Auch ohne Dickel und Bruchhagen
Launige Einblicke in den Sport-Alltag

Interessante Gesprächsrunde: Christian Friedrich, Jacqueline Lölling, Jörg Jakob und Frank Böcking (v. l.) machten die Abwesenheit von Norbert Dickel und Heribert Bruchhagen mit interessanten Erzählungen vergessen.
  • Interessante Gesprächsrunde: Christian Friedrich, Jacqueline Lölling, Jörg Jakob und Frank Böcking (v. l.) machten die Abwesenheit von Norbert Dickel und Heribert Bruchhagen mit interessanten Erzählungen vergessen.
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pm Siegen. Wenn die Volksbank in Südwestfalen zum Kicker-Business-Talk in den Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle einlädt, dann klingt das nach Fachvorträgen von Fußball-Experten, die über die stetig wachsende Bedeutung ihres Sports als Wirtschaftsfaktor philosophieren. Wenn die geladenen Vertreter des kickenden Sports, namentlich Ex-Bundesliga-Profi und BVB-Legende Norbert Dickel sowie der Ex-Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt und des Hamburger SV, Heribert Bruchhagen, dann aber unvorhergesehenerweise nicht auftauchen, dann scheint das enttäuschend für Veranstalter und Zuhörer. Als „einfach saublöd“ betitelte sodann auch Norbert Kaufmann, Vorstandssprecher der Volksbank in Südwestfalen, die durch eine Panne bei einer zwischengeschalteten Agentur entstandene Abwesenheit der beiden Experten – wurde doch der Ablaufplan der Veranstaltung am Montagabend zwangsläufig durcheinander gewirbelt. Eineinhalb Stunden nach Beginn war aber klar: Ein Kicker-Business-Talk kann auch ohne Ex-Kicker funktionieren. Nicht aber ohne Vertreter des namensgebenden Kicker-Sportmagazins, dessen Chefredakteur Jörg Jakob als Moderator durch den Abend führte.

Trio muss sich nicht verstecken

Übrig geblieben am Expertentisch waren noch jene, die nach dem Auftritt des Duos Dickel/Bruchhagen in der „zweiten Halbzeit“ die regionale „Geige“ spielen sollten: Skeleton-Vize-Olympiasiegerin Jacqueline Lölling, der bis 2014 aktive Ex-Bob-Anschieber Christian Friedrich und Frank Böcking, bis Ende Juni Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten TuS Ferndorf. Sie rückten nun von Beginn an ins Scheinwerferlicht und bewiesen, dass sie – und ihre Sportarten – sich hinter dem „Platzhirsch Fußball“ nicht verstecken müssen. Etwa 180 Gäste durften sich über launige Einblicke in den Sport(ler)-Alltag freuen.
Ganz ohne Fußball-Fragen ging es zwar dann doch nicht – und so erfuhren die Anwesenden eingangs, dass „Jacka“ Lölling von neun Bundesliga-Partien am Wochenende immerhin das Ergebnis des Derbys zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (0:1) mitbekommen hatte. Danach aber ging es verbal rasant in Richtung Eiskanal, wo die Brachbacherin und Christian Friedrich sportlich zuhause sind bzw. waren.

"Sport für Idealisten"

Leistungssport als „Non-Profit-Job“, so lautet das Schicksal der beiden Wintersportler, die bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche absolvier(t)en. Ein „Sport für Idealisten, nicht zum reich werden“, sagte Friedrich, der heute als Sportwart des BSC Winterberg jährlich 20 000 Euro für die Förderung all seiner Athleten zur Verfügung hat. Mit 2600 Euro wurde Lölling für ihre Goldmedaille bei der Skeleton-WM entlohnt – eine Summe, die Lionel Messi in weniger als einer Viertelstunde verdient.
Klagende Worte gibt es trotzdem nicht, obwohl Friedrich und seine Kameraden den 210 Kilogramm schweren Viererbob zu aktiven Zeiten selbst ins Auto hieven mussten und Lölling bei ihren Flugreisen „nicht in der Business-Klasse, sondern in der Holzklasse“ unterwegs ist. In Randsportarten ist man froh, überhaupt finanzielle Unterstützer zu finden. So erzählte „Jacka“, sie mache sich tagtäglich Gedanken, wie sie das Optimum aus den vorhandenen Möglichkeiten machen könne. Friedrich verkündete hingegen sein Karriere-Fazit: „Es ist unheimlich viel hängen geblieben, zwar keine Reichtümer, aber für die Entwicklung als Mensch.“

Auch Handballer mit Sorgen

Ein stetiges finanzielles Wachstum legte indes der TuS Ferndorf unter Frank Böckings Führung an den Tag. Knapp eine Million Euro beträgt der Etat für die laufende Zweitliga-Saison. Sorgen gibt es trotzdem, denn in der Region Südwestfalen mangelt es an einer langfristig geeigneten Sportstätte. Abgesehen von der absoluten Elite stehe bei Handballern gezwungenermaßen die „berufliche Karriere immer im Vordergrund, im Vergleich zum Sport“, so Böcking.
Jörg Jakob veranlasste das zur Frage, ob sich das Trio mit seinen Sportarten von der Öffentlichkeit ausreichend wertgeschätzt fühle. Die Antworten klangen bescheiden, ein flammender Appell für mehr Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung folgte nicht. Allen Zuhörern war auf unterhaltsame Weise dennoch klar geworden: Die Verzahnung zwischen Sport und Wirtschaft ist wichtig, auch und besonders neben dem Fußball.

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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