger über die 360 Euro, die sein Verein als Fußball-B-Kreisligist berappen muss, Luft. „Diesen Vorgang“, kritisierte der Banfer, „kann ich angesichts der derzeitigen Lage und der damit einhergehenden Ausfälle und Härten, die die Vereine ertragen müssen, nicht verstehen. Was hier nun durchgesetzt wird, hat mit Solidarität und Rücksichtnahme überhaupt nichts zu tun. Und das macht mich, um ehrlich zu sein, sehr wütend.“
Beckers Meinung teilten zahlreiche Vereinsfunktionäre in der Region. Frank Rademacher, der Vereinschef des A-Kreisligisten FC Möllmicke, sprach gar von einer „Sauerei“. Während Rainer Hofmann, der Vorsitzende des Bezirksligisten SuS Niederschelden, befand: „Der Verband hat es sich ziemlich leicht gemacht, indem er den vollen Jahresbeitrag in Rechnung gestellt hat, während wir uns gleichzeitig Gedanken machen, wie wir unseren Sponsoren aufgrund der Corona-bedingten Spielpause entgegenkommen können. Ich frage mich, auf welcher Grundlage die Beiträge erhoben worden sind, da der Spielbetrieb seit geraumer Zeit ruht.“ Der Sturm der Entrüstung, der sich in Siegen-Wittgenstein, Olpe und den übrigen westfälischen FLVW-Kreisen zusammengebraut hatte, erreichte die Verbandszentrale in Kamen-Kaiserau – und brachte die FLVW-Granden zum Nachdenken, ob ihr Vorgehen richtig gewesen ist.

„Entschuldigung für die Art und Weise der Rechnungsstellung“

Offenbar hatten sie daran (berechtigte) Zweifel. In einem offenen Brief kroch der aus Siegen stammende FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski jetzt zu Kreuze und bat die Mitgliedsvereine um „Entschuldigung für die Art und Weise der Rechnungsstellung“ – wohlgemerkt aber nicht dafür, den kompletten Jahresbeitrag erhoben zu haben. Denn an dieser Tatsache ändert sich rein gar nichts. Der Jahresbeitrag richtet sich nach der Ligazugehörigkeit der am höchsten spielenden Mannschaft des jeweiligen Mitgliedsvereins. Ein C- oder D-Kreisligist muss beispielsweise 265 Euro bezahlen, ein Bezirksligist 995 Euro, ein Oberligist 2660 Euro.

"Der vorbereitungslose Versand der Beitragsrechnungen entspricht nicht unserem Standard"

Wörtlich heißt es in dem von Walaschewski unterzeichneten Schreiben: „Was in normalen Jahren ein durchaus üblicher und erwartbarer Vorgang ist, hat in der Zeit der Corona-Pandemie eine besondere Brisanz. Dass der FLVW nicht vorab in einem gesonderten Schreiben auf den Einzug der Mitgliedsbeiträge und die Alternativen in der Bezahlungsweise hingewiesen hat, ist ein Kommunikationsversagen, für das ich mich ausdrücklich bei Ihnen entschuldigen möchte. Wir haben uns in den vergangenen Monaten immer um eine durchgehende, berichtende und erklärende Kommunikation mit Ihnen bemüht. Insofern entspricht der vorbereitungslose Versand der Beitragsrechnungen nicht dem Standard, den wir selbst gesetzt haben und um dessen Einhaltung wir uns bemühen. Ich kann Ihre daraus resultierende Verärgerung verstehen, und ich bedauere aufrichtig unser nicht sehr sensibles Vorgehen.“

Beitrag wird erst im April eingezogen - aber in voller Höhe

Und weiter erklärt Walaschweski: „Darauf, dass Vereine ihre Mitglieder nicht einfach beitragsfrei stellen können, auch nicht in Zeiten Corona-bedingter finanzieller Belastungen, hat das Bundesfinanzministerium schon im letzten Jahr hingewiesen, weil die Mitgliedschaft in einem Verein und damit auch der Mitgliedsbeitrag nicht an die Erbringung konkreter Leistungen geknüpft ist, sondern ,nur’ an die Tatsache der Mitgliedschaft. Deshalb sind Mitgliedsbeiträge auch nicht mit Spielabgaben zu vergleichen, auf die wir natürlich verzichten, wenn kein Spielbetrieb stattfindet. Ich nehme an, dass Sie Ihren Mitgliedern gegenüber ähnlich argumentiert haben oder argumentieren werden. Das Erlassen von Mitgliedsbeiträgen könnte zudem die Gemeinnützigkeit des Vereins gefährden. Wir haben aber Ihre Kritik zum Anlass genommen, den Beitrag erst im April einzuziehen.“

