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Basketball-WM
Heikel Ben-Meftah vor großer Herausforderung

Team-Manager der Basketball-Nationalmannschaft: Heikel ben-Meftah.

geo Freudenberg. Den jüngeren Lesern dieses Artikels sollten wir vielleicht kurz erklären, was ein „Concierge“ ist. In der Luxus-Hotellerie gilt er als „Mädchen für alles“ in der Kundenbetreuung, besorgt Opern-Karten für betuchte Gäste, schickt diskret einen Arzt vorbei, wenn es zwickt und erklärt geduldig Stadtpläne und U-Bahn-Führer.  Eine ähnliche Aufgabe ist auch die des Team-Managers der Basketball-Nationalmannschaft, die seit 2013 in den Händen des Freudenbergers Heikel Ben-Meftah liegt. Die „Riesen“ spielen und erzielen Körbe und Punkte, die Trainer und das Funktionsteam planen und entscheiden. Und die Schnittstelle dazwischen besetzt der 45-jährige Basketball-Trainer des TV Freudenberg (Landesliga).

geo Freudenberg. Den jüngeren Lesern dieses Artikels sollten wir vielleicht kurz erklären, was ein „Concierge“ ist. In der Luxus-Hotellerie gilt er als „Mädchen für alles“ in der Kundenbetreuung, besorgt Opern-Karten für betuchte Gäste, schickt diskret einen Arzt vorbei, wenn es zwickt und erklärt geduldig Stadtpläne und U-Bahn-Führer.  Eine ähnliche Aufgabe ist auch die des Team-Managers der Basketball-Nationalmannschaft, die seit 2013 in den Händen des Freudenbergers Heikel Ben-Meftah liegt. Die „Riesen“ spielen und erzielen Körbe und Punkte, die Trainer und das Funktionsteam planen und entscheiden. Und die Schnittstelle dazwischen besetzt der 45-jährige Basketball-Trainer des TV Freudenberg (Landesliga). Und ab Mittwoch steht er vor der größten Herausforderung seiner seit nunmehr neunjährigen Liebesbeziehung zum Deutschen Basketball-Bund: die Weltmeisterschaft in China in den beiden ersten September-Wochen!

Einer, der sich um alles kümmert

Heikel Ben-Meftah kümmert sich um alles: sorgt dafür, dass der Busfahrer früher kommt, wenn Bundestrainer Henrik Rödl das wünscht, schaut nach, ob die richtigen Getränke für das Team-Meeting im richtigen Konferenzraum bereit stehen, erklärt den Spielern den Weg zum Nobel-Italiener (und bestellt das Taxi gleich mit) und ist erster Ansprechpartner, wenn aus der Hoteldusche nur kaltes Wasser kommt. Das alles reicht schon für einen 20-Stunden-Tag. Doch heute startet der deutsche Basketball-Tross zunächst nach Japan und dann in der kommenden Woche weiter nach China, Ausrichter der WM 2019.  Die deutsche Mannschaft bestreitet die Vorrunde in einer der dynamischsten Städte der Welt, dem (ganz) nahe an Hongkong gelegen Shenzhen, sozusagen dem „Hotspot“ des modernen Chinas. In der 12-Millionen-Einwohner-Metropole spielt Deutschland in der Vorrunde gegen Jordanien, die Dominikanische Republik und den großen Widersacher Frankreich. Nur die beiden Gruppenbesten kommen in die Zwischenrunde.

"WhatsApp" blockiert - was nun?

