Platz im Handball-Nationalteam winkt
Johanna Stockschläder auf dem Sprung

Glücklich mit dem Adler auf der Brust: Johanna Stockschläder im Trainingsdress der Nationalmannschaft.
  • Glücklich mit dem Adler auf der Brust: Johanna Stockschläder im Trainingsdress der Nationalmannschaft.
  • Foto: imago
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

pm Bensheim. Rund zehn Jahre ist es her, da ging die damals 16-jährige Johanna Stockschläder ihre ersten Schritte im Kreis der Profimannschaft von Handball-Bundesligist Bayer Leverkusen und schaute ehrfürchtig zu den gestandenen Spielerinnen wie Marlene Zapf auf. „Sie sagte, sie kennt mich noch als kleinen Stöpsel“, berichtet Stockschläder ein Jahrzehnt später vom Wiedersehen mit der Ex-Kollegin. Beim Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft in Bensheim begegneten sie sich in der vergangenen Woche auf Augenhöhe. Hier die gestandene DHB-Leistungsträgerin Zapf, dort die aus Gernsdorf stammende „Stocki“, die sich mit konstant starken Leistungen bei Borussia Dortmund in den Fokus gespielt hat.

Erstmals bei Lehrgang dabei

Der Lohn war die erstmalige Nominierung für die intensive Lehrmaßnahme durch Bundestrainer Henk Groener. Nach der Anreise und dem obligatorischen Corona-Test am Sonntag standen von Montag bis Samstag täglich zwei Trainingseinheiten auf dem Programm, dazu kamen Teambuilding-Maßnahmen und zahlreiche Besprechungen. „Gerade den Neuen wie mir wurden die Spielzüge ausführlich erklärt. Insgesamt wurde ich super aufgenommen“, so Stockschläder.

Ihr Hotelzimmer in der „Blase“ teilte sie sich mit der Dortmunder Teamkollegin Alina Grijseels, bei den drei gemeinsamen Mahlzeiten am Tag sowie den abendlichen Zusammenkünften lernte sie auch die übrigen Nationalspielerinnen kennen, denen sie zuvor nur auf den Bundesligafeldern begegnet war. „So hatte man natürlich eine ganz andere Basis und lernt ganz neue Seiten der Spielerinnen kennen. Das allein war schon eine schöne Erfahrung.“

WM-Play-offs im April

Die Woche in Südhessen war gewissermaßen die Vorbereitung für einen weiteren Lehrgang im April, an den sich die entscheidenden Play-offs der Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Dezember 2021 in Spanien anschließen. Eingeladen waren 21 Spielerinnen, von denen wegen positiver Corona-Tests und Verletzungen letztlich 18 anreisen konnten. Der tatsächliche Kader für die Länderspiele wird dann „schlanker“ ausfallen, um einige „Spots“ im Team herrscht noch ein Konkurrenzkampf.

Mittendrin: „Jojo“ Stockschläder, die eine ganz heiße Anwärterin auf den zweiten Platz auf Linksaußen ist. Nach dem kürzlich bekanntgegeben Rücktritt der 41-maligen Nationalspielerin Ina Großmann scheint dort zurzeit nur noch Antje Lauenroth von der SG BBM Bietigheim gesetzt. Als weitere Kandidatin war Selina Kalmbach, „Stockis“ zukünftige Mitspielerin von der Neckarsulmer SU, eingeladen. Nur eine der beiden wird letztlich wohl den „Cut“ schaffen und im Aufgebot von Henk Groener stehen.

„Ich sage immer, dass man lieber kleine Brötchen backen sollte und dabei bleibe ich auch in dieser Situation. Bei Borussia Dortmund haben wir aber einen sehr gut und ausgeglichen besetzten Kader, und ich muss schon das Selbstbewusstsein haben, mich dann auch in diesem Konkurrenzkampf durchzusetzen“, so Stockschläder, ihres Zeichens immerhin beim unangefochtenen Tabellenführer aktiv.

Lohn für harte Arbeit

Die Berufung in den Kreis der Nationalmannschaft ist für sie schon jetzt der Lohn für harte Arbeit, denn anders als viele der neuen Kolleginnen gehörte die 26-Jährige in ihrer bisherigen Laufbahn nicht durchgängig zu den absoluten „Überfliegern“ ihres Jahrgangs. Im Alter von 15 war sie zuletzt zu einem DHB-Lehrgang geladen, reiste damals nach einem Syndesmoseband-Anriss aus dem Länderpokal mit der Westfalenauswahl gehandicapt an und fiel deshalb durchs Raster der Verantwortlichen.

„Ich war damals raus und erstmal nicht mehr auf dem Radar. Ich bin aber froh, wie es gelaufen ist, mein Weg sollte so sein. Im Leben gehören Höhen und Tiefen dazu, und es hat seinen Teil dazu beigetragen, dass ich mich so entwickelt habe“, fasst Johanna Stockschläder zusammen und fügt mit angemessenem Stolz an: „Umso schöner ist es, dass meine Leistungen vom Verband bemerkt wurden.“

"Kreis der Besten in Deutschland"

An den besonderen Eindruck, den Adler auf der Brust zu tragen, könnte sich die 26-jährige Rechtshänderin indes gewöhnen. „Das sieht schon so professionell aus. Wenn man die Kleidung trägt, realisiert man, dass man jetzt zum Kreis der Besten in Deutschland gehört“, beschreibt Stockschläder das neue Hochgefühl.

Ihren ersten inoffiziellen Einsatz für den DHB hat sie sogar schon hinter sich, im Rahmen des Lehrgangs gab es am Mittwochabend ein Trainingsspiel gegen den örtlichen Erstligisten HSG Bensheim Auerbach. „Da haben wir aber Trainingsleibchen getragen, also zählte es nicht wirklich“, so die Gernsdorferin mit einem Schmunzeln.

Der ganz große Traum ist also bislang noch nicht in Erfüllung gegangen. Die Betonung liegt allerdings auf „noch“. „Ich will mir nicht jetzt schon zu große Hoffnungen machen, aber die Chance ist auf jeden Fall da“, sagt Stockschläder mit Blick auf die womöglich schon in der kommenden Woche anstehende Bekanntgabe des endgültigen Play-off-Kaders.

Dann mache ich riesige Luftsprünge.
- Johanna Stockschläder zu ihrer Reaktion, sollte sie nominiert werden.

Und was ist, wenn ihr Name tatsächlich auf der Spielerinnenliste steht? „Dann mache ich riesige Luftsprünge. Wenn ich das schaffe, dann habe ich quasi alles erreicht. Es war kein einfacher Weg bis hierher, aber dann kann ich sagen, dass sich das alles definitiv gelohnt hat“, macht Stockschläder keinen Hehl aus der Bedeutung für sie und ihre Laufbahn.

Mit 26 Jahren kommt die Gernsdorferin gerade erst ins beste Handballalter. Aus dem „kleinen Stöpsel“ ist eine gestandene Bundesligaspielerin und bald wohl auch Deutsche Meisterin geworden, für die eine Berufung in den DHB-Kader ein großes Geschenk, zugleich aber einfach der folgerichtige Schritt wäre. Johanna Stockschläder will sich noch nicht zu früh freuen, doch um die bekannte Beschreibung einer geringen Entfernung thematisch passend abzuwandeln: Eine Karriere in der Nationalmannschaft ist nur noch einen Sprungwurf entfernt.

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen