SZ

Fußballlehrer Günter Borr
Für Fortuna Düsseldorf auf „Spionage-Tour“

Der Mudersbacher Fußballlehrer Günter Borr hat ein Blick für talentierte Fußballer, die das Potenzial haben, den Sprung in die Fußball-Bundesliga schaffen zu können. Der 67-Jährige arbeitet seit drei Jahren als Scout für Fortuna Düsseldorf.
  • Der Mudersbacher Fußballlehrer Günter Borr hat ein Blick für talentierte Fußballer, die das Potenzial haben, den Sprung in die Fußball-Bundesliga schaffen zu können. Der 67-Jährige arbeitet seit drei Jahren als Scout für Fortuna Düsseldorf.
  • Foto: Uwe Bauschert
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Mudersbach. Seine Meinung ist nach wie vor gefragt. Günter Borr ist seit Jahr und Tag ein ausgewiesener Kenner der höherklassigen Fußball-Szene – und mittlerweile setzt sogar ein Erstligist auf die Expertise des Mudersbachers. Der 67-jährige Fußballlehrer, in dessen Trainer-Vita die Stationen SG 06 Betzdorf, VfB Gießen, SpVg Wirges, VfL Hamm, Bonner SC sowie TuS Erndtebrück stehen, arbeitet seit drei Jahren als Scout für Fortuna Düsseldorf. Davor war Borr bereits als Talentspäher für den FSV Mainz 05 (damals noch in der 2. Bundesliga unter Wolfgang Frank), den 1. FC Kaiserslautern sowie den VfB Stuttgart (jeweils zu Erstliga-Zeiten) tätig.

ubau Mudersbach. Seine Meinung ist nach wie vor gefragt. Günter Borr ist seit Jahr und Tag ein ausgewiesener Kenner der höherklassigen Fußball-Szene – und mittlerweile setzt sogar ein Erstligist auf die Expertise des Mudersbachers. Der 67-jährige Fußballlehrer, in dessen Trainer-Vita die Stationen SG 06 Betzdorf, VfB Gießen, SpVg Wirges, VfL Hamm, Bonner SC sowie TuS Erndtebrück stehen, arbeitet seit drei Jahren als Scout für Fortuna Düsseldorf. Davor war Borr bereits als Talentspäher für den FSV Mainz 05 (damals noch in der 2. Bundesliga unter Wolfgang Frank), den 1. FC Kaiserslautern sowie den VfB Stuttgart (jeweils zu Erstliga-Zeiten) tätig.
Die SZ sprach mit dem pensionierten Pädagogen, der einst auch ein kurzes Gastspiel als Sportlicher Leiter bei den Sportfreunden Siegen gab, über sein Engagement beim Fußball-Bundesligisten, die Siegerländer „Kolonie“ bei der Fortuna sowie über die Entwicklung der fußballerischen Aushängeschilder der heimischen Region.

SZ: Herr Borr, Sie sind seit nunmehr drei Jahren als Scout für den Fußball-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf aktiv. Wie sind Sie zu dieser Tätigkeit gekommen?
Günter Borr: „Der Kontakt zur Fortuna ist über Uwe Klein, den früheren Spieler der Sportfreunde Siegen, entstanden. Am Anfang habe ich hin und wieder Beobachtungen für Düsseldorf gemacht. Mit der Zeit ist es immer mehr geworden. Seit eineinhalb Jahren habe ich nun einen festen Vertrag als Scout der Fortuna. Das passte mir sehr gut, da ich seit dieser Zeit Pensionär bin. Mein Vertrag läuft noch bis zum Saisonende, und ich würde mich freuen, auch danach für die Fortuna tätig sein zu dürfen. Denn die Arbeit macht mir großen Spaß.“

SZ: Was macht den Reiz Ihrer Aufgabe aus?
Borr: „Zu allererst bin ich nach wie vor fasziniert vom Fußball. Durch die Beobachtungen von Spielen und Spielern komme ich viel rum und sehe dabei noch hochklassigen Fußball. Das ist eine ideale Konstellation für mich.“

SZ: Wie sieht Ihr Aufgabengebiet genau aus?
Borr: „Der Verein gibt vor, welche Spieler ich genauer unter die Lupe nehmen soll. Manchmal kommt es aber auch vor, dass einem bei der Beobachtung ganz andere Akteure positiv auffallen. Montags und dienstags sitze ich dann zuhause vor dem Computer und schreibe meine Auswertungen nieder. Darüber hinaus stehe ich in telefonischem Kontakt zu den Verantwortlichen der Fortuna. In regelmäßigen Abständen gibt es auch Treffen in Düsseldorf, um sich auszutauschen.“

SZ: In welchen Ligen sind Sie unterwegs?
Borr: „Ich schaue hauptsächlich Spiele der 2. Bundesliga und der 3. Liga – diese Spielklassen machen rund 70 Prozent meiner Beobachtungen aus. Am vergangenen Freitag habe ich mir beispielsweise die Partie VfL Bochum gegen Hannover 96 angeguckt, am nächsten Tag dann Karlsruher SC gegen SpVg Greuther Fürth. Ab und an schaue ich auch Erstliga-Partien. Hinzu kommen noch Regionalliga-Spiele mit Beteiligung von zweiten Mannschaften der Bundesligisten, weil das Gros dieser Teams aus jungen Spielern besteht, die den Sprung nach oben schaffen können. Darüber hinaus beobachte ich Spiele der A-Jugend-Bundesliga-Staffeln West und Südwest. Ich bin in einem Umkreis von 250 bis 300 Kilometern unterwegs. Eine höchst interessante Ausnahme war das Scouting bei der U-19-EM 2018 in Finnland sowie bei der U-20-WM 2019 in Polen.“