Doch für die sportliche Qualität des Teams sind andere verantwortlich. Heikel Ben-Meftah, der bisher die WM 2014 in Spanien sowie die Europameisterschaften 2015 in Deutschland und 2017 in Israel verantwortlich als Team-Manager begleitete, muss nun auch immense kulturelle Unterschiede „managen“. Denn die Welt, in der sich die jungen deutschen Basketball-Profis bewegen - nur die Hälfte spielt noch in deutschen Ligen, andere überall in den Top-Clubs in Europa und der NBA - hat sich rasant verändert.
„Früher haben wir einen Ablaufplan ausgedruckt und an die Tür des Physios gepinnt. Heute läuft alles über WhatsApp“, so Ben-Meftah, der sich nun in einem der autoritärsten Staaten der Welt mit ungewöhnlichen Problemen konfrontiert sieht. Denn die Nutzung des weltweit beliebtesten Messengers ist im Land der aufgehenden Sonne blockiert. „Es gibt technische Möglichkeiten, das umzugehen. Das habe ich auch ausprobiert. Aber die Nutzung solcher VPN-Tunnel ist in China streng verboten. Jetzt bin ich gerade dabei, den Spielern das chinesische WhatsApp-Pendant („WeChat“, Anmerkung der Redaktion) aufzuspielen“, sagte Ben-Meftah am Dienstag, dem einzigen Freudenberg-Tag für lange Zeit.Denn nach dem Sieg im Supercup am Wochenende in Hamburg war er aufgrund mehrerer Staus erst am Montagabend in seiner Heimat angekommen. Gestern standen ein anderthalb Stunden langes Interview mit einem hiesigen Journalisten (haha), notwendige Impfungen, drei Stunden Training mit den diversen von ihm betreuten Freudenberger Basketball-Mannschaften und Koffer packen auf dem 20-Stunden-Plan. Schließlich geht es nicht nach “Malle“ sondern für dreieinhalb Wochen nach Fernost. Glaubt Heikel Ben-Meftah.

Rückreise erst nach dem Endspiel geplant

„Ich habe meine Rückreise für den 16. September geplant.“ Das ist, mit Verlaub, eine optimistische Herangehensweise, denn das Endspiel ist für den 15. September geplant. Die Platzierungsspiele dauern aber auch bis zum letzten Wochenende. Und genau dazu müsste man die Zwischenrunde überstehen, was wiederum wichtig für die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ist. Ben-Meftah: „Die beiden besten europäischen Mannschaften bei der WM qualifizieren sich direkt für Olympia. Für die anderen geht es darum, sich über die Platzierungsspiele die Chancen auf vor-olympische Qualifikationsturniere zu erobern. Das wollen wir schaffen, denn ich glaube, dass unser Kader dafür bereit ist.“

Irgendwann Handball überholen

Angeführt von NBA-Star Dennis Schröder, der im letzten Sommer von heute auf morgen bei einem Landesliga-Spiel der Freudenberger Jungs und seinem „Freund“ Heikel Ben-Meftah vorbeischaute, ist der aktuellen Nationalmannschaft durchaus ein Coup zuzutrauen. Ben-Meftah: „Das Potenzial in Deutschland ist riesig. Man merkt, dass in den Schulen Basketball ganz weit vorne steht. Ich glaube sogar, dass Basketball in Deutschland irgendwann Handball als Nr.-2-Mannschaftssportart überholen kann, weil Handball in den Schulen einfach nicht so gewollt ist.“

Söhne "managen" in der "papa-losen"

ZeitDaran arbeitet der umtriebige Coach auch im Freudenberger „Flecken“. Nach Platz 10, Platz 6 und Platz 3 in den drei letzten Landesliga-Jahren soll es in der neuen Saison mit dem Aufstieg in die Oberliga klappen. Daran enorm beteiligt sind auch seine beiden spielenden und co-trainierenden Söhne Miguel und Rene, die jetzt in der papa-losen WM-Zeit die komplette Vorbereitung des TVF-Teams managen.Sogar des Auftaktmatch des 1. Spieltages gegen Lüdenscheid wurde um zwei Tage nach hinten, auf Dienstag, 17. September, verlegt, damit Heikel-Ben-Meftah rechtzeitig nach der Rückkehr am Montagabend (16. September) in München wieder im Siegerland sein kann. Und vielleicht noch den einen oder anderen Überraschungsgast „mit im Gepäck“ hat. Als „Concierge 4.0“ kriegt man so etwas auch noch hin....

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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