Umfrage unter Schalke-Fans aus der Region
Mehrheit steht hinter Tönnies

Im Siegerland und den angrenzenden Regionen bekommt Aufsichtsratschef Clemens Tönnies überwiegend Rückendeckung von den Schalke-Fans. Auch wenn sie seine Aussage keinesfalls gutheißen, sehen sie ihn nicht als Rassisten.
  • Im Siegerland und den angrenzenden Regionen bekommt Aufsichtsratschef Clemens Tönnies überwiegend Rückendeckung von den Schalke-Fans. Auch wenn sie seine Aussage keinesfalls gutheißen, sehen sie ihn nicht als Rassisten.
  • Foto: imago
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

rege/ubau Siegen. Wenige Tage vor der1. DFB-Pokal-Runde und knapp zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start ist es einmal mehr ein Thema „abseits des Platzes“, das „auf Schalke“ für Gesprächs- und Diskussionsstoff sorgt. Die Causa Clemens Tönnies füllt aber nicht nur im „Pott“ die Zeitungs- und Internetseiten, sondern hat bundesweit für ein riesengroßes Medienecho gesorgt. Auch in der heimischen Region, in der unzählige königsblaue Herzen schlagen und in der gleich mehrere „Schalke“-Fan-Clubs zu Hause sind, werden die Aussagen von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und die daraus resultierenden Konsequenzen, heiß diskutiert. - Die SZ-Sportredaktion hat sich bei einigen Schalke-Fans umgehört, und ihnen drei Fragen gestellt:

1.) Welche Konsequenzen hätten Sie von Clemens Tönnies selbst erwartet?
2.) Wie beurteilen sie die Entscheidung des Ehrenrats?
3.) Welche Auswirkungen haben der Kompromiss und die Causa Tönnies auf das Image des Vereins?

Die Antworten unterstreichen, dass die Meinungen zu dem Fall durchaus auseinander gehen. – Die Aussagen der „S04“-Anhänger im Überblick:

Ernst Ermert (Vorsitzender des Schalke-Fanclubs Blau-Weiß Herzen Banfe und Gast beim Trainingslager der „Königsblauen“ in Mittersill):
1.) Eine Entschuldigung hätte ich erwartet, und die hat es von ihm auch gegeben. Es war eine überflüssige und auch keine gute Aussage. Sie war dumm und unbedacht und hat ihm im nachhinein leid getan. Man muss die Sache aber jetzt nicht weiter hochspielen, mit der Entschuldigung ist es für mich getan. Damit sollte die Sache zu Ende sein. Er ist zu wichtig für Schalke und hat zu viel für den Verein getan, um sein Amt aufzugeben.
2.) Ich finde die Entscheidung des Ehrenrats gut. Es ist eine Entscheidung, die deutlich macht, dass der Ehrenrat auf die Satzung und das Leitbild des Vereins achten muss. Das hat er getan. Und der Ehrenrat hat trotzdem einen Weg gefunden, dass Tönnies nicht vom Amt zurücktreten muss.
3.) Das ist schwer zu sagen. Was Clemens Tönnies betrifft, ist die Schalker Fan-Gemeinschaft gespalten. Die, die Tönnies nicht gut gesonnen sind, suchen jetzt einen Weg, um ihn los zu werden. Für sie ist das ein gefundenes Fressen. Die Entscheidung ist so, wie sie jetzt getroffen ist, gut für den Verein. Schalke 04 kann damit leben und muss sich nicht vorwerfen lassen, nichts getan zu haben. Ich glaube nicht, dass das Image des Vereins darunter leidet, dafür hat Schalke in der Vergangenheit zu sehr bewiesen, dass der Verein gegen Rassismus ist. Es gab schon viele ausländische Spieler. Zudem gibt es im Ruhrpott sehr viele Gastarbeiter, darunter zahlreiche Bergleute aus Polen und den osteuropäischen Ländern, die hier ihre Heimat gefunden haben. Sie alle sind inzwischen ein Stück Schalke. Auch Clemens Tönnies hat so viel für die ausländischen Mitbürger und Spieler getan, dass ich in ihm keinen Rassist sehe. Wenn ich in ihm einen Rassist sehen würde, hätte ich direkt gesagt: Junge, tret zurück, hör sofort auf. Das ist aber nicht der Fall. So wie ich Clemens Tönnies kenne, wird er das wieder gut machen. Er wird sich etwas einfallen lassen und eine Aktion zur Wiedergutmachung starten.

Thomas Farnschläder (SZ-Operator/langjähriger Schalke-Fan/Mudersbach):
1.) Ich hätte eine ehrliche, offizielle Entschuldigung erwartet. Seine Entschuldigung klang mir ein bisschen fade. Ich erwarte, dass er sich an einer Aktion mit farbigen Mitbürgern beteiligt und damit wirkungsvoll zeigt, dass er kein Rassist ist.
2.) Ich teile die Auffassung, dass Tönnies mit seiner Aussage völlig daneben lag, aber auch die Auffassung, dass er kein Rassist ist. Insgesamt finde ich die Entscheidung recht mild. Ich hätte mir gewünscht, dass er für den Rest des Jahres beurlaubt wird bzw. sein Amt ruhen lässt. Danach muss die Sache dann vergessen sein.
3.) Das Thema wird in den sozialen Medien und der Presse momentan hochgekocht. Aus meiner Sicht zu unrecht. Der Imageschaden ist schon enorm, weil Schalke sich immer als weltoffener Verein dahingestellt und Rassismus keinen Platz gegeben hat. Das Image hat auf jeden Fall gelitten. Aber das ist halt Schalke. Es ist immer was los …

Lukas Widmer (Schalke-Fan, Geisweid):
1.) Ich hätte eine deutlichere Entschuldigung von Clemens Tönnies erwartet. Ich erwarte, dass er seinen Fehler einsieht.
2.) Aus meiner Sicht war die Entscheidung nicht konsequent genug. Ich hätte eine härtere Strafe erwartet, eventuell sogar seine Entlassung.
3.) Ich gehe davon aus, dass die Diskussionen sich wieder legen werden. Auch aufgrund des hohen Ausländeranteils in der Mannschaft kann der Verein nicht als rassistisch bezeichnet werden. Die Aussage von Tönnies war ein Einzelfall.

