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Friedewalder im großen Interview
Jetzt kennt Modeste auch Mockenhaupt

Sascha Mockenhaupt (Bildmitte) ist einer der Führungsspieler des Fußball-Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden – das stellte der aus Friedewald stammende Innenverteidiger auch im DFB-Pokal-Spiel gegen den 1. FC Köln unter Beweis.
  • Sascha Mockenhaupt (Bildmitte) ist einer der Führungsspieler des Fußball-Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden – das stellte der aus Friedewald stammende Innenverteidiger auch im DFB-Pokal-Spiel gegen den 1. FC Köln unter Beweis.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Friedewald/Wiesbaden. Im DFB-Pokal lieferte er sich am Sonntagabend packende Zweikämpfe mit Anthony Modeste – und da beim Torjäger des 1. FC Köln am Ende die „Null“ stand, durfte sich Sascha Mockenhaupt durchaus als Sieger dieses Duells fühlen. Das ganz große Happy End blieb dem Fußballer aus Friedewald (bei Daaden im Kreis Altenkirchen) allerdings verwehrt, denn der Zweitliga-Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden musste sich den favorisierten „Geißböcken“ trotz couragierter Leistung, großartiger Moral und aufopferungsvollem Kampf im Elfmeterschießen (2:3) geschlagen geben, nachdem es nach 120 Minuten 3:3 gestanden hatte.
Dennoch: Innenverteidiger Sascha Mockenhaupt wies einmal mehr seine Klasse nach.

ubau Friedewald/Wiesbaden. Im DFB-Pokal lieferte er sich am Sonntagabend packende Zweikämpfe mit Anthony Modeste – und da beim Torjäger des 1. FC Köln am Ende die „Null“ stand, durfte sich Sascha Mockenhaupt durchaus als Sieger dieses Duells fühlen. Das ganz große Happy End blieb dem Fußballer aus Friedewald (bei Daaden im Kreis Altenkirchen) allerdings verwehrt, denn der Zweitliga-Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden musste sich den favorisierten „Geißböcken“ trotz couragierter Leistung, großartiger Moral und aufopferungsvollem Kampf im Elfmeterschießen (2:3) geschlagen geben, nachdem es nach 120 Minuten 3:3 gestanden hatte.
Dennoch: Innenverteidiger Sascha Mockenhaupt wies einmal mehr seine Klasse nach. Das wollen (und müssen) der 27-Jährige und sein Team nun auch in der Liga, denn da legte der SV Wehen Wiesbaden mit zwei Niederlagen gegen den Karlsruher SC (1:2) und bei Erzgebirge Aue (2:3) einen Fehlstart hin. Im Interview mit der SZ spricht der Führungsspieler des SVWW, der bei der JSG Weitefeld das Fußball-ABC erlernte und später auch für die SG 06 Betzdorf spielte, über seine Gefühle nach dem DFB-Pokal-K.o., seine persönlichen Saisonziele, ein Intermezzo in Norwegen und Besuche an der Fußball-„Basis“.

SZ: Herr Mockenhaupt, im DFB-Pokal standen Sie mit dem SV Wehen Wiesbaden ganz dicht vor einer faustdicken Überraschung gegen den 1. FC Köln. Ist die Enttäuschung über die Niederlage mittlerweile dem Stolz auf die starke Leistung gewichen?
Sascha Mockenhaupt: „Ich bin da immer noch ein wenig zwiegespalten. Direkt nach dem Spiel und am Tag danach war die Enttäuschung natürlich noch groß. Wir haben zwar gut gespielt, aber im Pokal zählt nur das Weiterkommen. Andererseits können wir viele positive Dinge aus dem Spiel mitnehmen und hoffentlich auch in die Liga transportieren.“
SZ: Das gilt auch für Sie persönlich.
Mockenhaupt: „Durchaus. Mein Gegenspieler Anthony Modeste hat ja schon etwas nachzuweisen und einige Tore in seiner Karriere gemacht. Es macht Spaß, sich mit solchen Top-Spielern zu messen.“

"Das war brutal bitter"

SZ: Was ging in Ihnen vor, als das Pokal-Aus besiegelt war?
Mockenhaupt: „Das war brutal bitter! Wir haben 120 Minuten alles gegeben und hatten den großen Erfolg vor Augen. Im Elfmeterschießen stehen die Chancen 50:50, da geht es um die besseren Nerven und das Quäntchen Glück, nicht um das fußballerische Können. Daher tat das Ausscheiden natürlich doppelt weh. Ich bin aber jetzt schon einige Jahre dabei und weiß, gewisse Dinge einzuordnen. Daher habe ich relativ schnell versucht, meine Mitspieler aufzubauen.“

Gewagte Aussage von Bartels...

