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Vereine vermissen Solidarität
Fußball-Basis verärgert über FLVW-Rechnungen

Der FLVW fordert von seinen Mitgliedsvereinen den vollen Jahresbeitrag – einen Corona-Rabatt gibt es nicht. Darüber echauffiert sich nicht nur André Becker, der 1. Vorsitzende des VfB Banfe. Auch andere Fußball-Funktionäre aus der Region sind verärgert.
  • Der FLVW fordert von seinen Mitgliedsvereinen den vollen Jahresbeitrag – einen Corona-Rabatt gibt es nicht. Darüber echauffiert sich nicht nur André Becker, der 1. Vorsitzende des VfB Banfe. Auch andere Fußball-Funktionäre aus der Region sind verärgert.
  • Foto: Pixabay/Verein/Grafik: SZ
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Banfe/Siegen/Olpe. Als André Becker Anfang der Woche das digitale Postfach „seines“ VfB Banfe turnusmäßig durchforstete, blieb er bei einer E-Mail „hängen“. Der 1. Vorsitzende und Torwart des Wittgensteiner Fußball-B-Kreisligisten las jene elektronische Post ein zweites und ein drittes Mal – und sein Ärger wurde immer größer.
Der Grund: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat dem VfB Banfe und mithin auch allen anderen Vereinen aus der Region den vollen Jahresbeitrag für 2021 in Rechnung gestellt. Im Falle des VfB Banfe sind das 360 Euro – und das, obwohl seit Ende Oktober Corona-bedingt kein Spielbetrieb mehr stattfindet und ein Re-Start wohl nicht vor April zu erwarten ist.

ubau Banfe/Siegen/Olpe. Als André Becker Anfang der Woche das digitale Postfach „seines“ VfB Banfe turnusmäßig durchforstete, blieb er bei einer E-Mail „hängen“. Der 1. Vorsitzende und Torwart des Wittgensteiner Fußball-B-Kreisligisten las jene elektronische Post ein zweites und ein drittes Mal – und sein Ärger wurde immer größer.
Der Grund: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat dem VfB Banfe und mithin auch allen anderen Vereinen aus der Region den vollen Jahresbeitrag für 2021 in Rechnung gestellt. Im Falle des VfB Banfe sind das 360 Euro – und das, obwohl seit Ende Oktober Corona-bedingt kein Spielbetrieb mehr stattfindet und ein Re-Start wohl nicht vor April zu erwarten ist.
„Diesen Vorgang kann ich angesichts der derzeitigen Lage und der damit einhergehenden Ausfälle und Härten, die die Vereine ertragen müssen, nicht verstehen. Ich spreche zwar ,nur’ für meinen Verein, aber bestimmt auch im Sinne vieler anderer“, mutmaßt der Vorsitzende der Schwarz-Weißen – und liegt damit völlig richtig.

Die Fixkosten der Verein laufen weiter

Durch die ausgefallenen Heimspiele konnten die Klubs keine Einnahmen generieren. Zudem mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden, was den VfB Banfe besonders hart traf. Denn die Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens fielen dem bösen C-Virus ebenfalls zum Opfer. „Die Fixkosten der Vereine laufen aber weiter“, sagt Becker gegenüber der SZ und spielt damit auf Ausgaben für Platzerhalt, Sportheim oder Trainergehälter an.

„Was hier nun durchgesetzt wird, hat mit Solidarität nichts zu tun"

Vor diesem Hintergrund stellt der Vorsitzende des VfB Banfe die Frage nach der Solidarität des Verbandes mit der „Basis“. Die Antwort gibt er selbst: „Was hier nun durchgesetzt wird, hat mit Solidarität und Rücksichtnahme überhaupt nichts zu tun. Und das macht mich, um ehrlich zu sein, sehr wütend. Stellen Sie sich bitte vor, dass es Vereine gibt, die die Corona-Soforthilfe Sport des Landes NRW in Anspruch nehmen müssen. Und aus diesen Steuergeldern wird nun auch der Beitrag für den FLVW gezahlt, der für eine nicht komplette Saison erhoben wird? Das alles ist eine Farce.“
Einmal in Rage legt Becker nach: „Ich zitiere gerne den FLVW-Präsident aus seinem letzten Schreiben. Darin heißt es: ,Vereine und Ihre Ehrenamtlichen stellen seit Jahrzehnten ihre Tatkraft, ihre Zeit, ihre Kreativität in den Dienst der Gesellschaft.’ Da frage ich mich: Was macht der Verband in dieser Zeit für seine Mitgliedsvereine? Die Vereine müssen und wollen ihre Mitgliederinnen und Mitglieder bei Laune halten. Und was ich für den VfB Banfe sagen kann: Wir leben unseren Verein auch in dieser schweren Zeit. Aber dazu gehört auch eine finanzielle Sicherheit, die nun durch den Verband weiter verschärft wird.“
Natürlich, so Becker, sei ihm bewusst, dass auch der FLVW laufende Kosten zu stemmen habe. „Aber ich möchte dringend bitten, die in Rechnung gestellten Beiträge nochmal zu überdenken. Ein solidarisches Denken im Sinne von Vereinsleben ist so für mich nicht erkennbar.“

