Kniffliges Votum für Funktionäre
Mehrheit der Fußball-Vereine für Abbruch – nur wie?

Ein 1:1-Unentschieden sahen die Zuschauer am 8. September 2019 beim Landesliga-Duell zwischen der SpVg Olpe (rechts: Louis Zmitko) und dem Lokalrivalen VSV Wenden (v.l. Christian Runkel, Michel Schöler und Redouane El Alami). Ob die Partie wie ausgetragen in die Wertung der Saison 2019/2020 eingeht oder corona-bedingt annulliert wird, müssen die westfälischen Fußball-Funktionäre in den nächsten Wochen noch entscheiden.
  • Ein 1:1-Unentschieden sahen die Zuschauer am 8. September 2019 beim Landesliga-Duell zwischen der SpVg Olpe (rechts: Louis Zmitko) und dem Lokalrivalen VSV Wenden (v.l. Christian Runkel, Michel Schöler und Redouane El Alami). Ob die Partie wie ausgetragen in die Wertung der Saison 2019/2020 eingeht oder corona-bedingt annulliert wird, müssen die westfälischen Fußball-Funktionäre in den nächsten Wochen noch entscheiden.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

sz Siegen. Die westfälischen Vereine plädieren mit einer großen Mehrheit für den Abbruch der Fußball-Saison 2019/20. Das hat die vom Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) initiierte Abfrage des Meinungsbildes ergeben. Es haben insgesamt mehr als 88 Prozent aller angeschriebenen Vereine, die an der Umfrage des Verbandes teilgenommen haben, für eine sofortige Beendigung der aktuellen Spielzeit gestimmt.

Die meisten Stimmen erhielt zwar die Variante „Annullierung“ (34,2 Prozent), das hieße: Die komplette Saison würde annulliert. Zählt man allerdings die Stimmen der Abbruch-Varianten mit Wertung – entweder Wertung des aktuellen Tabellenstandes (24,2 Prozent) oder nur der Hinrunde (30 Prozent) – zusammen, so ergibt sich wiederum eine klare Mehrheit, die „Corona-Saison“ nicht für null und nichtig zu erklären. Nimmt man die 11,6 Prozent, die für eine Fortsetzung plädiert haben, dann ergibt sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit, die dafür ist, dass die bisher ausgetragenen Spiele nicht für die Katz waren. Weiterhin also eine ganz schön knifflige Aufgabe für die Entscheidungsträger …

Die Abfrage eines Meinungsbildes erfolgte ab Freitag (SZ berichtete). Die 1596 per ePostfach angeschriebenen Fußballvereine des FLVW wurden gebeten, auf der Internetseite des Verbandes ein Meinungsbild über die Fortführung der aktuellen Saison abzugeben. Während nur 11,6 Prozent der teilnehmenden Clubs für eine mögliche Fortführung der Spielzeit 2019/20 – frühestens ab September – votierten, gaben 88,4 Prozent der 1149 teilnehmenden Vereine an, die Saison abbrechen zu wollen.

„Der FLVW ist – gemessen an den Mitgliederzahlen – der zweitgrößte Landesverband innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes. Mit der internetgestützten Umfrage möchte der Verband ein Stimmungsbild einholen, das uns bei der Entscheidungsfindung über eine mögliche Fortführung der Saison helfen soll“, begründet Gundolf Walaschewski die Maßnahme. Die Einbindung der Vereine hat für den FLVW-Präsidenten oberste Priorität. „Hierzu haben wir uns auch im Vorfeld mit den Vereinen per Mail, Social Media oder Videokonferenzen ausgetauscht. Und tun dies weiterhin. An dieser Stelle möchte ich mich für die Zusammenarbeit und Solidarität ausdrücklich bedanken“, so Walaschewski weiter.

Insgesamt vier Optionen standen für die Vereine zur Wahl: Neben der (1) Saisonfortführung zu einem unbestimmten Zeitpunkt – frühestens jedoch ab September – skizzierte der Verband drei Abbruchszenarien: (2) Saisonabbruch und Wertung des aktuellen Tabellenstandes, (3) Saisonabbruch und Wertung nach der Hinrunden-Tabelle und (4) Saisonabbruch und Annullierung der gesamten Saison. – Dabei ergab sich folgendes Meinungsbild:

Variante 1: Saisonfortsetzung (falls möglich) ab September: 133 Stimmen (11,6 Prozent)
Variante 2: Abbruch und aktuellen Tabellenstand werten (nur Aufsteiger): 278 Stimmen (24,2 Prozent)
Variante 3: Abbruch und Hinrunde werten (nur Aufsteiger): 345 Stimmen (30 Prozent)
Variante 4: Abbruch und Saison annullieren (keine Auf- und Absteiger): 393 Stimmen (34,2 Prozent)

„Das Ergebnis der Befragung ist eindeutig. Die Fortführung der Saison wird von den Vereinen nicht befürwortet. Dies wird der Entscheidungsvorschlag des Verbands-Fußball-Ausschusses berücksichtigen“, sagt der für den Amateurfußball verantwortliche Vizepräsident Manfred Schnieders. Das Gremium und der gesamte FLVW müssen jedoch nach wie vor die Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen abwarten. „Fakt ist: Es gibt in den Statuten des DFB, WDFV und FLVW keine Abbruchszenarien. Wir möchten daher noch um Geduld bitten, bis der FLVW eine endgültige Entscheidung über eine Fortführung der Saison sowie die Wertung bei einem Abbruch vornimmt“, so Schnieders weiter, der keinen Stichtag für die Entscheidungsbekanntgabe nennen kann.

Der Verband steht nach wie vor im Austausch mit seinen 29 Kreisen, die den Spielbetrieb auf Kreisebene organisieren, dem Westdeutschen Fußballverband (WDFV) sowie Deutschen Fußball-Bund (DFB).
Bis zum 29. April hat der VFA darüber hinaus 17 Videokonferenzen mit den überkreislich spielenden Mannschaften der Männer- und Frauen-Staffeln angesetzt. Los ging es am Montagabend mit den Staffelleitern und den Clubs der Oberliga Westfalen.

Gleiches gilt für den Jugendbereich, wobei auf Grund unterschiedlicher Wettbewerbsmodelle im Kinder- und Jugendfußball Besonderheiten zu beachten sind. Für Freitag und Samstag stehen daher für Holger Bellinghoff (Vizepräsident Jugend) und Harald Ollech (Vorsitzender des Verbands-Jugend-Ausschusses) Videokonferenzen mit den Vorsitzenden der Kreis-Jugend-Ausschüsse an. „Wir hoffen im Rahmen des gemeinsamen Weges individuelle Lösungen zu finden“, so Bellinghoff.

„Leider können wir nicht allen Vereinen gerecht werden – das zeigt allein schon das ausgeglichene Meinungsbild zur Wertung der Saison bei einem möglichen Abbruch. Umso mehr hoffen wir auf die Solidarität untereinander – und Verständnis für die Entscheidungen der ehrenamtlichen Verantwortungsträgerinnen und -träger“, sagt Gundolf Walaschewski.

Autor:

Redaktion Sport aus Siegen

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