SZ: Und der „Effzeh“ feierte seinen Matchwinner Timo Horn, der gleich drei Elfmeter hielt …
Mockenhaupt: „Ja. Und dabei hatte unser Ersatztorhüter Jan-Christoph Bartels, der im Sommer aus der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln zu uns gewechselt ist, vorher noch gesagt, dass Horn kein ausgewiesener Elfmeter-Experte ist … (lacht).“ 
SZ: Sie spielen jetzt seit 2017 für den SV Wehen Wiesbaden. In der vergangenen Saison haben Sie mit dem Verein in der Relegation gegen den FC Ingolstadt den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. War das der emotionale und sportliche Höhepunkt Ihrer Karriere?
Mockenhaupt: „Ja, durchaus, obwohl es auch andere ganz spezielle Momente in meiner Laufbahn gab. Zum Beispiel mein erstes Zweitliga-Spiel (Anm. d. Red.: damals noch für den 1. FC Kaiserslautern). So etwas vergisst man ebenfalls nicht. Den Aufstieg über die Relegation zu schaffen, macht es noch mal emotionaler. Es ist eine große psychische Belastung, die in den beiden Spielen auf einem lastet. Umso größer war dann die Freude, als wir es geschafft haben und der Druck abgefallen ist. Das war unglaublich emotional.“

"Ich komme vom Dorf..."

SZ: Und die anschließende Party hatte es wahrscheinlich auch in sich …
Mockenhaupt: „Sie müssen wissen: Ich komme vom Dorf. Da weiß man, wie man Feste feiert. Und in der Familie Mockenhaupt weiß man das erst recht …(lacht).“
SZ: Zu feiern gab es in die 2. Bundesliga bislang noch nichts. Zwei Spiele, zwei Niederlagen. Es sieht nach einer schweren Saison für Wehen Wiesbaden aus …
Mockenhaupt: „Natürlich hätten wir gerne einen besseren Start hingelegt. Andererseits waren wir in der letzten Saison nach dem 6. Spieltag Vorletzter – und haben noch den Aufstieg geschafft. Wegen der zwei Niederlagen gegen Karlsruhe und Aue macht sich hier niemand verrückt. Wir haben gefestigte Strukturen innerhalb der Mannschaft. Und auf der zweiten Halbzeit des Aue-Spiels und der Pokal-Partie gegen den 1. FC Köln können wir aufbauen. Da haben wir gespürt, was möglich ist. Und ich bin sicher, dass wir bald auch punkten werden. Es war von vorneherein klar, dass es für uns einzig und allein um den Klassenerhalt geht.“

"Ich versuche, auf allen Ebenen zu helfen"

SZ: Was haben Sie sich persönlich zum Ziel gesetzt?
Mockenhaupt: „Ich mache mir keinen Kopf über Einsätze oder sonstige Statistiken – dafür bin ich schon zu lange im Fußball dabei. Für mich ist es die dritte Zweitliga-Station nach dem 1. FC Kaiserslautern und dem VfR Aalen – allerdings die erste als Führungsspieler. Damals bin ich froh gewesen, überhaupt dabei zu sein. Das ist hier anders. Der Trainer weiß, was er an mir hat. Ich versuche, Einfluss zu nehmen und meine Erfahrungen weiter zu geben, zumal wir viele junge Spieler dazu bekommen haben. Sie wissen, dass ich immer ein offenes Ohr für sie habe. Einem Mitspieler habe ich jetzt noch bei der Wohnungssuche geholfen, und einer hat sogar eine Zeit lang bei mir gewohnt. Ich versuche, auf allen Ebenen zu helfen.“
SZ: Einen großen Teil Ihrer Karriere haben Sie am Betzenberg verbracht. Mit welchen Gefühlen schauen Sie auf die Station 1. FC Kaiserslautern zurück?
Mockenhaupt: „Mit gemischten Gefühlen. In erster Linie empfinde ich aber Dankbarkeit, denn dort habe ich die größten Schritte zum Profi-Fußballer gemacht. Ich war allerdings in einer Zeit beim FCK, als der Verein mit aller Macht wieder zurück in die 1. Liga wollte. Da war es schwierig für junge Spieler, man hatte keine Geduld mit ihnen. Viele Talente wurden weggeschickt – mittlerweile spielen etliche in der 1. oder 2. Bundesliga. Ich wünsche dem 1. FC Kaiserslautern aber alles Gute für die Zukunft.“