SZ: Und Ihr wichtigster Ansprechpartner bei der Fortuna ist ein Siegerländer...
Borr: „Ja, das stimmt (lacht). Uwe Klein ist Direktor Scouting und Kaderplanung bei der Fortuna. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen.“

SZ: Die heimischen Fußball-Fans kennen ihn noch als Spieler der Sportfreunde Siegen. Woher kennen Sie beide sich?
Borr: „Als ich erstmals als Trainer der SG 06 Betzdorf tätig war, ist mir Uwe Klein als damals 17-Jähriger bei Eintracht Haiger aufgefallen. Also versuchte ich, ihn nach Betzdorf zu holen. Das ist zwar damals nicht gelungen, weil er letztlich auch zu gut für die Oberliga war. Ich habe aber seinen Weg immer verfolgt, natürlich auch seine Zeit bei den Sportfreunden Siegen. Als seine Karriere dann ausklang, sind wir dann doch noch zusammen gekommen. Als damaliger Trainer der SpVg Wirges habe ich ihn doch noch gekriegt. Danach sind wir immer in Kontakt geblieben. Und heute sage ich manchmal im Scherz zu ihm: ,Uwe, Du hast dich daran erinnert, dass ich einen guten Blick für Spieler hatte...’“ (lacht).

SZ: Der gebürtige Siegener Uwe Klein ist mittlerweile eine Institution bei Fortuna Düsseldorf.
Borr: „Das kann man so sagen. Er war lange Zeit Co-Trainer und hat in dieser Zeit die Aufstiege von der Oberliga bis in die 1. Bundesliga mitgemacht. Mittlerweile verantwortet er den Scouting-Bereich und die Kaderplanung. Er hat die Fortuna in sein Herz geschlossen, er hängt an dem Verein.“

SZ: Der dritte Siegerländer im Fortuna-Bunde ist der Freudenberger Nico Michaty, der die Regionalliga-Mannschaft der Düsseldorfer trainiert. Wie macht er sich aus Ihrer Sicht?
Borr: „Sehr gut. Nico hat eine schwierige, aber auch eine tolle Aufgabe. Er kann mit lauter jungen, hochmotivierten und lernwilligen Spielern arbeiten, die alle nach oben wollen. Ich halte sehr viel von Nico und seiner Arbeit. Er ist charakterlich und sportfachlich top, ist sehr fleißig und verfügt über ein großes Netzwerk. Er ist wie geschaffen für eine solche Aufgabe.“

SZ: Komplettiert wird die Siegerländer „Kolonie“ an der „Kö“ von Mannschaftsarzt Dr. Ulf Blecker, der aus Niederschelden stammt...
Borr: „Oh ja (lacht). Der Mann ist eine Sensation. Ulf ist Mannschaftsarzt von Fortuna Düsseldorf und der Düsseldorfer EG, betreut die deutschen Tennis-Frauen und, und, und. Wie jemand ein solches Arbeitspensum erledigen kann, ist mir absolut unbegreiflich. Er beeindruckt mich sehr. Interessant ist, dass wir uns erst in Düsseldorf kennengelernt haben, obwohl er ja aus meinem Nachbarort stammt...“

SZ: Kommen wir auf den heimischen Fußball zu sprechen. Die Sportfreunde Siegen, der 1. FC Kaan-Marienborn und der TuS Erndtebrück spielen „nur“ noch in der Oberliga...
Borr: „Ich finde es bedauerlich, wie sich der Fußball hier entwickelt hat – mit einer Ausnahme: dem TSV Steinbach Haiger. Der hat eine tolle Entwicklung genommen. Ich war zuletzt beim Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken dort. Es beeindruckt mich, was dort entstanden ist. Davor ziehe ich den Hut.“

SZ: Die vielen SI-Kennzeichen bei den Heimspielen des TSV Steinbach Haiger belegen, dass auch die Fans im Siegerland sich nach höherklassigem Fußball sehnen. Was braucht es aus Ihrer Sicht, um das wieder zu schaffen?
Borr: „In erster Linie müssen natürlich die finanziellen Voraussetzungen vorhanden sein. Das ist die Grundvoraussetzung – siehe Steinbach. Dann muss in den verantwortlichen Positionen sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet werden. In diesem kleinen Team müssen natürlich auch Leute mit sportlicher Kompetenz sein. Wären diese Bedingungen erfüllt, wäre man schon einen großen Schritt weiter. Die Fan-Basis ist – zumindest bei den Sportfreunden – auf jeden Fall da. Und wenn man sich die Wirtschaftskraft in der Region anschaut, so ist auch die gegeben. Andererseits ist – zumindest was die Sportfreunde angeht – in den vergangenen Jahren viel Vertrauen verloren gegangen. Es wird wohl noch etwas dauern, um das zurück zu gewinnen. Es würde mich aber freuen, wenn die Siegerländer Fußball-Fans bald wieder höherklassigen Fußball zu sehen bekämen.“

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen