Skeleton-Weltcup in Winterberg
"Jacka" Lölling nur auf Platz 4

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geo Winterberg/Brachbach. Die Bilder passten irgendwie nicht zu den nackten Fakten. Aber die Bilder zeigten auch, dass Sport, und eben auch Spitzensport, mehr ist als Platz 1 und 2. Als Jacqueline Lölling am Sonntagnachmittag nach einem völlig verpatzten 2. Lauf von ihrem Schlitten stieg, war allen klar, dass die amtierende Vize-Weltmeisterin und Weltcup-Führende geschlagen war und nicht einmal mehr auf das Siegerpodest klettern durfte. Trotzdem schlug die Stimmung nach vielen „Ahs“ und Ohs“ in den gut 50 Sekunden zuvor, nach erstauntem Grummeln bis zu ungläubiger Fassungslosigkeit bei den rund 500 Fans im Zielauslauf der Veltins EisArena von einer Sekunde auf die andere in ohrenbetäubenden Jubel um. Die Geschlagene wurde in „ihrer Heimat“ trotzdem gefeiert wie ein Popstar!

"Ich war heute nicht gut genug"

Und „Jacka“ Lölling zeigte in diesem wohl von niemand vorher für möglich gehaltenen Moment der Enttäuschung Größe und Sportsgeist: „Man muss es so sagen: ich war heute nicht gut genug für die Anderen. Ich habe zu viele Fehler im 2. Lauf gemacht. Die Anderen waren heute einfach besser. Ich freue mich vor allem für Tina!“

Zuletzt vor 13 Monaten nicht auf dem Podest

„Die Anderen“, das waren gestern beim 3. Skeleton-Weltcup und zugleich dem ersten im neuen Jahrzehnt, Tagessiegerin Tina Hermann vom Königssee, immerhin die amtierende Weltmeisterin, die überraschend mit der schnellsten Laufzeit des gesamten Wettbewerbs noch von Rang 4 auf Platz 2 vorgefahrene Kanadierin Mirela Rahneva und die Österreicherin Janine Flock, die die Lokalmatadorin noch von Platz 2 verdrängten. Man muss schon lange zurückblicken, um ein Weltcup-Rennen oder eine Weltmeisterschaft zu finden, bei der „Jacka“ Lölling nicht auf dem Treppchen stand,. Zuletzt war das am 9. Dezember 2018 im lettischen Sigulda passiert!

„AK-Auto“ reihte sich an „AK-Auto“

Es war ohnehin ein Rennen, so spannend wie noch nie zuvor, und die Veranstalter vom BSC Winterberg hatten die richtige Entscheidung getroffen, die Skeleton-Wettbewerb vom ungeliebten Freitag erstmals auf den Sonntag zu verlegen. Heerscharen von „Jacka“-Fans pilgerten gestern in den späten Vormittagsstunden an die „Kappe“ in Winterberg.  „AK-Auto“ reihte sich an „AK-Auto“. Gut erkennbar waren sie sowieso an ihren weißen Mützen und - neu - ebenfalls weißen „Jacka“-Überzieh-Leibchen, wie die Fußballer diese von Trainingsstunden kennen.

Auch Fußballer fieberten mit

Apropos Fußballer: neben den „Oldies“ des SuS Niederschelden mit dem 2. Vorsitzenden Helmut Noll und seinem Sohn, Ex-Oberliga-Fußballer Dennis Noll, die ein eigenes Transparent für ihren an vielen Tagen im Jahr am Schelder Rosengarten trainierenden „local hero“ mitgebracht hatten, erlebten auch die Fußball-Trainer Florian Schnorrenberg und Gerhard „Fanja“ Noll den Weltcup-Tag im Sauerland.
Schon beim Start zum 1. Lauf säumten weiter über 1000 Zuschauer alleine den Startbereich und feuerten ihren Liebling wie immer mit Kuhglocken-Geläut, einem neu kreierten Song, La-ola-Wellen und lautem Gejohle nach Kräften an. Als Neunte gestartet übernahm die Brachbacher Polizeiobermeisterin mit 58,12 Sekunden die Führung, doch die hielt nur kurz, denn Weltmeisterin Tina Hermann bewahrte unmittelbar danach ihre vier Hundertstelsekunden - beim Start auf Lölling - herausgeholt - quasi bis ins Ziel und leitete mit zwei Hundertstel Vorsprung einen noch packenderen 2. Lauf ein.

Fehler reihte sich an Fehler

Mirela Rahneva mit Tagesbestzeit (58,01) und die Österreicherin Janine Flock mit zwei konstant fehlerlosen Läufen setzten den Publikumsliebling mächtig unter Druck. Jacqueline Lölling musste also als Vorletzte auf die Bahn. Doch dann wollte sie zu viel, wurde der Druck vielleicht doch zu groß. Der Hattrick war möglich, doch dann ging alles schief: „Ich bin gleich in der ersten Kurve ein wenig zu weit nach rechts gekommen, und dann bin ich einfach viel zu unruhig gefahren. Fehler reihte sich an Fehler, so dass ich nie in meinen normalen Rhythmus gekommen bin“, kommentierte die Viertplatzierte ihren missglückten 2. Lauf im Ziel, wusste da aber immerhin schon, dass sie auch nach dem 3. Lauf ihre Weltcup-Gesamtführung mit nun 627 Zählern verteidigt hatte. Flock und Hermann sowie Rahneva sind aber deutlich näher gerückt. Keine Rolle spielte dagegen die noch in Lake Placid zum Saisonauftakt „explodierte“ Russin Elena Nikitina, die nach zwei enttäuschenden Runden nur Achte wurde und auch in der Weltcup-Gesamtführung bis auf Rang 5 durchgereicht wurde.

Schon am Freitag in La Plagne

Für die Skeletonis geht es jetzt nonstop weiter. Am Freitag wird im französischen La Plagne um 10 Uhr der 4. Lauf gestartet, am 17. Januar (Freitag) geht es in Innsbruck um 14 Uhr weiter. Königssee ist am 24. Januar Schauplatz der Weltcup-Serie, und am 31. Januar schaut der Tross in St. Moritz vorbei. Danach geht es am 16. Februar ins lettische Sigulda, ehe die Weltmeisterschaft im sächsischen Altenberg die Saison beschließt (28./29. Februar).

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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