Thomas Mertin (Schalke-Fan, Kaan-Marienborn):
1.) Natürlich hat sich Clemens Tönnies eine verbale Entgleisung geleistet. Aber er hat sich danach öffentlich entschuldigt. Das war meiner Meinung nach ausreichend und die Sache ist damit erledigt.
2.) Meine persönliche Meinung ist, dass der Ehrenrat Tönnies von seiner selbst gewählten Auszeit hätte abbringen sollen. Ich schätze es aber auch so ein, dass der öffentliche Druck durch die Entscheidung zunehmen wird und man sich keinen Gefallen damit getan hat.
3.) Der Kompromiss und die Causa Tönnies wirken sich sicherlich nicht positiv auf das Image des Vereins aus. Das ist logisch!

Bernd Danzenbächer (Schalke-Fan, Wilden):
1.) Wenn man so ein Amt bekleidet, dann darf einem so eine Aussage nicht passieren und dann muss man auch mit den Konsequenzen leben. Bei einem Rücktritt hätte Clemens Tönnies Anstand und Größe gezeigt.
2.) Natürlich hätte der Ehrenrat die Möglichkeit gehabt, Clemens Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzenden abzusetzen, aber man hatte sicherlich auch die Verdienste von Tönnies um den Verein im Hinterkopf. Vielleicht hofft man auch darauf, dass Gras über die Sache wächst. Bekanntlich heilt die Zeit Wunden. Es könnte auch sein, dass die juristische Bewertung der Aussagen von Tönnies eine Rolle gespielt hat.
3.) Gewonnen hat hier sicherlich niemand – weder Tönnies noch der Ehrenrat und schon gar nicht der Verein. Aber Schalker Fans sind ja leidensfähig …

Ralf Wagner (Vorsitzender Fan-Club Schalke 04 Siegerland Nord/Hilchenbach):
1.) Ganz ehrlich: Ich finde das ganz überzogen von den Medien. Selbst der Afrika-Beauftragte von Angela Merkel sagt, dass er recht hat und dass über die Themen gesprochen werden muss. Clemens Tönnies hat das einfach so gesagt. Man sollte den Mann da nicht so anprangern. Was der alles für den Verein getan hat, ist unglaublich. Aus so einer blöden Aussage sollte keine Katastrophe entstehen. Dennoch bin ich etwas geteilter Meinung. In seiner Position muss man sich überlegen, was man sagt. Ich kenne den genauen Sachverhalt aber nicht, warum er das bei dieser Veranstaltung so gesagt hat. Viele Menschen machen im Leben Fehler, sonst wären sie keine Menschen. Wenn die Presse das nicht so hoch gehangen hätte, wäre es nicht in die Öffentlichkeit geraten. Die Berichterstattung ihm gegenüber ist nicht fair. Er hat sich nichts schlechtes dabei gedacht. Für den normalen Verbraucher ist die Sache damit erledigt.
2.) Ich finde die Entscheidung in Ordnung. Clemens Tönnies hat gegen kein Gesetz verstoßen, aber er hat gegen die Satzung verstoßen. Im Ehrenrat wurde bestimmt alles ausführlich erörtert. Wir waren nicht dabei, aber die Fans müssen Vertrauen in den Ehrenrat haben, sonst gäbe es keinen Ehrenrat.
3.) Ich denke im Moment ist das Image nicht so gut. Wenn die Presse nicht weiter rumrühren würde, wird das aber wieder normal. Man sollte das Thema nicht immer wieder aufgreifen. Das ist Clemens Tönnies gegenüber auch unfair. Er hat viel für den Verein getan. Es ist nicht fair, ihm wegen einer Aussage jetzt Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Jeder kann mal entgleisen. Das ist passiert, jetzt ist es vorbei, er hat seine Konsequenzen gezogen, da sollte man es auch bei belassen.

Heiko Plate (Schalke-Fan, Eiserfeld):
1.) Ich halte die ganze Diskussion für überzogen und zu aufgeregt. Clemens Tönnies hat natürlich etwas Falsches gesagt. Die Kritik ist daher auch nachvollziehbar. Aber er hat sich kurz danach öffentlich in aller Form für seine Wortwahl entschuldigt.
2.) Ich hätte es gut gefunden, wenn der Ehrenrat das Angebot von Clemens Tönnies, sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender drei Monate lang ruhen zu lassen, nicht angenommen hätte und versucht hätte, ihn zum Weitermachen zu animieren. Denn ich schätze die Arbeit von Tönnies für den FC Schalke 04 sehr.
3.) Natürlich ist das nicht gut für das Image des Vereins. Andererseits wird man vielleicht noch in den nächsten 14 Tagen darüber sprechen, danach sicherlich nicht mehr. Das Thema wird dann wohl erst wieder hochkommen, wenn Tönnies sein Amt wieder aufnimmt.

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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