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50 Jahre "Tor des Monats"
Martin Willmanns Strahl aus 60 Metern

In der Saison 1999/2000 gelang dem jungen Martin Willmann (links), hier im Spiel gegen den SC Verl, der Durchbruch in der ersten Mannschaft der Sportfreunde Siegen. Ein Jahr darauf schoss er das Tor des Monats.
  • In der Saison 1999/2000 gelang dem jungen Martin Willmann (links), hier im Spiel gegen den SC Verl, der Durchbruch in der ersten Mannschaft der Sportfreunde Siegen. Ein Jahr darauf schoss er das Tor des Monats.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

pm Siegen. Es ist Montagabend, der 16. April 2001. Im Spiel der Regionalliga Süd zwischen dem VfB Stuttgart 2. und den Sportfreunden Siegen führen die Schwaben mit 1:0 und drängen auf den zweiten Treffer. Die Siegener können sich kaum kontrolliert befreien, mehr zufällig landet der Ball nach einem Befreiungsschlag bei Til Bettenstaedt. Dann geht alles ganz schnell: Mit dem zweiten Kontakt legt der Angreifer die Kugel vier Meter in die eigene Hälfte ab, ein Stuttgarter rutscht weg und Martin Willmann drischt den Ball aus rund 60 Metern Richtung VfB-Tor. Keeper Markus Miller guckt ebenso überrascht wie die übrigen Spieler und die 500 Zuschauer, als das Leder in seinem Kasten einschlägt. Ein Traumtor, ein sensationeller Treffer – das Tor des Monats im April 2001.

pm Siegen. Es ist Montagabend, der 16. April 2001. Im Spiel der Regionalliga Süd zwischen dem VfB Stuttgart 2. und den Sportfreunden Siegen führen die Schwaben mit 1:0 und drängen auf den zweiten Treffer. Die Siegener können sich kaum kontrolliert befreien, mehr zufällig landet der Ball nach einem Befreiungsschlag bei Til Bettenstaedt. Dann geht alles ganz schnell: Mit dem zweiten Kontakt legt der Angreifer die Kugel vier Meter in die eigene Hälfte ab, ein Stuttgarter rutscht weg und Martin Willmann drischt den Ball aus rund 60 Metern Richtung VfB-Tor. Keeper Markus Miller guckt ebenso überrascht wie die übrigen Spieler und die 500 Zuschauer, als das Leder in seinem Kasten einschlägt. Ein Traumtor, ein sensationeller Treffer – das Tor des Monats im April 2001.

Start einer abwechslungsreichen Karriere

Am Ende verlieren die Sportfreunde die Partie mit 1:2, für den damals gerade 21 Jahre jungen Angreifer Willmann ist der Abend dennoch unvergesslich. „Das ging ruckzuck. Im Fußball muss man ständig schnelle Entscheidungen treffen, hier hatte ich den Gedankenblitz, einfach draufzuhauen. Dass es dann so funktioniert hat, ist natürlich Wahnsinn“, erinnert sich der heute 41-Jährige und ergänzt: „Das Tor schaue ich mir heute ab und zu noch mit Arbeitskollegen an.“
Zwei weitere Treffer lässt er in der Saison 2000/01 noch folgen, u.a. durch acht Willmann-Tore beendet Siegen die Spielzeit auf Rang 6. Eine Saison bleibt der Angreifer seinem Jugendverein noch treu, ehe es ihn zur Reserve von 1860 München in die Bayernliga zieht. Es ist der Startschuss zu einer abwechslungsreichen Karriere, die Willmann zwölf Monate später zu Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga und direkt im nächsten Jahr zur TuS Koblenz wieder in die Regionalliga führt. Mit dem SV Wehen schafft Willmann 2007 den Aufstieg in die 2. Liga, sammelt dort elf weitere Einsätze, ehe seine Profi-Karriere nach vier Regionalliga-Jahren bei der SV Elversberg langsam ausklingt.

Medaille bei Eltern sicher verwahrt

Die Medaille für sein Tor des Monats liegt die ganze Zeit über und bis heute bei seinen Eltern in Siegen. „Ich wollte sie nicht bei einem meiner Umzüge verlieren“, erklärt Willmann im SZ-Gespräch und fasst zusammen: „In meiner Karriere gab es viele schöne Zeiten. Es gab Höhen und Tiefen und neben diesem einen Tor viele weitere tolle Momente. Als Stürmer habe ich mich über jedes Tor gefreut.“
Ein Jahr pausiert Willmann nach der Saison 2011/12 fußballerisch komplett, ehe er beim Verbandsligisten TSV Schott Mainz wieder die Schuhe schnürt. Zwei Jahre kickt er für die SG Orlen (Hessen), dann verschlägt es ihn nach Sachsen-Anhalt. Der Sport ist zur Nebensache geworden. Nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher bei der Firma Utsch fängt er 15 Jahre später an, in diesem Beruf zu arbeiten. Eine Anstellung findet er als Werkzeugmechaniker bei Schüco. „Ich habe dort gesagt, dass ich vorher nur Fußball gespielt habe. Das war für sie aber kein Problem“, so Willmann.

Neue Heimat Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen fünf Jahren eine neue Heimat geworden, selbst den typischen Dialekt hat der 41-Jährige mittlerweile übernommen. Ganz ohne Fußball geht es für ihn noch immer nicht. In der Reserve des SV Blau-Weiß Zorbau bringt er rund 40 Kilometer von Leipzig entfernt in der 1. Kreisklasse seine langjährige Erfahrung ein. Sein Aufgaben-Portfolio hat der Ex-Angreifer dabei um verschiedene Mittelfeld-Rollen erweitert. „Ich bin nicht mehr der Schnellste, aber ich kann ein bisschen Fußball spielen. Als erfahrener Hase muss man cleverer sein als die jüngeren Spieler“, lacht Willmann.
Regelmäßigen Kontakt in die alte Heimat hat er allein schon durch seine Eltern und Bruder Rainer, der noch für die Alten Herren des TSV Weißtal aufläuft. „Ich komme schon öfter rüber gefahren“, so Martin Willmann, „aber das Siegerland ist nicht so schön wie der Osten. In Siegen habe ich in 20 Jahren alles gesehen, hier haben wir viele Seen und es ist nicht weit bis Leipzig oder Berlin.“
Zurück nach Hause kehrt er trotzdem gerne. Und wenn er bei seinen Eltern ist, wirft Willmann hin und wieder auch einen Blick auf die Medaille, die ihn an seinen schönsten Treffer erinnert. Der 16. April 2001 wird dann wieder lebendig. Befreiungsschlag aus der Abwehr, Ablage von Bettenstaedt – und dann dieser unfassbare Strahl aus 60 Metern. Ein Traumtor, ein würdiges Tor des Monats.

► Video zum Artikel: https://cutt.ly/qzZFTHk

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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