FLVW bezieht Stellung

Die SZ hakte beim FLVW nach. In seiner Stellungnahme schreibt der Verband, dass das Präsidium entschieden habe, die Mitgliedsbeiträge für das laufende Kalenderjahr erst im April zu erheben. Andere Abgaben oder Zahlungen blieben hingegen weiterhin ausgesetzt.
Aber dann kommt’s: Auch wenn der Spiel- und Trainingsbetrieb sowie das Wettkampfwesen aufgrund der Pandemie-Lage und der damit verbundenen politischen Entscheidungen ruhten, werde der FLVW die jährlichen Mitgliedsbeiträge
erheben.
„Allerdings setzen wir Ordnungsgelder wie zum Beispiel bei Nicht-Erfüllung des Schiedsrichter-Solls und die Spielabgaben weiter aus“, erklärt Präsident Gundolf Walaschewski in der Mitteilung des Verbandes. Und Vizepräsident Finanzen Peter Wolf ergänzt: „Selbstverständlich hat jeder in Not geratene Verein die Möglichkeit, sich an den FLVW zu wenden, um zum Beispiel eine Ratenzahlung der Beiträge zu vereinbaren.“
Abschließend heißt es in der Mitteilung des FLVW: „Nach Einschätzung des Präsidiums ist eine Aussetzung der Beiträge auch rechtlich nicht vertretbar. So heißt es in einer Erklärung des Bundesministeriums für Finanzen, dass eine Befreiung der Mitglieder von Beitragszahlungen nicht pauschal ausgesetzt werden kann, da sonst die Gemeinnützigkeit gefährdet sei.“
Ob André Becker nun mehr Verständnis für die Entscheidung des FLVW aufbringen wird? Wohl kaum.

„Das ist eine Sauerei“ Dass der FLVW vor dem Hintergrund einer monatelangen Zwangspause den kompletten Jahresbeitrag einziehen möchte, sorgt für erheblichen Zündstoff. Das ergab die Umfrage der SZ bei Vereinsvertretern aus der Region. Rainer Hofmann (Vorsitzender SuS Niederschelden): „Das Vorgehen des FLVW hat mich ehrlich gesagt sehr geärgert. Ich finde, der Verband hat es sich ziemlich leicht gemacht, indem er den vollen Jahresbeitrag in Rechnung gestellt hat, während wir uns gleichzeitig Gedanken machen, wie wir unseren Sponsoren aufgrund der Corona-bedingten Spielpause entgegenkommen können. Ich frage mich, auf welcher Grundlage die Beiträge erhoben worden sind, da der Spielbetrieb seit geraumer Zeit ruht.“ Frank Rademacher (Vorsitzender FC Möllmicke): „Ich meine, dass die FLVW-Beiträge grundsätzlich zu hoch sind. Warum sollen wir 425 Euro bezahlen, damit wir in der A-Liga spielen dürfen? Dazu kommen ja noch weitere Abgaben. Dass der Verband den vollen Jahresbeitrag abbuchen will, obwohl die Vereine durch die Unterbrechung des Spielbetriebs monatelang keine Einnahmen haben, finde ich eine Sauerei.“ Thomas Barske (Geschäftsführer SpVg Niederndorf): „Ich habe mich auch gewundert, als ich gesehen habe, dass der Verband den kompletten Jahresbeitrag erheben will – zumal die Vereine ohnehin schon viele Fixkosten haben. Das tut gerade in der jetzigen, schwierigen Zeit noch mal besonders weh, da wir seit Monaten keine Einnahmen mehr haben.“
Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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