Lob für Engagement der Ehrenamtler

Abschließend würdigt Walaschewski das Engagement der Vereinsverantwortlichen – auch und gerade in Zeiten der Pandemie: „Auch wenn es im konkreten Fall vielleicht nicht so ausgesehen hat: Wir wissen um die schwierigen Bedingungen, unter denen Sie vor allem gegenwärtig Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten vollbringen müssen, und ich bin voll Hochachtung für das, was Sie leisten und danke Ihnen ausdrücklich dafür. Dass wir mit unserem Vorgehen Ihre Motivation angegriffen haben könnten, tut mir außerordentlich leid, und ich versichere Ihnen, dass wir uns zukünftig um einen noch sensibleren Umgang mit Ihnen bemühen werden.“
Letzteres steht nun auf dem Prüfstand. Die Funktionäre an der Basis werden das genau verfolgen...

SZ-Umfrage bei Vereinen aus der Region:
André Becker (1. Vorsitzender VfB Banfe): „Ich hätte mir eine kreativere Lösung gewünscht. Man hätte den Beitrag beispielsweise ändern oder strecken können. Gerade in der jetzigen Zeit sollte doch gelten: Geht nicht, gibt’s nicht. Wir beim VfB erheben den Jahresbeitrag für Familien erst mal nur zur Hälfte. Dann schauen wir, wie sich die Lage entwickelt. Andererseits ziehe ich den Hut vor Herrn Walaschewski, dass er Fehler eingeräumt und sich dafür entschuldigt hat. Es ist gut zu wissen, dass der Protest beim Verband angekommen ist. Allein deshalb hat es etwas gebracht, aufzubegehren.“
Rüdiger Honig (Fußball-Abteilungsleiter TuS Deuz): „Wir haben die Entschuldigung von Herrn Walaschewski zur Kenntnis genommen, für mich war das eher eine Rechtfertigung. Davon haben die Vereine aber gar nichts. Ich finde das Vorgehen des FLVW sehr wenig entgegenkommend – gerade weil die Verbände ja nicht am Hungertuch nagen. Wenn man bedenkt, dass mindestens ein Drittel des Jahres kein Spielbetrieb stattfindet, dann hätte der FLVW die Beiträge reduzieren sollen, zumal man für 2020 schon den vollen Jahresbeitrag eingezogen hat. Das Argument des Verbandes, dass man die Gemeinnützigkeit verlieren würde, zieht meiner Meinung nach bei einer Beitragsreduzierung nicht.“
Robin Juksaar (1. Vorsitzender FC Hilchenbach): „Dem FLVW blieb nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen, denn die ganze Sache ist sehr unglücklich gelaufen. Das war nicht die feine englische Art. Aber wenn die Entschuldigung von Herrn Walaschewski ernst gemeint ist, dann ist das für mich auch abgehakt. Rein rechtlich gesehen ist gegen das Vorgehen des FLVW meiner Ansicht nach nichts einzuwenden. Aus moralischer Sicht sieht das anders aus, zumal die Geldtöpfe des Verbandes gut gefüllt sind. Ich hätte mir gewünscht, dass der FLVW in dieser für uns alle schwierigen Zeit ein Zeichen setzt und den Vereinen entgegen kommt. Der Verband könnte ja den kompletten Jahresbeitrag einziehen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Einen Teil davon könnte man dann aber den Vereinen wieder zugute kommen lassen. Das wäre in meinen Augen eine gute Lösung.“
Frank Waginzik (1. Vorsitzender SpVg Bürbach): „Wir haben zu dem Thema bei uns im Vorstand keine einheitliche Meinung. Die Kommunikation seitens des FLVW war in der Tat sehr schlecht, sodass eine Entschuldigung mehr als gerechtfertigt war. Natürlich wünschten wir uns, dass der Verband nicht den vollen Beitrag berechnet, aber dann müssten wir im gleichen Atemzug auch unsere Mitgliedsbeiträge im Verein anpassen, denn unsere Sportstätten werden derzeit ja auch nicht genutzt. Wir wünschen uns die Solidarität unserer Mitglieder, und der FLVW die seiner Mitgliedsvereine.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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