Vom "Betze" nach Bodø

SZ: Im August 2016 wechselten Sie zum norwegischen Erstligisten FK Bodø/Glimt. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Abstecher?
Mockenhaupt: „Nun, ich war in einer schwierigen Situation. Beim 1. FC Kaiserslautern war ich in der Vorbereitung unter Trainer Tayfun Korkut in manchen Spielen sogar Kapitän. Ich hatte mir Hoffnungen auf die Stammelf gemacht. Doch wenig später fand ich mich auf der Tribüne wieder, und man legte mir nahe, den Verein zu verlassen. Daher rief ich meinen Berater an, der zu Gesprächen in Norwegen weilte und zufällig mit dem Trainer von FK Bodø/Glimt im Restaurant zusammensaß. Es stellte sich heraus, dass der Verein noch einen Innenverteidiger sucht. Kurze Zeit später bin ich dann nach Norwegen geflogen, habe mir dort alles angeschaut, Rücksprache mit meiner Frau gehalten und einen Halbjahresvertrag unterschrieben, denn in Norwegen endet die Saison schon im November.“
SZ: Und, wie war die Zeit in Norwegen rückblickend?
Mockenhaupt: „Es war eine unglaubliche Lebenserfahrung für mich, ein ganz tolles Erlebnis. Aus sportlicher Sicht, weil ich zum ersten Mal Führungsspieler in einer Profi-Mannschaft war und weil man in Norwegen eine ganz andere Einstellung zum Fußball hat. Wenn dort etwas im Fußball schief läuft, dann geht nicht gleich die Welt unter. Außerdem ist Norwegen ein traumhaft schönes Land. Und obendrein wurde dort auch unser Sohn James gezeugt (lacht). Ich habe also sehr gute Erinnerungen an Norwegen …“

"Das ist noch Fußball, wie ich ihn von früher kenne"

SZ: Von Norwegen in den Kreis Altenkirchen: Ihr Vater Jörg, einst Torwart-Legende beim früheren Oberligisten VfL Hamm, trainiert den Westerwälder Bezirksligisten SG Weitefeld-Langenbach/Friedewald/Neunkhausen, für den auch Ihr Bruder Jan Niklas auf Torejagd geht. Verfolgen Sie das Fußball-Geschehen in der Heimat noch?
Mockenhaupt: „Ja, klar! Ich versuche, so viele Spiele wie möglich zu sehen. Das ist schließlich mein Heimatverein und von den Jungs, die jetzt dort kicken, kenne ich die Allermeisten. Das ist noch Fußball, wie ich ihn von früher kenne. Da geht es nicht um Geld, sondern um Spaß und Geselligkeit. Das ist schön zu sehen.“

Fakten zum sportlichen Werdegang
Bei der JSG Weitefeld nahm alles seinen fußballerischen Anfang. Von dort wechselte der aus Friedewald stammende Sascha Mockenhaupt 2004 in die Jugendabteilung von Bayer 04 Leverkusen. Zwei Jahre später zog es ihn zur SG 06 Betzdorf, wo er die letzten vier Spielzeiten im Jugendbereich absolvierte. Das Stadion „Auf dem Bühl“ war auch in den ersten beiden Senioren-Jahren die sportliche Heimat von Sascha Mockenhaupt, ehe er 2012 zum 1. FC Kaiserslautern wechselte. Dort spielte er zunächst in der zweiten Mannschaft. Seinen ersten Zweitliga-Einsatz hatte der Defensivspieler am 20. April 2014 beim 3:2-Heimsieg gegen den FSV Frankfurt, als er kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Im Sommer 2014 schloss Sascha Mockenhaupt sich dem damaligen Zweitligisten VfR Aalen an, für den er 25 Mal auflief, mit dem er am Saisonende aber auch in die 3. Liga abstieg. Im Sommer 2015 kehrte Sascha Mockenhaupt erneut an den Betzenberg zurück. Für den FCK bestritt er in der folgenden Saison 18 Zweitliga-Partien. 2016 stellte er sich dann einen ganz neuen fußballerischen Herausforderung: Er wechselte zum norwegischen Erstligisten FK Bodø/Glimt. Seit4. Januar 2017 spielt er beim SV Wehen Wiesbaden, wo er noch einen Vertrag bis 2021 hat. In der Region ist der Familienvater – Sohn James ist zwei Jahre alt – sesshaft geworden. In Taunusstein, etwa zehn Minuten mit dem Auto von Wiesbaden entfernt, haben die Mockenhaupts ein Haus gebaut, in das sie vor zwei Wochen eingezogen sind. Neben dem Fußball studiert Sascha Mockenhaupt noch Sport-Management. Zwei Drittel des Fernstudiums hat er bereits absolviert. „Das ist ein guter Ausgleich für mich. Und mit dem Fußball ist ja auch irgendwann vorbei“, sagt Sascha Mockenhaupt.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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